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Waldbauern in Not: Borkenkäfer schwärmt, Preise fallen | BR24

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In Zeiten des Klimawandels brauchen die Wälder besondere Aufmerksamkeit. Die Schneelast hat viele Bäume abknicken lassen, die jetzt wegen der Borkenkäfer-Gefahr schnell weggeräumt werden müssen. Doch oft fehlt es an Geld und auch an Fachkräften.

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Waldbauern in Not: Borkenkäfer schwärmt, Preise fallen

Die Böden in vielen Wäldern Bayerns sind nach drei extrem niederschlagsarmen Sommern viel zu trocken. Neugepflanzte Bäume verdursten. Und jetzt schwärmt der Borkenkäfer schon wieder aus. Die Waldbauern hoffen auf einen komplett verregneten Sommer.

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Wir brauchen stabile Mischwälder - diese Botschaft ist bei den Waldbesitzern längst angekommen. Sie pflanzen, Eichen, Buchen, Bergahorn, Kirsche oder Elsbeere. Doch 2018 war die Mühe vergeblich. Viele Bäumchen sind im Hitze-Sommer des letzten Jahres verdorrt, der Rest, der überlebt hat, jetzt im Frühjahr, weil es viel zu wenig geregnet hat. Auf manchen Standorten haben bis zu 90 Prozent der Setzlinge nicht überlebt. Wie viele in ganz Bayern ausgefallen sind, lässt sich momentan noch nicht abschätzen. Um in bestimmten Regionen endlich wieder genügend Feuchtigkeit in die Böden zu bekommen, bräuchte es laut Experten möglichst mehrere Wochen Regen hintereinander.

Fehlende Fachkräfte für die Waldarbeit

Durch den warmen, trockenen April startet der Borkenkäfer heuer sehr früh mit der Eiablage. Um die Ausbreitung einzudämmen, müssen befallene Bäume so schnell wie möglich aus dem Wald geschafft und entrindet werden. Doch hierzu fehlt Fachpersonal. Viele Privatwaldbesitzer können oder wollen die Arbeiten nicht mehr selbst erledigen, sondern vergeben sie an Forstbetriebsgemeinschaften oder Waldbesitzervereinigungen. Und dort sucht man händeringend nach Arbeitskräften. Nach Leuten, die mit der Motorsäge umgehen können, nach Harvestern und Rücke-Fahrzeugen. Zurzeit fällt etwa fünfmal so viel Holz an wie in normalen Jahren. Überlegungen, Ungelernte oder Studenten bei Waldarbeiten einzusetzen, halten Experten aber für abwegig.

"Das ist viel zu gefährlich. Das kann nur ein Profi, richtig arbeiten, ohne sich zu verletzten. Es macht keinen Sinn, ungelernte Leute im Wald arbeiten zu lassen." Peter Wohlfahrt, Förster, Amt für Ernährung Landwirtschaft und Forsten Ingolstadt

Holzpreise auf Talfahrt

Waldbesitz ist momentan ein Minusgeschäft. Durch den Borkenkäfer-Befall, aber auch wegen Stürmen und Schneebruch ist zurzeit so viel Holz auf dem Markt wie noch nie. Die meisten Sägewerke nehmen gar keine Stämme mehr an. Die Preise rauschen in den Keller, haben sich zum Teil halbiert. Für sogenanntes Käferholz werden nur noch 30 bis 40 Euro pro Kubikmeter bezahlt. Damit sind nicht einmal die Kosten für das Fällen und für den Abtransport gedeckt. Der Deutsche Forstwirtschaftsrat schätzt den finanziellen Schaden auf rund zwei Milliarden Euro. Viele Waldbesitzer fordern Unterstützung von der Politik.

"Wir sind unmittelbar vom Klimawandel betroffen und diejenigen, die mit der Natur arbeiten müssen. Wir haben aber den Klimawandel nicht verschuldet. Den hat unsere Gesamtgesellschaft zu verantworten. Wald ist ja nicht nur aus wirtschaftlicher Sicht wichtig für uns und für die Gesellschaft, sondern auch aus umweltpolitischen Gründen: Grundwasser oder Luftreinhaltung. Von daher ist auch die Politik gefordert, Hilfen zu geben." Johann Stadler, Waldbesitzer und Vorstand der Forstbetriebsgemeinschaft Eichstätt

Welche Baumarten für den Klimawandel?

Es ist ein Berg ungelöster Probleme, vor dem Förster und Waldbesitzer momentan stehen. Sicher ist: Fichten-Monokulturen haben keine Chance mehr. Mischwälder sind die Zukunft. Aber auch Experten können momentan nicht sagen, welche Baumarten mit der zunehmenden Trockenheit in Zukunft klarkommen werden:

"Es gibt zwar sehr viele Forschungsergebnisse, aber wie es tatsächlich wird, kann man nicht mit hundertprozentiger Sicherheit sagen. Weil so ein Baumleben ist halt lang und wir können noch nicht absehen, wie sich das weiterentwickelt." Elke Harrer, Försterin, Forstbetriebsgemeinschaft Eichstätt

Im Bayerischen Landwirtschaftsministerium wird gerade intensiv über Unterstützungsmaßnahmen für die Waldbesitzer beraten. In den nächsten Wochen sollen erste Vorschläge veröffentlicht werden.

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Autoren
  • Christine Schneider
  • Norbert Haberger
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