Zurück zur Startseite
Bayern
Zurück zur Startseite
Bayern

Votum gegen Krematorium in Kolbermoor - Propagandavorwürfe | BR24

© BR.de

60 Prozent der Bewohner von Kolbermoor haben sich gegen den Bau eines Krematoriums in ihrem Ort ausgesprochen.

11
Per Mail sharen
Teilen
  • Artikel mit Audio-Inhalten

Votum gegen Krematorium in Kolbermoor - Propagandavorwürfe

In Kolbermoor wird es kein Krematorium geben. Beim Bürgerentscheid hat sich am Sonntag eine deutliche Mehrheit gegen den Bau der Anlage ausgesprochen. Der Bürgermeister des Ortes warf den Gegnern ein Spiel mit der Angst und Propaganda vor.

11
Per Mail sharen
Teilen

Die Bewohner von Kolbermoor haben sich am Sonntag klar gegen den Bau eines Krematoriums ausgesprochen. Rund 60 Prozent, also rund 4.300 Bürger, stimmten mit Nein. 40 Prozent, also 2.900 Bürger, waren dafür.

Die Wahlbeteiligung war mit 49,9 Prozent recht hoch. Das Quorum lag bei 3.000 Stimmen und wurde erfüllt. Somit ist der Bürgerentscheid gültig.

Bürgermeister spricht von Propaganda

Die Vertreter der Bürgerinitiative, die sich gegen den Bau engagiert hatten, reagierten erleichtert und erfreut.

Der Bürgermeister des Ortes, Peter Kloo, dagegen steht dem Ergebnis zwiespältig gegenüber. Er zeigte sich einerseits erleichtert, ein rechtlich gültige Ergebnis zu haben. Andererseits ist er jedoch enttäuscht: "Die Feuerbestattungsanlage wäre an dieser Stelle eine gute Entscheidung gewesen", so Kloo. Den Gegnern warf er ein Spiel mit der Angst vor, sie hätten das Ergebnis mit Propaganda erzielt.

© BR/Dagmar Bohrer-Glas

Bürgermeister Kloo gibt das Ergebnis bekannt.

Angst vor giftigen Gasen und Gerüchen

Dem Bürgerentscheid war ein monatelanger Streit um den Bau des Krematoriums hinter dem Neuen Friedhof vorausgegangen. Kritiker hielten den Standort für die Feuerbestattungsanlage für ungeeignet, Anwohner fürchteten giftige Emissionen und schlechte Gerüche. Dass die giftigen Gase wirklich zu hundert Prozent herausgefiltert werden, bezweifelten viele in Kolbermoor.

Eine Bürgerinitiative war mit Bannern an Staatsstraßen und eigenen Internet-Videos aktiv geworden. Von einem Drohschreiben, das angeblich bei Befürwortern der Anlage im Briefkasten lag, distanzierten sich die Teilnehmer der Bürgerinitiative jedoch.

Immer mehr Menschen wollen Einäscherung

Bis vor wenigen Jahren war die Feuerbestattung noch eher die Ausnahme - das hat sich inzwischen geändert. Etwa zwei Drittel aller Deutschen möchten nach ihrem Tod verbrannt werden, weil sie ihre Angehörigen nicht mit der Grabpflege belasten wollen. Oft gibt es auch niemanden, der sich um das Grab kümmern kann. Der Bedarf an Krematorien steigt also, doch solch einen Neubau möchte nicht jeder in seiner Nachbarschaft.

Thomas Engmann, der Geschäftsführer des Traunsteiner Unternehmens, das in Kolbermoor bauen wollte, zeigte sich vom deutlichen Votum der Kolbermoorer überrascht. Er kündigte an, einen alternativen Standort suchen zu wollen. Allerdings glaubt er nicht daran, dass eine Feuerbestattungsanlage an einem kommunalen Friedhof gelingen kann. Er sieht eine Chance der Verwirklichung eher in einem Gewerbegebiet.