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Wald vor Wild? - "Der Wald zeigt, ob die Jagd stimmt" | BR24

© dpa/ Bernhardt

Rotwild im Wald

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    Wald vor Wild? - "Der Wald zeigt, ob die Jagd stimmt"

    Grünenchef Ludwig Hartmann hat mit seiner "Wald vor Wild"-Aussage eine Diskussion losgetreten - jetzt gibt ihm ein emeritierter Professor der Hochschule Weihenstephan-Triesdorf recht. Bei der Erfüllung der Jagdquoten gebe es zu wenig Kontrolle.

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    Wie kommen wir weg von den eintönigen Fichtenmonokulturen hin zu einem gesunden Mischwald, der auch dem Klimawandel standhält? Das ist momentan in Bayern und in ganz Deutschland eine große Diskussion. An vielen Orten in Oberbayern beklagen sich Waldbesitzer darüber, dass keine Naturverjüngung stattfindet, dass keine jungen Bäume von selber nachwachsen. Vor allem keine Tannen und Laubbäume.

    Hartmann: "Wald vor Wild"

    Wald vor Wild, mit dieser Forderung hat der Fraktionsvorsitzende der Grünen, Ludwig Hartmann, eine heftige Diskussion zwischen Tierschützern, Jägern und Förstern ausgelöst. Unterstützung bekommt er von Christian Mettin, einem emeritierten Professor für Geowissenschaften der Hochschule Weihenstephan-Triesdorf. Er sagt, bei der Erfüllung der Jagdquoten gäbe es deutlich zu wenig Kontrolle. In dem Waldgebiet im oberbayerischen Weichs (Lkr. Dachau), das Mettin ehrenamtlich betreut, funktioniert die Waldverjüngung.

    Hartmann fordert Jagd auch mit Nachtzielgeräten

    Der Grünen-Politiker Hartmann fordert außerdem ein neues Jagdgesetz in Bayern, das auch in der Nacht Jagd zulässt, damit der Jagddruck erhöht und der Wildverbiss reduziert wird. Im Landkreis Garmisch-Partenkirchen bescheinigt das aktuelle Verbissgutachten einen äußerst großen Schaden an jungen Bäumen - darum wird hier besonders heftig gestritten.

    Jagdverband setzt auf Wildmonitoring

    Thomas Bär, der Kreisvorsitzende vom Bayerischen Jagdverband in Garmisch-Partenkirchen, spricht sich gegen eine Jagd mit Nachtzielgeräten aus. Er befürchtet, dass durch den dadurch entstehenden Stress sogar noch ein größerer Wildverbissschaden entstehen könnte. Stattdessen fordert Bär einen ganzheitlichen Ansatz und ein Wildmonitoring für Bayern. Nur wenn klar sei, wie viel Wild im Wald sei, könne eine verlässliche Abschussquote festgelegt werden.

    Bisher erfolgte die Abschussplanung im Freistaat größtenteils über das Vegetationsgutachten. In diesem werden auch Abschussempfehlungen für die jeweiligen Gebiete ausgesprochen. In Bayern wird dieser Plan in Abstimmung zwischen Revierinhabern, Jägern und Jagdbehörden bei Rehen immer für drei Jahre festgelegt.

    Ziel ist: weniger Fichtenmonokulturen. Der Mischwald ist gesünder, festigt die Berghänge und speichert mehr CO2. Doch viele oberbayerische Waldbesitzer beklagen, dass keine jungen Bäume von selbst nachwachsen - vor allem kleine Tannen und auch Laubbäume.

    Wie klappt Naturverjüngung?

    Warum also klappt die Naturverjüngung in dem Waldgebiet von Christian Mettin? Laut Mettin ist eine Naturverjüngung recht einfach zu erreichen, man müsse sich nur klar machen, dass der Mensch Wolf, Luchs und Bär ersetzen muss, die er selbst ja einmal ausgerottet habe. Voraussetzung dafür ist, dass man ein gutes Jagdteam hat.

    Dies sei bei ihm in Weichs der Fall, so dass sie die gesetzlichen Vorgaben wunderbar erfüllen könnten.

    "Wir schießen wirklich und wir reduzieren die Wildpopulation. Das führt zum Ziel, dass wir alle Baumarten auf der Fläche haben. Nach drei bis vier Jahren, also unheimlich schnell, haben wir das erreicht." Emeritierter Professor Christian Mettin

    Trotzdem könne man auch in seinem Waldgebiet noch reichlich Rehe sehen. Das sei der echte, richtige Naturschutz, betont Mettin. Durch die effektive Jagd bei ihm in der Gegend, so Mettin, gebe es auch 80 Prozent weniger Wildunfälle.

    Mettin: Großer Einfluss der Jagdlobby

    Unter dem Titel "Unsere Wälder brauchen eine waldorientierte Jagd" haben 22 Waldbesitzervereinigungen, Forstbetriebsgemeinschaften und 906 Jagdgenossenschaften in Oberbayern eine Erklärung herausgegeben. Dennoch hat sich bisher wenig getan, auch wenn die Abschussquoten eigentlich eingehalten werden müssten.

    Für Mettin liegt das daran, dass die Jagdlobby einen "unheimlich großen Einfluss" habe. Schließlich, so Mettin, sei bekannt, dass viele Abgeordnete in den Parlamenten einen Jagdschein haben.

    "Die Abschussmeldungen, die sind mehr oder weniger das Papier nicht wert, auf das sie geschrieben werden. Man nennt so etwas Postkartenabschüsse. Im Klartext: Es gibt keine richtige Kontrolle." Christian Mettin, Emeritierter Professor

    Eigentlich, so Mettin, müsste man einen "körperlichen Nachweis" einführen, wenn es irgendwo nicht klappt, damit die Erlegung der Tiere überhaupt bewiesen werden kann. Ansonsten zeige nur der Wald selbst, ob die Jagd stimmt.

    Mehr Kontrolle durch private Waldbesitzer nötig

    Damit junge Bäume in ihrem Wald nicht angefressen werden, sollten auch private Waldbesitzer eine stärkere Kontrolle ausüben. Entscheidend, so Mettin, sei die Jagdvergabe. Die Jagdgenossen und die Grundstücksbesitzer hätten das eigentliche Jagdrecht und die vergäben die Jagd. Ein gesunder Mischwald könne nur durch die Jagd erreicht werden.