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Anstehen bei der Tafel (Symbolbild)

In sozialen Netzwerken ist von "Armutswettbewerb" die Rede und von "Hungerspielen". Damit kritisieren Nutzer den bayernweiten Tafel-Wettbewerb unter dem Titel "Gemeinsam Lebensmittel retten".

Per Twitter meldete sich auch Katharina Schulze, die Fraktionsvorsitzende der Grünen im Landtag: Sie empfahl, lieber die Ursachen von Armut zu bekämpfen, statt die besten Lebensmittelverteiler zu prämieren.

Landwirtschaftsministerin Kaniber ist enttäuscht

Ernährungsministerin Michaela Kaniber, CSU, deren Ministerium den Wettbewerb der Tafeln durchführt, reagiert enttäuscht: Wenn Kritiker die Tafeln generell infrage stellten, dann könne man nur sagen:

"Die Frage ist, was ist die Intention der Kritiker. Ist es jetzt tatsächlich, die Tafeln in Frage zu stellen? Ich glaube, da kann man nur einen Ansatz geben, nämlich, dass Politik alleine nie alles schaffen kann und wir auch angewiesen sind auf ehrenamtliches Engagement." Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber

Am Ende des Wettbewerbs soll eine Jury unter den Bewerbern fünf Tafel-Initiativen auswählen, die jeweils 5.000 Euro Preisgeld erhalten.

Gesammelte Lebensmittelmenge als Kriterium?

Doch aus dem Kreis der rund 11.000 bayerischen Tafel-Mitarbeiter kommt ebenfalls Kritik. Denn als ein Kriterium für die Prämierung zählt die Lebensmittelmenge pro Mitarbeiter, die gesammelt wird.

"Also ich finde den Wettbewerb unnötig. Jede Tafel arbeitet für sich und tut ihr Bestes. Was soll man denn da für einen Wettbewerb starten? Und jede Tafel fährt die Supermärkte an, die sie anfahren darf. Also wir dürfen nicht in Fürstenfeldbruck rumfahren. Es hat jede Tafel ihre Märkte. Die fahren wir an, und dann schauen die Männer: Gibt es was oder gibt es nichts? Und die sortieren dann zum Teil schon aus. Wenn sie sehen, die haben uns eine reine Abfallkiste hingestellt, dann nehmen sie die nicht mit." Gerda Bergler, Ehrenamtliche Leiterin der Tafel in Olching

Gerade auf dem Land fielen oft weniger Lebensmittel zur Verteilung an als in der Stadt, sagt der Vorsitzende des Verbands der bayerischen Tafeln, Peter Zilles. Deshalb hält er das Bewertungskriterium "Menge" für unglücklich.

"Ich denke, man kann das nicht als Hauptkriterium verwenden, Hauptkriterium bleiben Kreativität und Engagement." Landwirtschaftsministerin Kaniber

Ministerin lässt Luft aus dem Begriff "Wettbewerb"

Aber auch beim geforderten Engagement sehen Tafelmitarbeiter das Problem der Vergleichbarkeit – zum Beispiel bei Projekten mit Schulen oder Kitas. Verbandsvorsitzender Peter Zilles:

"Wenn die jeweiligen Tafeln noch Luft nach oben haben, personell und finanziell, können sie gerne Projekte wie Kinderkochen durchführen – aber das ist nicht originäre Tafelarbeit." Verbandsvorsitzender Peter Zilles

Peter Zilles hat sich deshalb ans Ministerium gewandt und hofft, dass die Kriterien verändert werden. Er wartet jetzt auf eine Antwort. Michaela Kaniber lässt gegenüber dem BR schon mal etwas Luft aus dem Begriff "Wettbewerb":

"Der Konkurrenzgedanke war nie wichtig. Der Wettbewerb ist angelehnt an das Bundesprojekt, für Lebensmittel einzutreten." Landwirtschaftsministerin Kaniber

Beim Tafel-Wettbewerb in Bayern könne man laut Peter Zilles nur bewerten, wer die besten Ideen hat fürs Einsammeln, Aufbewahren und Verteilen der Lebensmittel. Das sei die Aufgabe, damit Bedürftige zusätzlich versorgt werden könnten.

Die besten fünf Tafeln sollen nun in einem Wettbewerb vom Landwirtschaftsministerium ausgezeichnet werden. Daran gibt es Kritik.

Die besten fünf Tafeln sollen nun in einem Wettbewerb vom Landwirtschaftsministerium ausgezeichnet werden. Daran gibt es Kritik.