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Markus Söder im ARD-Wahlstudio
© pa/dpa/Peter Kneffel

Autoren

Ernst Eisenbichler
Petr Jerabek
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Markus Söder im ARD-Wahlstudio

Bayern hat einen neuen Landtag gewählt - und die Kräfteverhältnisse im Freistaat verschieben sich erheblich. Laut des vorläufigen Endergebnisses müssen CSU und SPD herbe Verluste hinnehmen. Demnach kommt die CSU auf 37,2 Prozent, 10,5 Prozentpunkte weniger als vor fünf Jahren. Die SPD liegt bei 9,7 Prozent (-10,9 Punkte).

Zugewinne verzeichnen insbesondere die Grünen: Sie werden mit 17,5 Prozent klar zweitstärkste Kraft und legen gegenüber der vorigen Landtagswahl 8,9 Punkte zu. Die Freien Wähler verbessern sich um 2,6 Punkte auf 11,6 Prozent.

Auch AfD im Landtag

Erstmals wird dem bayerischen Landtag auch die AfD angehören, die auf 10,2 Prozent kommt (plus 10,2 Punkte). Die FDP schafft mit 5,1 Prozent den Wiedereinzug. Die Liberalen mussten bis spät in die Nacht zittern. Die Linke scheitert mit 3,2 Prozent (+1,1 Punkte) an der Fünf-Prozent-Hürde. Die anderen Parteien liegen bei 5,4 Prozent (- 3,3 Punkte).

Söder sieht klaren Regierungsauftrag

Ministerpräsident Markus Söder (CSU) sprach von einem "schmerzhaften Ergebnis", das man mit "Demut" annehmen müsse. Dennoch habe die CSU einen klaren Regierungsauftrag erhalten und den Auftrag, das Land stabil zu führen. Die Hauptaufgabe der Christsozialen sei nun, eine stabile Regierung für Bayern zu bilden. CSU-Fraktionschef Thomas Kreuzer betonte im BR Fernsehen, es bestehe kein Zweifel, dass Amtsinhaber Söder der Kandidat der CSU-Fraktion für das Amt des Ministerpräsidenten werde. Über mögliche Koalitionspartner wollten die Christsozialen derzeit keine Aussagen machen.

Seehofer will weiter Verantwortung übernehmen

CSU-Chef Horst Seehofer sprach von einem "bedrückenden" Ergebnis, aber auch von einem klaren Regierungsauftrag für seine Partei. Er dankte "unserem Spitzenkandidat Markus Söder, das war famos". Zwischen beiden hatte es während des Wahlkampfes immer wieder Differenzen gegeben. Trotz der schweren Niederlage seiner Partei will Seehofer aber in allen Ämtern bleiben. "Ich werde natürlich meine Verantwortung weiterhin wahrnehmen", antwortete er auf die Frage, was das Wahlergebnis für ihn persönlich bedeute.

Aiwanger bietet Koalition an

Der Vorsitzende der Freien Wähler, Hubert Aiwanger, zeigte sich zufrieden mit dem Ergebnis seiner Partei. Aiwanger äußerte sich zuversichtlich, dass die CSU nun mit seiner Partei Koalitionsgespräche aufnimmt. Dafür würden die Freien Wähler den Christsozialen "machbare Vorschläge auf den Tisch legen". "Unter dem Strich wird es für eine bürgerliche Koalition reichen", so Aiwanger. Es sei darum gegangen, "schwarz-grüne Spielchen" zu verhindern.

Grüne: Ergebnis hat Bayern verändert

Grünen-Spitzenkandidatin Katharina Schulze sagte, das Landtagswahlergebnis habe Bayern "jetzt schon verändert". Die Grünen hätten sich auf den Weg gemacht, weil Bayern eine Partei brauche, die die Probleme der Menschen löse und nicht ständig neue Probleme produziere.

Kohnen schließt Rücktritt nicht aus

Die bayerische SPD-Spitzenkandidatin und Landesvorsitzende Natascha Kohnen schloss einen eigenen Rückritt nicht aus. Man werde nach der Niederlage über alles reden und damit meine sie auch: über alles, sagte Kohnen.

CSU verliert absolute Mehrheit

Dass die CSU die absolute Mehrheit in Bayern verlieren würde, hatte sich seit Monaten abgezeichnet. Schon bei der Bundestagswahl vor einem Jahr waren die Christsozialen unter die 40-Prozent-Marke gerutscht, daraufhin machte im Frühjahr Seehofer den Ministerpräsidenten-Stuhl für Söder frei, der die CSU auch als Spitzenkandidat durch den Landtagswahlkampf führte. Zuletzt sahen Umfragen die Christsozialen nur noch bei 33 Prozent.

CSU-Spitzenkandidat Söder und Parteichef Seehofer hatten sich schon vor der Wahl gegenseitig für die sinkende Zustimmung für die Christsozialen verantwortlich gemacht. Söder beklagte wiederholt bundespolitischen Gegenwind für seinen Wahlkampf. Seehofer konterte, für strategische Überlegungen im Wahlkampf sei allein Söder zuständig gewesen. Mit Spannung wird daher die CSU-Vorstandssitzung am Montagvormittag erwartet.

Ergebnis von 2013

Bei der Landtagswahl 2013 hatte die CSU mit ihrem damaligen Spitzenkandidaten Horst Seehofer 47,7 Prozent geholt und damit nach fünf Jahren die absolute Mehrheit zurückerobert. Die SPD kam damals auf 20,6 Prozent, die Freien Wähler auf 9, die Grünen auf 8,6 Prozent. Die FDP, die von 2003 bis 2008 gemeinsam mit der CSU regiert hatte in Bayern, scheiterte an der Fünf-Prozent-Hürde.