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Währungsunion 1990: BR-Reporter berichtet auch fürs DDR-Radio | BR24

© Eberhard Schellenberger

Am 1.Juli 1990 kam die D-Mark in die DDR. Für den BR beobachtete damals Eberhard Schellenberger den Währungstausch in Würzburgs Partnerstadt Suhl. Er berichtete live für die BR-Radioprogramme und überraschend auch für den Rundfunk der DDR.

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Währungsunion 1990: BR-Reporter berichtet auch fürs DDR-Radio

Am 1. Juli 1990 kam die D-Mark in die DDR. Für den BR beobachtete damals Eberhard Schellenberger den Währungstausch in Würzburgs Partnerstadt Suhl. Er berichtete live für die BR-Radioprogramme und überraschend auch für den Rundfunk der DDR.

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Die DDR-Bürger erhielten am 1. Juli 1990 die D-Mark. Damals beobachtete Eberhard Schellenberger für den Bayerischen Rundfunk den Währungstausch in Suhl. Er berichtete live für die BR-Radioprogramme und überraschend auch für den Rundfunk der DDR. Suhl ist die Partnerstadt von Würzburg.

Gespanntes Warten auf die Einführung der D-Mark

Schon am 30. Juni, einem Samstag, sind in der Innenstadt von Suhl Veränderungen zu spüren - fühlbare Spannung am großen Kaufhaus der Stadt und auch entlang der Geschäfte in der Fußgängerzone. Die Schaufenster sind verhängt, dahinter emsiges Treiben. Es wird umdekoriert. Aus vielen Läden sind die DDR-Produkte schlagartig verschwunden.

In den frühen Morgenstunden des Sonntags kommt ein großer Geldtransporter an, stark gesichert durch die Volkspolizei. Die Auszahlstellen sind in der großen Stadthalle von Suhl eingerichtet, so hofft man, Chaos zu vermeiden. Schon vor Öffnung der Halle bilden sich lange Schlangen – das sind die DDR-Bürger ja gewohnt – es bleibt friedlich, und dann wird gezählt. 2.000 DM gibt es maximal in bar pro Person, dafür mussten schon im Voraus Auszahlquittungen bei den DDR-Banken beantragt werden.

"Erst 'mal gucken"

Dann fallen die Tücher von den Schaufenstern: Dahinter 100 Prozent Westwaren. Fernseher und Kühlschränke, Mikrowellen und Stereoanlagen. "Erst 'mal gucken" sagt ein Suhler dem BR-Reporter. "Es gibt ja so viel zu sehen, das ist alles so bewegend". Auch in Unterfrankens Grenzregionen in Mellrichstadt oder Bad Neustadt hatte man sich für den Montag gewappnet. Kommt jetzt der große Kaufrausch der DDR-Bürger aus der Nachbarschaft? Er kommt nicht. Die Westwaren waren schnell in die DDR gelangt, da musste keiner sein Fernsehgerät im Westen holen. Nur wenige investieren sofort groß, aber es gibt auch Ausnahmen: "Ich habe meinen ganzen Kleiderschrank schon leer gemacht, das waren ja nur Lumpen im Vergleich zu diesem Angebot", sagt eine Frau.

Live für West und Ost

Und dann - vor 30 Jahren - hatte der Westreporter das Erlebnis, das er in seinem gesamten Journalistenleben nie mehr vergessen wird:

"Ich hatte in Suhl übernachtet und wollte direkt aus dem Suhler Studio des DDR-Rundfunks für die Morgenprogramme verschiedener Wellen des Bayerischen Rundfunks berichten. Was vor einem dreiviertel Jahr noch undenkbar gewesen wäre, das funktionierte jetzt ohne große Bürokratie. Zweimal hatte ich meinen Bericht live für den BR bereits abgesetzt und wollte gerade im Sprecherraum aufstehen, da meldete sich das Studio in Erfurt. Ich hätte da ja recht interessant berichtet mit schönen Tönen, ob ich das Ganze nochmal für den Rundfunk der DDR machen könne. Gleich und live. - Ich musste erstmal schlucken. "Na klar, gerne", sagte ich. Und dann berichtete der einstige Klassenfeind vom BR, mit einer riesigen Gänsehaut. Und ich dachte mir immer wieder, was wir uns Ost wie West ja damals alle immer wieder sagten, 'Wahnsinn!'" Eberhard Schellenberger

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