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Vorurteile: Grundschüler wissen wenig über Roma und Juden | BR24

© dpa/pa

Sinti und Roma mit ihrer eigenen Flagge in Berlin 2011 (Archiv)

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    Vorurteile: Grundschüler wissen wenig über Roma und Juden

    Kinder zwischen sechs und dreizehn Jahren wissen nur wenig mit Begriffen wie Sinti und Roma anzufangen. Das zeigt eine Studie unter Schülern. Das Ergebnis ist brisant, denn gerade in dieser Altersgruppe werden die Grundlagen für Vorurteile gelegt.

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    Was sind Sinti und Roma? Auf diese Frage bekommt Alexander Dipold oft keine Antwort, wenn er sie in Grundschulklassen in Bayern stellt. Dipold ist Gründer und Leiter von "Madhouse", einer gemeinnützigen Einrichtung für schwer erziehbare Jugendliche in München, die sich auch um Sinti und Roma kümmert. Er selbst hat erst im Erwachsenenalter erfahren, dass er Sinto ist.

    "Wenn man fragt: 'Kennt ihr den Begriff Zigeuner?', dann kommen Assoziationen wie 'Ja, das sind die, die im Wohnwagen leben und Musik machen und was mit Schrotthandel zu tun haben'." Alexander Dipold

    Nur Minderheit weiß, wer "Roma" sind

    Roma ist gleich Zigeuner ist gleich Wohnwagen, Bettler und so weiter: Es sind die gängigen Vorurteile, auf die Dipold immer wieder trifft. Und er steht mit seinen Erfahrungen nicht allein da.

    Das Internationale Zentralinstitut für das Jugend- und Bildungsfernsehen IZI hat für eine Studie 840 Schüler zwischen sechs und dreizehn Jahren zu Begriffen wie Jude, Roma, Zigeuner oder Muslime befragt. Das Ergebnis: Während die meisten zu "Muslimen" noch ein ihrem Alter entsprechendes Wissen hatten, wusste nur eine Minderheit, wer "Roma" sind. Den Zigeuner-Begriff kannten zwar schon mehr, aber eben nur als Schimpfwort.

    Hälfte der Kinder kennt den Begriff "Jude"

    Auf die Frage: "Kennst du den Begriff 'Jude' und weißt du, was dieser Begriff bedeutet?" gab die Hälfte der befragten Kinder in Deutschland an, sie hätten den Begriff schon mal gehört, wüssten aber nicht, was er bedeute. Dass Juden in der Nazizeit verfolgt wurden, weiß zwar die Hälfte aller befragten Acht- bis Neunjährigen - sicher ist sich aber nur jeder fünfte, sagt Maya Götz, die Leiterin von IZI.

    "Dass Kinder darüber so wenig wissen, fand ich sehr erstaunlich gerade beim Judentum: Eigentlich ist es Teil des Schulcurriculums, eigentlich hätten sie das im Unterricht machen müssen." Maya Götz

    Vorurteile bilden sich in der Grundschulzeit

    Dabei hat die Studie den Fokus nicht zufällig auf die Sechs- bis Dreizehnjährigen gelegt: Gerade die Grundschulzeit sei die entscheidende Phase, was die Ausbildung von Vorurteilen angeht, sagt Götz. Die Vorurteile, die am Ende der Grundschulzeit bestünden, blieben auch konstant in der Jugendzeit bestehen. Das heißt: Vorurteile bilden sich in der Grundschulzeit und differenzieren sich dann nur noch aus.

    Während die Forschung in früheren Zeiten davon ausging, dass Vorurteile hauptsächlich von den eigenen Eltern vermittelt werden, steht heute die ganze Gesellschaft im Fokus. Um Vorurteile abzubauen oder am besten gar nicht entstehen zu lassen, sei das Beste, Kontakt zu echten Juden, Sinti, oder Roma herzustellen, so Götz.

    Kontakt zu echten Juden, Sinti oder Roma

    Wenn die Erfahrung der Kinder mit den gängigen Vorurteilen bricht, dann sei das Ziel erreicht, sagt Götz. Genau das macht auch Diepold wenn er sich vor den Grundschülern bei seinen Besuchen als Sinto outet.

    "Das können sie oft überhaupt nicht begreifen, weil ihr bisheriges Bild zusammenfällt und sich ändert. Manche sagen dann: 'Du bist aber kein so typischer Zigeuner.'"