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Wahl im Unterallgäu: Damit wollen die Landratskandidaten punkten | BR24

© Rohde Fotografie/CSU-Kreisverband Unterallgäu, Collage BR

Die Stichwahlkandidaten im Unterallgäu: Rainer Schaal und Alex Eder.

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    Wahl im Unterallgäu: Damit wollen die Landratskandidaten punkten

    Mitten in der Coronakrise steht die zweite Runde der Kommunalwahl an. Im Unterallgäu treten bei der Stichwahl am Sonntag Alex Eder von den Freien Wählern und der CSU-Politiker Rainer Schaal an. Wir haben sie gefragt, welche Akzente sie setzen wollen.

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    Alex Eder hat am Abend der Kommunalwahl starke Nerven gebraucht. Beinahe hätte es der Politiker von den Freien Wählern schon in der ersten Runde geschafft: Am Ende fehlten ihm nur 13 Stimmen zur absoluten Mehrheit. Am kommenden Sonntag (29.3.) entscheidet sich in einer Stichwahl, wer nun an die Spitze des Unterallgäuer Landratsamts rückt. Gegen Eder tritt Rainer Schaal von der CSU an, der in der ersten Runde 25,6 Prozent der Stimmen einsammelte.

    Wir haben die Kandidaten gefragt, mit welchen Konzepten sie die Wählerinnen und Wähler überzeugen wollen. So können BR24-Nutzer das Programm der Kandidaten kennenlernen, auch wenn wegen Corona ein normaler Wahlkampf unmöglich ist.

    Wenn Sie die Stichwahl um den Landratsposten gewinnen: Welches Projekt würden Sie als erstes anpacken?

    Alex Eder: Zum Zeitpunkt der Amtsübernahme werden wir noch in vollem Umfang mit den Begleitumständen der Corona-Krise zu tun haben. Alles Weitere hängt davon ab, wie und unter welchen Randbedingungen wir aus der Krise kommen werden. Dann heißt es, die entsprechenden Prioritäten zu setzen.

    Rainer Schaal: Wir brauchen ein medizinisches Konzept nach der Klinikfusion unserer Unterallgäuer Kreiskliniken zum Allgäuer Klinikverbund. Die Krise hat ja jetzt wohl jedem klar gemacht, dass die Belastbarkeit unseres Versorgungssystems endlich ist. Ich danke unseren Ärzten, den Pflegern, Helfern und auch Patienten wirklich sehr dafür, wie sie über sich hinauswachsen. Gerade deshalb ist es die erste Aufgabe des Landrats, eine patienten- und personalfreundliche Korrektur unserer Krankenhaus- und insbesondere der Akutversorgungskonzepte hinzubekommen. Wirtschaftlichkeit ist schon wichtig, aber der Mensch ist wichtiger!

    Die wichtigsten Themen auf kommunaler Ebene sind wohl Mobilität, Klimaschutz, Wohnen: Wie sehen Ihre Ideen dazu aus?

    Alex Eder: Durch weitere Lückenschlüsse im Radwegenetz will ich das Fahrrad im Alltagsverkehr als echte Alternative etablieren. Beim öffentlichen Nahverkehr können wir durch die Überwindung von Zuständigkeits- und Verwaltungsgrenzen und die Einführung eines einheitlichen Ticketsystems bestehende Barrieren möglichst minimieren. Meine Vision ist, durch den weiteren Ausbau der im Unterallgäu bereits stark genutzten erneuerbaren Energien und durch moderne Speichertechnologien die regionale und regenerative Energieversorgung von 60 auf mindestens 90 Prozent zu erhöhen.

    Für bezahlbaren Wohnraum ist der kommunale Wohnungsbau weiter zu verstärken. Ebenso für die Schaffung von barrierefreiem Wohnraum, der dazu führen kann, dass ältere Personen ihre Einfamilienhäuser zu Gunsten junger Familien frei geben könnten. Um hierfür bestehende Leerstände in den Ortsmitten zu nutzen, müssen Vergütungsformen für Wohnraumumwandlung oder Erbpachtmodelle erprobt werden.

