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Wald vor Wild? Jagdverband und Grüne im Streit | BR24

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Zwischen Bayerischem Jagdverband und den Landtagsgrünen gibt es Streit. Einen "Krieg gegen die heimische Tierwelt" wirft der Bayerische Jagdverband den Grünen vor. Die fordern: Wald vor Wild – um Waldsterben zu verhindern und Klima zu retten.

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Wald vor Wild? Jagdverband und Grüne im Streit

Zwischen Bayerischem Jagdverband und den Landtagsgrünen gibt es Streit. Einen "Krieg gegen die heimische Tierwelt" wirft der Bayerische Jagdverband den Grünen vor. Die fordern: Wald vor Wild – um Waldsterben zu verhindern und Klima zu retten.

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Ramona Pohl vom Bayerischen Jagdverband ist unterwegs mit ihrer Terrierhündin Doro. Die beiden streifen durch ein Revier in der Hallertau. Sie will zeigen, dass es mit Verbiss nicht so schlecht steht, wie beispielsweise die Landtagsgrünen und der ökologische Jagdverband behaupten. Die ausgebildete Jägerin und Försterin bleibt bei einer Tanne stehen und nimmt ein junges Bäumchen in die Hand, bei dem die Triebe gut sichtbar sind:

"Ein Astquirl ist ein Jahr. Also die ist so an die zehn, elf Jahre alt, hat einen richtig frischen Trieb und hat auch keinen Verbiss." Ramona Pohl, Bayerischer Jagdverband

So unversehrt seien viele Bäume in dem Waldstück bei Au in der Hallertau, sagt die 38-Jährige. Und betont: die Rehe seien nicht schuld, daran, dass sich die Wälder nicht schneller verjüngen.

Grüne sehen bayerische Wälder gefährdet

Anders sehen das der Ökologische Jagdverband und die Landtagsgrünen. Deren Fraktionsvorsitzender Ludwig Hartmann ist der Meinung: der derzeit starke Verbiss durch Rehe sei eine Gefahr für die bayerischen Wälder – und damit für das Klima.

"Wir sehen immer wieder bei Flächen auf denen neu aufgeforstet worden ist, wenn dort Wildverbiss stattfindet, dass die Pflanzen viel langsamer wachsen. Und wir haben das Problem, dass wir die Bäume möglichst schnell nach oben bringen müssen. Haben wir zwei Sommer, in denen es extrem dürr ist, haben wir das Problem, dass die Pflanzen nicht schnell wachsen können. Und da ist doch ganz klar, dass der Wildbestand in vielen Regionen in Bayern zu hoch ist. Die Tiere haben keine natürlichen Feinde mehr – und dass der Mensch dort regulierend eingreifen muss. " Ludwig Hartmann, Grüne

Grüne fordern Nachtsichtgeräte für die Jagd auf Rehe

Das geschieht bereits – eben durch die Jagd und auch mit Hilfe von Zäunen, die einzelne junge Bäume vor Verbiss schützen. Doch flächendeckende Zäune sind sehr teuer. Der Grüne Ludwig Hartmann fordert deshalb eine intensivere Bejagung:

"Da müssen wir den Jagddruck erhöhen, und alle, die Ahnung von der Jagd haben wissen, wie aufwendig es ist, wenn man nur sagt, den Jagddruck zu erhöhen. Um das Ziel zu erreichen, indem man nur am Hochsitz ist und wartet, ist wahnsinnig zeitaufwendig. Deshalb ist unser Vorschlag auch: Nachtsichtgeräte einzusetzen, um den Jagddruck erhöhen zu können." Ludwig Hartmann, Grüne

Derzeit sind Nachtsichtgeräte zum Jagen von Schwarzwild erlaubt. Doch bei Rehwild mache das überhaupt keinen Sinn, erwidert Ramona Pohl, die damit die Position des Bayerischen Jagdverbands vertritt:

Jagdverband hält Nachtsichtgeräte bei tagaktivem Wild für sinnlos

"Wenn ich jetzt anfange in der Nacht – was passiert? Ein Rehwild ist genauso wie das Rotwild ein tagaktives Wild – es ist ja kein nachtaktives Wild. Das ist das Eine. Das Nächste ist: umso mehr ich in die Dunkelheit hinein jage – das macht Druck auch in der Nacht. Das Wild wird natürlich reagieren. Was passiert – das Wild wird sich noch mehr in die Dickungen zurückziehen, ich werde es noch weniger sehen, ich werde noch schwieriger meinen Abschuss erfüllen können. Der Verbiss dagegen steigt." Ramona Pohl, Bayerischer Jagdverband

Jägerin und Försterin Pohl fordert Waldumbau zu Mischwälern

Die Lösung für Jägerin und Försterin Ramona Pohl: Ein Gesamtkonzept für die bayerischen Wälder zu finden. Zum Beispiel sollten ihrer Ansicht nach auch Privatwaldbesitzer ihre Wälder verpflichtend zu Mischwäldern umbauen müssen. Und es brauche eine echte Jagdstrategie mit klaren Schwerpunkten: Um die Interessen von Tier, Wald und Wirtschaft in Einklang zu bringen

"Macht natürlich mehr Arbeit, als einfach zu sagen – ich setze mich raus und schieß' alles tot." Ramona Pohl, Bayerischer Jagdverband

Fazit: Der Bayerische Jagdverband will die Waldbesitzer in die Pflicht nehmen - sie sollen den Wald umbauen. Die Grünen dagegen wollen erste einmal die Jäger in die Pflicht nehmen, sie sollen mehr Wild schießen.

© BR / Gabi Dunkel

Ramona Pohl prüft eine junge Tanne. Sie zeigt keinerlei Spuren von Wildverbiss.