BR24 Logo
BR24 Logo
Bayern

Wachsende Müllberge: Droht ein Engpass bei den Müllöfen? | BR24

© BR/Nicole Schmitt

Die Müllverbrennungsanlage in Nürnberg kämpft mit Engpässen.

4
Per Mail sharen
Teilen
  • Artikel mit Audio-Inhalten

Wachsende Müllberge: Droht ein Engpass bei den Müllöfen?

Die Entsorgungsunternehmen und die Abfallwirtschaft schlagen Alarm: In Bayern droht ein Müllverbrennungs-Engpass. Die Kapazitäten in den 14 bayerischen Müllverbrennungsanlagen werden knapp. Auch in der Anlage in Nürnberg ist die Situation angespannt.

4
Per Mail sharen
Teilen

Müllwagen reiht sich an Müllwagen. An der Müllverbrennungsanlage im Nürnberger Ortsteil St. Leonhard herrscht Hochbetrieb. Etwa 1.000 Tonnen Abfall liefern die zahlreichen LKW jeden Tag an. Aufs Jahr gerechnet werden circa 245.000 Tonnen Müll verbrannt. Ausgelegt ist die Anlage aber nur für 205.000 Tonnen, wie Werkleiter Reinhard Arndt erzählt.

"Die Bevölkerungszahl wächst, das Konsumverhalten hat sich deutlich verändert. Es wird immer mehr konsumiert. Das führt in der Gesamtschau mit Fast Food, Fast Fashion zu einem Anstieg der Abfallmenge um jährlich circa ein Prozent."

Wegen Sanierungsboom: Schwierige Situation auch beim Gewerbemüll

Nicht nur das Konsumverhalten ist ein Problem. Auch der anhaltende Bau- und Sanierungsboom lässt die Müllberge weiter wachsen. Gerade im Bereich der energetischen Gebäudesanierung fällt so einiges an Gewerbemüll an. Als Beispiel nennt Reinhard Arndt kleine Handwerksbetriebe wie etwa Dachdecker. Diese stehen zunehmend vor der Schwierigkeit, dass sie im Zuge von Sanierungsarbeiten Styropor und Bitumenbahnen entfernen müssen, diese Stoffe dann aber nicht entsorgt bekommen. Das liege daran, dass diese spezielle Abfälle einen besonders hohen Heizwert haben, der zur Reduzierung der Durchsatzleistung führe, erläutert Arndt. Das bedeutet, dass im Ofen dann deutlich weniger verbrannt werden kann.

Haushaltsmüll hat Vorrang

Hinzu kommt, dass Haushaltsmüll immer Vorrang gegenüber dem Gewerbemüll hat. Denn die 14 bayerischen Müllverbrennungsanlagen haben einen gesetzlichen Auftrag. Der besagt, dass zunächst Haushaltsmüll entsorgt werden muss. Sind dann noch Kapazitäten frei, kann auch haushaltsähnlicher Gewerbemüll verbrannt werden. Umgekehrt sind aber auch Betriebe nicht örtlich an eine bestimmte Anlage gebunden. Es gelten die Regeln des freien Marktes. Unternehmen können sich also für ihren Gewerbeabfall den Entsorgungsplatz selbst suchen.

Tendenz zum Müllexportweltmeister

Das kann auch im Ausland sein. Die Erfahrung von Reinhard Arndt in der Abfallbranche zeigt, dass Entsorger gerne dahin gehen, wo es am billigsten ist. Und das ist nicht das einzige Problem.

"Leider mangelt es seit Jahren an der Investitionsbereitschaft der Wirtschaft in neue Sortieranlagen und Verwertungsanlagen. Vor allen Dingen wären aber Maßnahmen zur Abfallvermeidung zu entwickeln oder beim Produktdesign anzusetzen. Wenn Produkte weniger kompliziert gestaltet wären, wenn zum Beispiel die Verwendung von mehreren meist miteinander verklebten unterschiedlichen Kunststoffen in einer Verpackung vermieden würde, ließe sich viel leichter ein verwertbares Recyclat gewinnen." Reinhard Arndt, Werkleiter Abfallwirtschaftsbetrieb Nürnberg

Einsparpotenzial vorhanden

Zudem müsse endlich auch bereits geltendes Recht umgesetzt werden. Der Verband der Bayerischen Entsorgungsunternehmen geht davon aus, dass allein in Bayern 0,8 Millionen Tonnen Restmüll eingespart werden könnten - nur durch den flächendeckenden Einsatz einer Bio-Tonne. In einigen bayerischen Landkreisen aber landet der Gartenabfall immer noch in der schwarzen Tonne.

© Bayerischer Rundfunk

Die Entsorgungsunternehmen und die Abfallwirtschaft schlagen Alarm: In Bayern droht ein Müllverbrennungs-Engpass. Die Kapazitäten in den 14 bayerischen Müllverbrennungsanlagen werden knapp. Auch in der Anlage in Nürnberg ist die Situation angespannt.