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Wahlplakate in Bayern

Am Sonntag wird in Bayern ein neuer Landtag gewählt. Die Direktorin der Akademie für politische Bildung in Tutzing, die Politikwissenschaftlerin Ursula Münch, hat im Interview der Woche auf B5 aktuell eine erste Bilanz gezogen zum Landtagswahlkampf.

Immer mehr Menschen bevorzugen die Briefwahl

Besonders überrascht zeigt sich Münch über die hohe Zahl der Wählerinnen und Wähler, die sich erst kurz vor der Wahl entscheiden, wem sie ihre Stimme geben. Gleichzeitig steigt die Zahl der Briefwähler, so Münch:

"Früher hat man gesagt: Die letzten drei Tage vor dem Wahltage, das sind die wichtigen Tage, da muss man präsent sein. Heute stellen die Parteien fest, wenn sie in der Fußgängerzone stehen, dann sagen ihnen die Wählerinnen und Wähler: 'Wir haben schon gewählt, wir haben Briefwahl gemacht.' Für die Parteien ist es schwierig, weil man nicht weiß, treffen die Wähler zwei Wochen vor der Wahl die Entscheidung oder am Tag der Wahl." Ursula Münch, Direktorin der Akademie für politische Bildung in Tutzing

Das stelle die Parteien im Wahlkampf vor eine besondere Herausforderung, dass sich manche sehr spät, andere, die Briefwähler, aber schon Wochen vor der Wahl entscheiden.

"Zugezogene" meist ohne Parteienbindung

Auch in Bayern gebe es immer mehr Wechselwähler, die Bindung der Menschen an eine Partei werde schwächer. Eine Rolle spielen auch diejenigen, die aus anderen Bundesländern nach Bayern ziehen und sich an keine Partei in Bayern historisch gebunden fühlen. Dass die bayerische Verfassung für die Regierungsbildung nach der Wahl einen engen Zeitplan vorsehe, bezeichnet die Politikwissenschaftlerin als "unheimliche Herausforderung". Sie geht aber davon aus, dass die Parteien, die möglicherweise eine Koalition bilden werden, das schaffen.