    Rainer Schaal: Natürlich sind diese Themen überall wichtig. Mein wichtigstes Landkreisthema ist vor, nach und in der Krise ein aktuelles Profil des Unterallgäus als das Kneippland. Wasser, Bewegung, Ernährung, Pflanzen und Ordnung: Diese fünf Säulen von Kneipp definieren die Ideenbasis einer modernen "Gesundheitsregion Plus". Zum Thema Bewegung beispielsweise gehört eine einfache und attraktive Fahrkarte mit einem Mobilitätsangebot für alle Verkehrsmittel - ob Fahrrad, Bahn, Bus oder Auto. Zuständigkeitsdiskussionen interessieren keinen, wenn er von A nach B will. „Mobilität neu denken“ ist ein Gemeinschaftsprojekt mit der Stadt Memmingen, das uns da weiterbringen wird. Unser eher kleinteiliger, aktueller Verkehrsverbund Mittelschwaben braucht einfach ein großes Format.

    Auch der Klimaschutz braucht in der Tat neue realitätsnahe Ideen vor Ort. Und um die auf die Spur zu bringen, brauchen wir drei Dinge: Personal, Geld und Zeit. Das geht bei dem für den Energie- und Flächenverbrauch so wichtigen Umgang mit unserer Gebäudesubstanz in den Dörfern, Städten und Gemeinden, in den Ortsmitten los. Hier würde ich für die Gebäudekonversion gerne einen Manager einstellen, vergleichbar dem Beispiel am Landratsamt Donau-Ries. Und es geht natürlich weiter mit dem effizienten Umgang unserer ziemlich veralteten Verteilnetzstruktur. Energietransporte laufen heute anders ab als noch vor zehn oder zwanzig Jahren.

    Und beim Thema Wohnen gibt es auch nur ein Rezept: Bauen, bauen, bauen. Natürlich vor allem Umbauen im Bestand: also Gebäudemanagement, aber auch auf der freien Wiese, denn es geht beim Wohnen um jeden Geldbeutel. Es geht um alle Generationen und es geht auch um Wohnen in jeder Lebenslage.

    3. Was können Sie tun, um die wirtschaftlichen Folgen der Corona-Krise zu bewältigen?

    Alex Eder: Die Möglichkeiten eines Landrats hinsichtlich der wirtschaftlichen Folgen werden eingeschränkt bleiben. Gleichwohl möchte ich im Schulterschluss mit den 52 Gemeinden des Landkreises eine Arbeitsgruppe einberufen, bestehend aus Experten in Verbindung mit Mitgliedern des Kreistags und des Landratsamts. Diese könnte die Ideen und Möglichkeiten bündeln, ein Netzwerk sowohl in die höheren Entscheidungsebenen als auch an die Basis vorhalten und Maßnahmenkonzepte bis zur Entscheidungsreife ausarbeiten. Das alles wird aber nur gelingen, wenn uns neben unseren eigenen Anstrengungen auch der Freistaat Bayern in unserer großen Verantwortung für die Menschen im Landkreis unterstützt.

    Rainer Schaal: Da sein, wo immer der Landrat, seine Hilfe oder auch mal eine rechtlich schwierige Entscheidung benötigt wird. Was da noch alles auf uns zukommt und damit auch auf den Landrat, weiß heute keiner. Aber eines ist sicher: Erfahrung und Wissen sind notwendiger denn je.

    4. Wie wollen Sie die Menschen für Kommunalpolitik ganz allgemein begeistern?

    Alex Eder: Ich bin persönlich absolut überzeugt davon, dass erweiterte Informations- und Beteiligungsprozesse das Interesse und die Begeisterung für Kommunalpolitik erheblich steigern werden. Dazu möchte ich die sich bietenden Möglichkeiten der Digitalisierung nutzen. Das wird ein Schwerpunkt meiner zukünftigen Ausrichtung des Landkreises.

    Rainer Schaal: Die persönliche Erfahrung, das eigene positive Erlebnis mit einem Kommunalpolitiker und der Kommunalpolitik, vor allem aber der Erfolg, gemeinsam etwas erreicht zu haben: Das sind die besten Mittel, um Menschen mitzunehmen. So arbeite ich bisher und so werde ich auch gerne weiterarbeiten!

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