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Die CSU-Politiker: Markus Söder, Franz Josef Strauß und Edmund Stoiber

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Vorbild für Söder? Die Geschichte der CSU-Kanzlerkandidaten

1980 und 2002 traten Franz Josef Strauß und Edmund Stoiber als Unions-Kanzlerkandidaten an. Benannt wurden beide jeweils in einer Schwächephase der CDU. Durch die Wahlniederlagen der CSU-Kandidaten festigten Helmut Kohl und Angela Merkel ihre Macht.

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Von
  • Ingo Lierheimer

Zweimal angetreten, zweimal gescheitert. Das ist die faktische Bilanz der beiden bisherigen CSU-Kanzlerkandidaten. Dabei mussten Franz Josef Strauß und Edmund Stoiber – beides erklärte Idole von Markus Söder [zum Portrait] – mit sehr unterschiedlichen Resultaten den Rückzug nach München antreten. Dass sie überhaupt zum jeweiligen Spitzenkandidaten der Union wurden, lag vor allem an der inneren Krise der CDU – eine Parallele zu heute.

Interne Schwäche der CDU 1980 und 2002

Ein Jahr vor der Bundestagswahl 1980 fehlen der Union die Perspektiven auf einen Machtwechsel. Der SPD-Kanzler Helmut Schmidt ist beliebt, dessen Koalitionspartner FDP will die sozialliberale Koalition fortsetzen. Die Union bräuchte also, um zu regieren, eine absolute Mehrheit im damaligen Drei-Parteien-Parlament. Diese hatte Helmut Kohl vier Jahre zuvor knapp verpasst. Und gibt seitdem als Partei- wie als Fraktionsvorsitzender ein eher schwaches Bild ab, seine Autorität ist beschädigt.

Eine ähnliche Situation ergibt sich 2002: Vier Jahre zuvor ist Helmut Kohl als Kanzler abgewählt worden. Den Parteivorsitz muss er im Jahr 2000 abgeben und hinterlässt ein gewaltiges Führungsvakuum. Die CDU wird von der Parteispendenaffäre gebeutelt und viele Partei-Granden blicken argwöhnisch auf die neue Vorsitzende aus dem Osten, Angela Merkel.

Fraktion entscheidet für Strauß

In diesen Situationen zieren sich sowohl Franz Josef Strauß wie später Edmund Stoiber. Beide jeweils in der Position des CSU-Vorsitzenden und bayerischen Ministerpräsidenten. Lange zögern sie, ihre Bereitschaft zur Kanzlerkandidatur zu erklären. Als sich 1979 abzeichnet, dass CDU-Chef Helmut Kohl den niedersächsischen Ministerpräsidenten Ernst Albrecht als Kandidat vorschlagen wird, drängen CSU-Landesgruppenchef Friedrich Zimmermann und Generalsekretär Edmund Stoiber Franz-Josef Strauß dazu, seinen Hut in den Ring zu werfen.

Lange bleibt unklar, wie der Kandidat gewählt werden soll. Verschiedene Vorschläge werden erwogen und verworfen. Schließlich trifft die Bundestagsfraktion von CDU und CSU die Entscheidung. Nach einer turbulenten, fast siebenstündigen Sitzung votieren die Abgeordneten für CSU-Chef Franz-Josef Strauß. Er erhält 33 Stimmen mehr als Ernst Albrecht. Dass letztlich die Fraktion entscheidet, ist nicht das erste Mal. Schon 1963 und 1966 bestimmten die Bundestagsabgeordneten der Union die Kanzlerkandidaten Ludwig Erhard bzw. Kurt Georg Kiesinger.

