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Bildrechte: pa/dpa/Armin Weigel

Der Klimawandel hinterlässt inzwischen auch deutliche Spuren in den Wäldern. Laut dem aktuellen Waldzustandsbericht haben Dürre, Borkenkäfer, Stürme und Brände dafür gesorgt, dass die Lage vielerorts dramatisch ist.

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Waldbericht 2020: Die grüne Lunge keucht

Dürre, Stürme und Schädlinge treffen den Lebensnerv der deutschen Wälder. Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner hat die Waldzustandserhebung 2020 vorgestellt. Er belegt massive Schäden.

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Von
  • Birgit Schmeitzner

Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU) spricht von einer bedrückenden Entwicklung. Der ökologische Waldumbau sei eigentlich auf einem guten Weg gewesen. Aber dieser Weg hin zu einem stressresistenten Wald sei massiv gebremst worden, und zwar durch drei Dürrejahre am Stück, Stürme und Schädlingsbefall. Dem Waldbericht zufolge hatten im vergangenen Jahr vier von fünf Bäumen in den deutschen Wäldern eine lichte Krone, also Schäden in unterschiedlicher Ausprägung. Der Kronenzustand ist laut Klöckner "wie ein Fieberthermometer, und die Waldzustandserhebung zeigt: Unsere Wälder sind krank".

Klöckner: "Unsere Wälder sind krank"

Aber dieser Weg hin zu einem stressresistenteren Wald sei massiv gebremst worden, und zwar durch drei Dürrejahre am Stück, Stürme und Schädlingsbefall. Dem Waldbericht zufolge hatten im vergangenen Jahr vier von fünf Bäumen in den deutschen Wäldern eine lichte Krone, also Schäden in unterschiedlicher Ausprägung. Der Kronenzustand ist laut Klöckner "wie ein Fieberthermometer, und die Waldzustandserhebung zeigt: Unsere Wälder sind krank".

Bayern: 43 Prozent aller Bäume geschädigt

Dieses Bild zeigt sich in allen Bundesländern. In Bayern sind 43 Prozent aller Bäume geschädigt, das ist im Vergleich zum Vorjahr deutlich mehr, plus acht Prozentpunkte. Betrachtet man die einzelnen Baumarten, stechen zwei heraus: Die Hälfte der Buchen hat Kronenschäden - im Jahr zuvor war es nur ein Drittel. Und von den Kiefern weisen inzwischen sogar 60 Prozent Schäden auf.

Fördergeld für ökologischen Waldumbau

Bund und Länder setzen auf einen Umbau der Wälder: Mischwald statt Monokultur, Baumarten, die besser mit Trockenheit klarkommen. Dafür können die Waldbesitzer, egal ob kommunal oder privat, Fördermittel bekommen. Laut Landwirtschaftsministerin Klöckner stehen insgesamt 1,5 Milliarden Euro bereit, das sei "das größte Wiederaufforstungsprogramm, das wir je hatten in der Geschichte unseres Landes."

Nachhaltigkeitsprämie: 100 Euro pro Hektar

Einen Teil des Geldes können die Waldbesitzer als Nachhaltigkeitsprämie beantragen, und zwar seit November. Voraussetzung: Sie brauchen ein entsprechendes Zertifikat und müssen sich dazu verpflichten, zehn Jahre lang nachhaltig zu wirtschaften.

Klöckner nennt erste Daten: Bis zum Jahreswechsel wurden demnach fast 57 Millionen Euro ausgezahlt. Es habe Anträge von über 4.000 Kommunen gegeben. Zum Beispiel aus dem oberfränkischen Forchheim. Für den Stadtwald gibt es laut Förster Stefan Distler 64.000 Euro. Das Geld, sagt Distler, ist für Forstpflanzen gedacht und für Forstschutz, etwa eine Einzäunung. Lange werde es aber nicht reichen. Er rechnet sicher damit, dass das Geld in zwei Jahren verbraucht ist. Bei Waldbesitzern mit weniger Fläche ist das Geld noch schneller weg – pro Hektar gibt es hundert Euro.

Klöckner: Viele Maßnahmen nötig

Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner spricht von einer Perspektive in schlechten Zeiten. Das müsse freilich in ein ganzes Bündel an Maßnahmen eingebunden sein: Weiter Geld in Forschung stecken; dafür sorgen, dass Baumschulen das nötige Pflanzgut haben, also Bäume, die stressresistenter sind; Schadflächen im Wald räumen, wenn das Totholz so viele Schädlinge anlockt, dass sie die noch lebenden Bäume gefährden. Und: Die Leistung der Bäume würdigen. Das könnte laut Klöckner eine Art CO2-Prämie sein dafür, dass die Wälder Kohlendioxid binden. Das wäre dann ein neues Einnahmesystem für die Waldbesitzer.

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Im Wald sorgen alte Bäume ganz natürlich für Nachwuchs: Mit Wildlingen, die zu Tausenden am Waldboden keimen. Man kann sie ausgraben und versetzen. Und sie sind billiger und robuster als die aus der Baumschule. Bamberg macht das seit 30 Jahren vor.

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