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Waldbesitzer und Jäger stemmen sich gegen neues Jagdgesetz | BR24

© BR/Alexander Brutscher

Mit dem Entwurf zur Änderung des Bundesjagdgesetzes sind weder Jäger noch Waldbesitzer in Bayern zufrieden.

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    Waldbesitzer und Jäger stemmen sich gegen neues Jagdgesetz

    Stürme, Dürre und Schädlinge setzen den Wäldern in Deutschland schwer zu. Um sie zu stärken, sollen künftig unter anderem mehr Rehe geschossen werden dürfen. Dafür soll das Bundesjagdgesetz novelliert werden. Aus Bayern kommt Kritik an dem Entwurf.

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    Er stapft vorsichtig durch seinen Wald in Sauerlach, rund 20 Kilometer südlich von München, und schaut konzentriert auf den moosigen Boden. Um einen Wildverbiss zu finden, muss Johann Killer, der auch Präsidiumsmitglied im Bayerischen Waldbesitzerverband ist, nicht lange suchen. Er findet eine kleine Tanne, die schon mehrmals verbissen worden ist. "So werd' das bloß ein Krüppelwuchs", sagt Killer.

    "Waldumbau" gegen Klimawandel und Schädlinge

    Zwischen Kiefern und Fichten sollen mehr Tannen und Laubbäume wachsen, um den Wald gegen den Klimawandel und Schädlinge widerstandsfähiger zu machen. Die Triebe solcher Bäume sind allerdings ein Leckerbissen für Rehe und anderes Wild. "Wildverbiss" nennt man das. Der gilt als großes Hindernis für den "Waldumbau", also das Umwandeln von Monokulturen in Mischwälder.

    "Brauchen keine Kampfbegriffe wie Mindestabschussplan"

    Momentan legen Behörden Abschusspläne fest. In Zukunft soll das nicht mehr in allen Fällen so sein. Der Vorschlag des Bundeslandwirtschaftsministeriums für einen "tragfähigen Ausgleich zwischen Wald und Wild" besteht darin, dass sich Waldbesitzer und Jäger vor Ort einigen sollen, wie viele Rehe mindestens pro Jahr abgeschossen werden sollen.

    Vor allem bei diesem Punkt sieht Thomas Schreder vom Bayerischen Jagdverband Gesprächsbedarf:

    "Bei der Novellierung des Bundesjagdgesetzes müssen die Bedürfnisse der Wildtiere berücksichtigt werden und wir brauchen keine neuen Kampfbegriffe wie einen Mindestabschussplan. Wir haben in Bayern gut funktionierende Systeme mit der Abschussplanregelung für das Rehwild, das wir stetig weiter verbessern mit anderen Verbänden im Konsens und wir befürchten, dass mit der Bundesjagdgesetznovelle dieses etablierte System in Bayern in Gefahr gerät." Thomas Schreder vom Bayerischen Jagdverband Gesprächsbedarf

    Bayerischer Standard soll nicht geschwächt werden

    Auch Waldbesitzer Johann Killer spricht sich dafür aus, dass es weiterhin eine Instanz geben soll, die von außen über die Abschussplanung drüberschaut. In Bayern ist das die untere Jagdbehörde. Bayerns Forstministerin Michaela Kaniber (CSU) legt Wert darauf, dass der bayerische Standard nicht geschwächt werde. Es soll bei der behördlichen, flexiblen Abschussplanung bleiben - mit Untergrenze und Schranken nach oben.

    Waldverjüngung ohne Schutzmaßnahmen

    Laut Entwurf soll der Wald außerdem im Wesentlichen ohne Schutzmaßnahmen verjüngt werden. Also etwa ohne Zäune um junge Bäume. Das begrüßt Forstministerin Kaniber. Waldbesitzer Killer findet das sinnvoll. So könne Geld gespart und Müll im Wald vermieden werden. Zäune seien momentan nötig, weil der Verbiss zu stark sei. "Wenn man die Novellierung liest, kann man den Tenor Wald vor Wild rauslesen. Da bin ich sehr glücklich darüber, weil sich unsere Wälder dann wesentlich artenreicher gestalten", so Killer.

    "Wald vor Wild" heißt nicht "Wald ohne Wild"

    "Wald vor Wild" heiße aber nicht "Wald ohne Wild", sagt Killer. Der Bayerische Jagdverband betont, dass dem Wohl der Tiere stärker Rechnung getragen werden müsse. Der Fokus dürfe nicht nur auf den Schäden liegen, die Wildtiere anrichten können.

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