BR24 Logo
BR24 Logo
Startseite
© BR
Bildrechte: BR/ Rupert Waldmüller

Restaurants, Museen, Sehenswürdigkeiten – alles ist seit Monaten dicht. Für das Schloss Neuschwanstein bringt der derzeitige Corona-Lockdown aber auch einen Vorteil: Ohne Besucher kommt die großangelegte Restaurierung gut voran.

3
Per Mail sharen
  • Artikel mit Video-Inhalten

Vorteil Lockdown: Neuschwanstein-Restaurierung kommt gut voran

Restaurants, Museen, Sehenswürdigkeiten – alles ist seit Monaten dicht. Für das Schloss Neuschwanstein bringt der derzeitige Corona-Lockdown aber auch einen Vorteil: Ohne Besucher kommt die großangelegte Restaurierung gut voran.

3
Per Mail sharen
Von
  • Rupert Waldmüller

Harald Kühner kniet mitten im prachtvollen Sängersaal. Mit einem Heißluftfön in der rechten Hand föhnt er das Parkett und wischt gleichzeitig mit einem Lappen in der Linken über den alten Boden. Der Restaurator und sein Team bringen das Parkett in dem Prunksaal wieder auf Vordermann, nehmen das alte verschmutzte Wachs ab und bessern Schäden aus.

Entspanntes Arbeiten im Sängersaal

Normalerweise schieben sich alle paar Minuten Führungen durch den Sängersaal. Wegen des Lockdowns können die Restauratoren hier jetzt aber entspannt ihrer Arbeit nachgehen: "Von der Fläche könnte man sonst immer nur Teilbereiche bearbeiten. Oder man müsste nachts arbeiten", erzählt Restaurator Kühner. "Das ist für uns eigentlich ganz positiv – wenn man das so sagen darf."

Restauratoren entfernen Schmutz von Jahrzehnten

Nebenan, in der Vorhalle des Sängersaals, kümmert sich Andjelka Lissner um die riesigen Radleuchter, die sonst hier von der Decke hängen, jetzt aber mitten im Raum auf Böcken liegen. Mit einem Pinsel trägt die Restauratorin vorsichtig Seifenlösung auf die kunstvoll versilberten Schwäne an den Leuchtern auf, um sie von der dunklen Schicht aus Putzmittel, Öl und Schmutz zu befreien, die sich über die Jahrzehnte auf den Kunstwerken angesammelt hat.

Führungen bremsen die Arbeit

Mitten in der Führungslinie sind die Leuchter aufgebockt. Andjelka Lissner sitzt vor dem großen Fenster im Tageslicht und kann arbeiten, ohne dass sie dauernd für die Führungen innehalten muss. "Ab und zu benutzt man auch einen Staubsauger oder ein Dampfstrahlgerät und die Geräte sind laut", erzählt die Restauratorin. "Wenn dann Führungen sind, muss man immer schauen: Kann man gerade? Kann man nicht? Und das bremst die Arbeit ein bisschen. So ist das natürlich angenehmer."

Weniger Umleitungen und weniger Nachtschichten

Christoph Weber von Staatlichen Bauamt in Kempten koordiniert die gesamte Sanierung im Schloss Neuschwanstein. Jetzt im Lockdown hat er schnell umgeplant und möglichst viele Arbeiten, die die Führungslinie im Schloss betreffen, nach vorne gezogen. "Wir müssen einfach jede Lücke nutzen, die sich hier auftut", sagt der Projektleiter. So könne man den Schlossbesuchern lästige Umleitungen ersparen und den Restauratoren lange Nachtschichten.

Nadelöhr Haupttreppe: Ungestörtes Arbeiten auf dem Gerüst

Besonders deutlich wird das an der Haupttreppe: Wo sonst täglich tausende Besucher in die oberen Stockwerke des Schlosses steigen, versperrt seit Wochen ein Gerüst den Weg. Im normalen Schlossbetrieb wäre das unmöglich. Oben auf dem Gerüst sitzt Janka Verhey und bessert mit einem kleinen Pinsel Schäden an den feinen Wandmalereien über der Wendeltreppe aus.

Völlig ungestört kann sich die Restauratorin hier derzeit ihrer Arbeit widmen. Wenn Publikumsverkehr wäre, könnte sie nur arbeiten, bevor die Besucher durchgehen oder danach, sagt Janka Verhey. "Und wenn die Leute vorbeilaufen, sprechen sie einen auch immer an. Dann wird man dauernd abgelenkt und das ist dann schon anstrengend."

Restaurierung bis Ende 2023 abgeschlossen

So machen sie im Schloss Neuschwanstein aus der Not eine Tugend und nutzen den Lockdown für sperrige Arbeiten. Für die Besucher bedeutet das weniger Einschränkungen bei den Führungen, wenn sie nach der Corona-Zwangspause wieder ins Schloss dürfen. Und die Restauratoren haben mehr Ruhe bei ihrer Arbeit und können auf lange Nachtschichten verzichten. 20 Millionen Euro lässt sich der Freistaat die größte Sanierung in der Geschichte des weltberühmten Schlosses kosten. Bis Ende 2023 sollen die Arbeiten abgeschlossen sein.

"Darüber spricht Bayern": Der neue BR24-Newsletter informiert Sie immer montags bis freitags zum Feierabend über das Wichtigste vom Tag auf einen Blick – kompakt und direkt in Ihrem privaten Postfach. Hier geht’s zur Anmeldung!