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Stau im Berufsverkehr

Straße, Schiene, Luft: Immerhin für jeden zehnten Wahlberechtigten in Bayern ist laut dem "Kontrovers"-BayernTrend" vom Juli der Themenkomplex Infrastruktur/Verkehr das wichtigste Problem im Freistaat. Die Konzepte der Parteien unterscheiden sich in diesem Punkt zum Teil wesentlich.

CSU will keine Fahrverbote in Großstädten

Die CSU gilt traditionell als Autofahrerpartei, im Wahljahr hat die Staatsregierung jedoch auch einen "Fahrplan für mehr Mobilität" verabschiedet, der auf den öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) zielt. Die ÖPNV-Zuweisungen für die Kommunen, lange Jahre konstant, sollen jetzt von 51,3 auf 74,3 Millionen Euro jährlich steigen. Auch ein Programm für die Ausweitung der Verkehrsverbünde legt die Staatsregierung jetzt auf und will Pilotprojekte mit innovativen Rufbussen auf das ganze Land ausweiten.

Was die Luftreinhaltung in Städten angeht, hat für die CSU die oberste Priorität, dass alle Dieselfahrzeuge auch weiter in die Zentren der Großstädte fahren dürfen. Fahrverbote lehnt sie ab.

Die CSU spricht sich für eine dritte Startbahn am Münchner Flughafen aus, auch wenn sie die Entscheidung über die nächsten Schritte auf die Zeit nach der Landtagswahl verschoben hat.

SPD: Langfristig kostenloser ÖPNV für alle

Die SPD verlangt eine Verkehrswende in Bayern, mit einer massiven Stärkung von ÖPNV, Fahrrad und Fußgängerverkehr. Höhere Investitionen in die Schieneninfrastruktur und ein Sonderprogramm für die Reaktivierung stillgelegter Bahnstrecken sollen mehr Verkehr auf die Schiene bringen.

Langfristiges Ziel der SPD ist der kostenlose ÖPNV für alle in Bayern. Für die kommende Legislaturperiode soll es zunächst freie Fahrt für Schüler und Auszubildende, Senioren und Bedürftige geben. Und die SPD will, dass auch Bayern ein Tariftreue- und Vergabegesetz für den Öffentlichen Verkehr erlässt, um für bessere Arbeitsbedingungen der Beschäftigten zu sorgen.

Die Sozialdemokraten wollen keine Dritte Startbahn am Münchner Flughafen.

Grüne: Stundentakt in ganz Bayern und landesweite Netzkarte

Die Grünen fordern seit Langem eine so genannte "Mobilitätsgarantie" für ganz Bayern von fünf Uhr morgens bis Mitternacht - das heißt: stündlich ohne Auto mobil zu sein. Kostenlosen Nahverkehr für alle wollen sie nicht, aber eine kostenlose Beförderung für alle Schüler, Azubis und Studenten. Für alle anderen soll es das Angebot eines Bayern-Passes nach Schweizer Vorbild geben, eine landesweite Netzkarte für alle öffentlichen Verkehrsmittel - gegen Entgelt. 

Ziel der Grünen ist, die Fahrgastzahlen im öffentlichen Verkehr innerhalb von zehn Jahren zu verdoppeln. Sie fordern einen Modernisierungsschub mit Elektrifizierung und Reaktivierung von Bahnstrecken. Außerdem Radwege an allen Hauptstraßen. In Großstädten wollen die Grünen den Straßenraum von Grund auf neu verteilen, um Fahrrad und Fußgängern mehr Platz einzuräumen. Um besonders belastete Großstädte zu entlasten, soll eine City-Maut erwogen werden.

Die Dritte Startbahn am Münchner Flughafen lehnen die Grünen ab. Sie wollen Start- und Landegebühren erhöhen und die Subventionierung von Billigfluglinien beenden.

FW: Infrastruktur ausbauen statt neue Verkehrsschneisen

Die Freien Wähler wollen den ÖPNV in Stadt und Land massiv ausbauen. Sie fordern einen einheitlichen ÖPNV-Tarif für ganz Bayern. Die vollständige Elektrifizierung des bayerischen Bahnnetzes soll angepackt werden.

Bestehende Infrastruktur ausbauen, statt neue Verkehrsschneisen schlagen, ist die Forderung der Freien Wähler für alle Verkehrsmittel. Das Investitionsniveau bei Staatsstraßen soll auf gleichem Niveau stabil weitergeführt werden. Die Freien Wähler wenden sich gegen Fahrverbote zur Luftreinhaltung in Großstädten und fordern stattdessen eine Nachrüstung schmutziger Dieselfahrzeuge.

Eine Dritte Startbahn am Münchner Flughafen lehnen die Freien Wähler ab. Sie wollen stattdessen die Flughäfen in Nürnberg und Memmingen stärken.

AfD will weniger Radarkontrollen, FDP Vorfahrt für Individualverkehr

Die AfD will den "Bußgeldterror stoppen" und Radarkontrollen nur noch an Gefahrenstellen wie Schulen zulassen. Sie setzt sich für den Dieselantrieb in Kraftfahrzeugen ein, der Elektroantrieb werde schöngerechnet. Zudem fordert die AfD einen Ausbau des Schienenverkehrs und eine bayernweite Volksabstimmung zur dritten Startbahn am Münchener Flughafen.

Die FDP will mehr Investitionen ins bayerische Straßennetz und keine weiteren Tempolimits. Sie legt den Schwerpunkt auf individuelle Mobilität, fordert aber auch einen Ausbau des Schienennetzes. Die Dritte Startbahn am Flughafen München will die FDP schnellstmöglich bauen.