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Wärmehalle in Würzburg an Dreikönig gestartet | BR24

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Für Menschen ohne Wohnsitz ist der Corona-Winter besonders hart. Cafés und Büchereien sind geschlossen: Obdachlose finden kaum eine Möglichkeit, sich kurz aufzuwärmen. Seit dem Dreikönigstag ist die Würzburger Posthalle deshalb eine Wärmehalle.

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Wärmehalle in Würzburg an Dreikönig gestartet

Für Menschen ohne Wohnsitz ist der Corona-Winter besonders hart. Cafés und Büchereien sind geschlossen: Obdachlose finden kaum eine Möglichkeit, sich kurz aufzuwärmen. Seit dem Dreikönigstag ist die Würzburger Posthalle deshalb eine Wärmehalle.

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Von
  • Carolin Hasenauer

Mittwoch, kurz vor 11: In der Posthalle am Würzburger Hauptbahnhof laufen gerade die letzten Vorbereitungen. Brote schmieren, Kaffee kochen, Suppe auf den Herd und Desinfektionsmittel bereitstellen. Dann kommen auch schon die ersten Gäste. Die meisten begrüßt Projektleiterin Johanna Anken persönlich: "Hallo Josef, schön, dass du da bist!" Für ihn und andere bedürftige Menschen, viele wohnsitz- oder obdachlos, steht die Posthalle ab sofort als "Wärmehalle" offen.

Bei Bedarf werden die Öffnungszeiten ausgeweitet

Zumindest für ein paar Stunden am Tag: Vorerst wird die Wärmestube in der Posthalle montags bis freitags zwischen 11 und 15 Uhr geöffnet haben, Suppe, Heißgetränke und Gespräche anbieten. Würzburgs Sozialreferentin Hülya Düber: "Wenn wir merken, dass eine gewisse Stabilität eintritt, dass das Angebot angenommen wird, wollen wir die Zeiten definitiv ausweiten". Vorausgesetzt es finden sich weitere Förderer. Zu den Unterstützern gehören derzeit etwa die Posthalle GmbH, die Würzburger Caritasstiftung, die Deutsche Bahn, die VR Bank und das Rotary Hilfswerk Würzburg e.V.

Viele schon bekannte Gesichter nutzen das Angebot

Bunte Tulpen in Glasvasen auf kleinen Tischdecken stehen auf jedem Tisch: So sieht die Würzburger Posthalle, in der eigentlich große Konzerte stattfinden, fast gemütlich aus. In der „Wärmehalle“ dürfen sich auf 300 Quadratmetern 16 Gäste gleichzeitig aufhalten – selbstverständlich unter den gängigen Corona-Hygiene-Maßnahmen: vorgegebene Laufwege, Trennscheiben und zwei Meter Abstand zwischen den Sitzplätzen. Ein spezielles Gerät sorgt zudem für den Luftaustausch.

Am Nachmittag zieht Anken ein Fazit: "Wir sind sehr zufrieden. Es waren viele Gäste da, viele bekannte Gesichter, aber auch einige neue. Wir haben das Gefühl, dass das Angebot sehr gut angenommen wird und freuen uns, dass alles gut geklappt hat."

Struktur der Wohnungslosen wegen Lockdown weggebrochen

Entstanden ist das Projekt im vergangenen Sommer im Arbeitskreis "Menschen ohne Wohnung" gemeinsam mit dem Sozialreferat der Stadt Würzburg. Denn Cafés, Büchereien und Geschäfte in der Innenstadt haben seit Mitte Dezember geschlossen: Menschen ohne Wohnung haben also keinerlei Möglichkeit, sich aufzuwärmen oder in Kontakt zu treten.

Die Tagesstrukturen der Obdach- und Wohnungslosen seien durch den Lockdown komplett weggebrochen, so Johanna Anken: "Wir können den Bedarf der Menschen in unseren bestehenden Wärme- und Hilfseinrichtungen aufgrund der Hygiene-Maßnahmen nicht komplett auffangen". Aktuell bieten diese Einrichtungen nur knapp einem Drittel der bedürftigen Menschen eine zeitweise Anlaufstelle.

Ehrenamtliche wollen ihre freie Zeit sinnvoll nutzen

Eine der 15 Ehrenamtlichen ist Lilian Stumpf. Sie engagiert sich schon seit fünf Jahren in der Würzburger Bahnhofsmission: "Momentan haben wir dort wenig Platz, die Gäste dürfen auch immer nur kurz bleiben. Ich bin froh, dass wir hier mehr Besuchern ein warmes Plätzchen anbieten können". Paula Frank ist im vergangenen Herbst auf das Projekt aufmerksam geworden: "Ich studiere, bin da aber aktuell nicht so eingespannt. Deshalb wollte ich mich gerne sinnvoll betätigen und bin jetzt sehr gespannt auf interessante Begegnungen!" Ähnlich sieht das auch Thomas Schmidt, der bereits bei der Initiative Wue-Care ehrenamtlich aktiv ist: "Ich bin zwar berufstätig, aktuell aber viel in Kurzarbeit. Um die frei gewordene Zeit sinnvoll zu nutzen, mach ich hier mit".

© Carolin Hasenauer/BR-Mainfranken

Für Menschen ohne Wohnsitz ist der Corona-Winter besonders hart. Cafés und Büchereien sind geschlossen: Obdachlose finden kaum eine Möglichkeit, sich kurz aufzuwärmen. Ab Dreikönige wird deshalb die Würzburger Posthalle zur Wärmehalle.

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