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Kuschelrunde statt Wettkampf um Vorsitz der Bayern-SPD

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    Kuschelrunde statt Wettkampf um Vorsitz der Bayern-SPD

    Sie kämpfen um den Landesvorsitz der Bayern-SPD: Generalsekretär Uli Grötsch und das Team Florian von Brunn / Ronja Endres. Erstmals haben sie sich nun gemeinsam den SPD-Mitgliedern präsentiert. Die Online-Vorstellung war eher Kuschelrunde.

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    Von
    • Arne Wilsdorff

    Drei Köpfe - zwei Männer und eine Frau - auf einem Handy- oder Computerbildschirm im Livestream. Aus ihren privaten Wohn- oder Arbeitszimmern heraus versuchen die Kandidaten im parteiinternen Wahlkampf um den SPD-Landesvorsitz zu punkten. Uli Grötsch, seit vier Jahren amtierender Generalsekretär, verspricht die Bayern-SPD wieder sichtbarer zu machen, sollte er Nachfolger von Natascha Kohnen werden.

    Grötsch: Konzentration auf Arbeit und Soziale Gerechtigkeit

    Sein Motto: Die SPD müsse immer zuerst die Partei der Arbeit und der sozialen Gerechtigkeit sein. Denn immer dann, wenn die SPD thematisch bei sich war, sei sie erfolgreich gewesen. Für gute Wahlergebnisse dürfe man sich nicht schwärzer oder grüner geben, als man eigentlich sei, so Grötsch. Er brenne für die Bayern-SPD, außerdem kenne er als Oberpfälzer Bundestagsabgeordneter die Probleme auf dem Land und in der Stadt. Gemeinsam mit seiner designierten Generalsekretärin Ramona Greiner stehe er, für mehr Präsenz - in den Medien und bei den SPD-Ortsvereinen überall im Freistaat, so Grötsch.

    Von Brunn und Endres: Schluss mit Leisetreterei und 'weiter so'

    Der Münchner Landtagsabgeordnete Florian von Brunn will nach seiner Niederlage gegen Natascha Kohnen vor vier Jahren jetzt zum zweiten Mal bayerischer SPD-Chef werden; diesmal im Team mit Ronja Endres, der Vorsitzenden der Arbeitsgemeinschaft für Arbeitnehmerfragen in der Bayern-SPD. Gemeinsam mit Arif Tasdelen, dem designierten Generalsekretär, würden sie in die Ortsvereine und in jeden SPD-Unterbezirk, um die Probleme anzuhören und zu lösen, verspricht Endres. Und von Brunn will sich auf keinen Fall "damit abfinden, dass die einst so stolze Bayern-SPD inzwischen das SPD-Schlusslicht in ganz Deutschland sei. Deswegen müsse jetzt Schluss sein mit der 'Leisetreterei und dem weiter so'".

    Boden-Spekulationsgewinne abschöpfen und Reichensteuer

    Florian von Brunn, der sich im Landtag vor allem mit Umwelt- und Verbraucherthemen wie dem Bayern-Ei- oder dem Allgäuer Tierschutzskandal profiliert, präsentiert sich dem traditionell linken SPD-Landesverband mit dezidiert linken Themen, wie der Forderung nach einer Vermögenssteuer und einer effektiven Erbschaftssteuer. Damit Kommunen günstige Wohnungen bauen können.

    Das kriege man dann, "wenn wir Spekulationsgewinne auch so besteuern, das es kracht, ehrlich gesagt. Und wir müssen auch die starken Schultern mehr belasten, die, die wirklich viel Kohle scheffeln."

    Grötsch will Bürger in Klimawende mitnehmen ohne Verbotspolitik

    Uli Grötsch, der SPD-Generalsekretär und gelernte Polizist aus der Oberpfalz, schlägt dagegen einen eher bürgerlichen Ton an, etwa wenn es darum geht wie man künftig klimaneutral lebt und wirtschaftet. Mit einer "reinen Verbots- und Bestrafungspolitik" werde das nicht gelingen. Die Klimawende gelinge dadurch, dass sie "von den Menschen gelebt und mit in die Zukunft genommen" werde. Es bringe nichts, "wenn wir Autofahren immer immer teurer machen", so Grötsch. Vielmehr müsse man "Autofahren immmer immer sauberer machen".

    Erfolg der SPD hängt an weiterhin gut bezahlten Arbeitsplätzen

    Für ein Tempolimit von 130 auf Autobahnen und eine Energiewende mit mehr Windkraft ist Uli Grötsch aber sehr wohl. Auch bei der Versöhnung von Umweltschutz mit der Strom- und Energie-Hungrigen bayerischen Wirtschaft sind sich Grötsch und das Team Endres/von Brunn weitgehend einig. Für die Gewerkschafterin Ronja Endres ist klar, nur wenn es den Beschäftigten gut geht, dann gehe es auch der SPD gut. Dabei sei es "wichtig, dass neue Arbeitsplätze, aber auch die alten mitbestimmt, tarifgebunden und unbefristet sind und bleiben, und hoch bezahlt".

    Vorstellungsrunde ohne scharfe Auseinandersetzung

    Die erste Vorstellungsrunde der Kandidaten für den SPD-Landesvorsitz kam völlig ohne persönliche Angriffe aus. Nach den jahrelangen Lagerkämpfen auf Bundesebene ist die Bayern-SPD stark um Geschlossenheit bemüht. Inhaltlich unterscheiden sich die Bewerber Grötsch und Endres/von Brunn nur wenig. Beim Parteitag im April werden die SPD-Delegierten also vor allem über Stilfragen entscheiden.

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