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Waldbaden: Trend aus Japan im Bayerischen Wald erlebbar | BR24

© BR/Renate Roßberger

Der Trend "Waldbaden" kommt aus Japan und ist mittlerweile auch im Bayerischen Wald sehr beliebt.

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Waldbaden: Trend aus Japan im Bayerischen Wald erlebbar

Für dieses Bad braucht man weder Badehose, noch Bikini oder Schwimmbrille: Der Trend "Waldbaden" kommt aus Japan und ist mittlerweile auch im Bayerischen Wald sehr beliebt. Ein ganz "besinnlicher" Erlebnisbericht.

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Waldbaden, ein in den achtziger Jahren in Japan entwickelter Gesundheitstrend, dessen positive Effekte dort wissenschaftlich nachgewiesen wurden, erobert seit Jahren die Welt. Auch im Bayerischen Wald kann man an immer mehr Orten Führungen mitmachen, zum Beispiel diesen Sommer jeden Montag ab 11 Uhr im Nationalpark Bayerischer Wald. Treffpunkt ist der Park & Ride-Parkplatz in Spiegelau (Lkr. Freyung-Grafenau).

Entschleunigung: Wie langsam kann man gehen

Zum Waldbaden braucht man kein Badezeug, sondern erstmal die Offenheit, sich auf etwas Neues einzulassen, als allererstes eine völlig andere Geschwindigkeit. Wer im Wald wandert, geht normalerweise in der Stunde um die vier Kilometer - sehr Ehrgeizige wohl noch mehr. Beim Waldbaden legt man nur ein Zehntel davon zurück. Die Teilnehmer gehen ganz langsam, setzen bewusst einen Schritt vor den anderen, rollen bei einer ersten Übung den ganzen Fuß ab, um zu spüren, wie langsam man gehen kann.

"Ich gehe immer voraus, denn ich bin der Geschwindigkeitskontrolleur." Hans Meier, ehrenamtlicher Waldführer des Nationalpark Bayerischer Wald

Der Freyunger Hans Meier war lebenslang Bierbrauer, ist also ein handfester Typ. In der Rente wurde er aus Liebe zur Natur Waldführer und hat sich auch für das "Waldbaden" ausbilden lassen, von dem er inzwischen total überzeugt ist.

Entspannung: Wald bewusst wahrnehmen

Beim Waldbaden geht’s darum, die Natur wirklich mit allen Sinnen zu erleben, also zu sehen, zu spüren, zu riechen, zu schmecken, zu hören. Das klappt nicht auf Knopfdruck. Die Teilnehmer einer Führung im Waldbaden gehen nicht nur sehr langsam, sondern machen zum Beispiel immer wieder Entspannungsübungen, kurze Meditationen, Atemübungen. Erst nach einiger Zeit merkt man, dass man den Wald tatsächlich anders und plötzlich viel bewusster wahrnimmt.

Erfahrung: Wald mit allen Sinnen erleben

Eine der Übungen: Ein Stück bewusst den Waldweg entlanggehen und versuchen, die verschiedenen Gerüche aufzunehmen. Es denkt zwar jeder, er weiß, wie ein Wald riecht. Aber wer es mal ein paar Minuten bewusst macht, riecht viel mehr und auch ganz Unterschiedliches. Manche trauen sich auch, mal auf einer Fichtennadel herumzukauen.

"Fichtennadel - da hat man das Gefühl, man liegt in der Badewanne in einem Fichtenbadeöl, und es macht außerdem einen guten Atem, hab ich den Eindruck." Waldbaden-Teilnehmer
"Buchenblätter schmecken so, wie es riecht, wenn man den Rasen mäht." Waldbaden-Teilnehmer

Alle Teilnehmer stellen fest, dass sie auch viel mehr sehen, von Käfern und Ameisen am Boden bis zu den ganz verschiedenen Moosen. Bei einer anderen Übung hört man plötzlich viel mehr, nicht mehr nur das allgemeine Waldrauschen, sondern zum Beispiel auch einzelne Blätter, die herunterfallen.

© BR/Renate Roßberger

Eine Teilnehmerin des Waldbadens riecht an einem Stück Moos

Erlebnis: Zeit vergeht trotz Langsamkeit

Drei Stunden dauert das Waldbaden, aber die vergehen - trotz der Langsamkeit - wie im Flug. Am Ende fühlen sich alle entspannt, erfrischt, viel wacher als vorher und trotzdem überhaupt nicht gestresst. Und dabei sind bei der Führung in Spiegelau ganz unterschiedliche Urlauber und Einheimische dabei - kein einziger Esoteriker.

Für den Nationalpark und für Touristiker bedeutet es, dass man damit Menschen neu ansprechen und für den Wald begeistern kann. Wandern liegt zwar ohnehin bei den Jungen im Trend, aber Waldbaden bietet ein zusätzliches, ungewohnteres Erlebnis.

"Ich hab das vorher eigentlich belächelt, muss ich ehrlich sagen. Ich bin berufstätig. Aber ich werde jetzt öfter auch zuhause versuchen, da runterzukommen durch solche Spaziergänge , wo ich eins mit der Natur sein kann." Waldbaden-Teilnehmer
"Man entschleunigt total!" Waldbaden-Teilnehmer
"Man ist richtig ruhig geworden, echt klasse, wenn man einfach so sitzt und so lauscht." Waldbaden-Teilnehmer

Erfindung: in den 80er Jahren

Waldbaden wurde in den achtziger Jahren in Japan erfunden und dort als Gesundheits-Vorsorgemaßnahme gefördert. Die "Waldmedizin" ist in Japan ein anerkanntes Forschungsgebiet. Wissenschaftlich nachgewiesen ist, dass Waldbaden spürbar entspannt, dass es den Blutdruck und den Kortisol-Spiegel senkt, das Immunsystem stärkt und die Atemwege befeuchtet.

Erwiesen: Waldspaziergang ist gesund

Interessant auch: Nach japanischen Studien sollen die Botenstoffe, mit denen die Bäume untereinander kommunizieren, das menschliche Immunsystem stärken. Diese Botenstoffe in der Luft nimmt man beim Waldspazierengehen über die Atmung oder die Haut auf. Übrigens: Dass eine kleine Waldwanderung immer gut tut, zum Beispiel nach einem stressigen Arbeitstag, und dass es kaum irgendwo so gut riecht wie im Wald, das wissen die Bayerwäldler eigentlich immer schon. Aber nun ist es auch nachgewiesen.

© BR/Renate Roßberger

Ein Teilnehmer "spürt" einen Baum

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