Merkel muss Stoiber den Vortritt lassen - am Ende fehlen 6.000 Stimmen

Auch 2002 erklärt Edmund Stoiber erst dann seine Bereitschaft zur Kandidatur, als klar wird, dass ihm die Partei auf der Klausur in Wildbad Kreuth kaum eine andere Wahl lassen wird. Zuvor sprechen sich bereits zahlreiche prominente CDU-Politiker für Stoiber als Kandidaten aus. Das wiederum bringt die CDU-Vorsitzende Angela Merkel unter Druck. Sie kommt einem möglichen Votum ihrer Partei zuvor, bietet Stoiber beim Frühstück in dessen Haus in Wolfratshausen selbst die Kandidatur an und sichert damit ihre eigene Position als Vorsitzende.

Am Wahlabend im September 2002 treten Angela Merkel und Edmund Stoiber schon rund eine halbe Stunde nach Schließung der Wahllokale im Konrad-Adenauer-Haus strahlend vor die Mikrofone und der CSU-Chef verkündet: "Wir haben die Wahl gewonnen." Erst weit nach Mitternacht wird klar, dass CDU/CSU rund 6.000 Stimmen weniger erhalten haben als die SPD. Vor allem aber erringen die Grünen acht Sitze mehr als die FDP. Damit kann Rot-Grün mit dem SPD-Kanzler Gerhard Schröder weiterregieren. Stoiber kehrt nach München zurück.

Weniger Akzeptanz im Norden und Osten

Um 3,4 Prozentpunkte verbessert Stoiber 2002 das Wahlergebnis der Union gegenüber 1998. Dass es nicht zu mehr reicht, liegt unter anderem daran, dass Stoiber in Nord- und Ostdeutschland nicht so punkten kann wie erhofft, wogegen die CSU in Bayern fast elf Prozentpunkte zulegt.

Der Versuch, dem über die Jahre immer wieder mit sehr konservativen Ansichten aufgetretenen Stoiber im Wahlkampf ein etwas gemäßigteres Image zu verpassen, ist letztlich nicht erfolgreich. Hinzu kommt, dass sich SPD-Amtsinhaber Gerhard Schröder im Sommer vor der Wahl bei der Flutkatastrophe in Ostdeutschland als Krisenmanager beweist und zudem große Zustimmung erfährt durch seine Ablehnung des Irakkriegs.

Strauß spaltet als Kanzlerkandidat 1980

Deutlich mehr als Stoiber 2002 polarisiert Franz Josef Strauß als Kanzlerkandidat 1980. Zwar thematisiert er vor allem den Wirtschaftsstandort Deutschland, aber immer bleibt die Auseinandersetzung um seine Person im Vordergrund. Strauß ist eine Reizfigur, die die gegnerischen Anhänger motiviert und selbst in den eigenen Reihen spaltet. So kommt es nach seiner Kandidatur in der CDU zu Parteiaustritten, langjährige Bundestagsabgeordnete verzichten auf ihre Kandidatur.

Strauß‘ Wahlergebnis ist mehr als vier Prozentpunkte schlechter als das von Helmut Kohl vier Jahre zuvor. Und der damalige CDU-Generalsekretär Heiner Geißler merkt später an, die Niederlage habe eindeutig am falschen Kandidaten gelegen.

Merkel und Kohl profitieren, aber auch Stoiber und Strauß in Bayern

Bemerkenswert ist die Parallelität der Ereignisse nach den Niederlagen von Strauß und Stoiber: Denn sie stützen die damaligen CDU-Vorsitzenden Kohl und später Merkel. Zum einen ist nach der Wahlniederlage 1980 die von Strauß immer wieder geäußerte Drohung mit einer bundesweiten Ausdehnung der CSU obsolet, zum anderen festigen sowohl Kohl als auch später Merkel ihre Macht in der Rolle als Fraktionsvorsitzende im Deutschen Bundestag. Und beide werden zwei bzw. drei Jahre später selbst Kanzler.

Obwohl beide CSU-Kandidaten bei ihren Versuchen, Kanzler zu werden, scheitern, können sie die darauffolgenden Landtagswahlen klar gewinnen. Sowohl Strauß als auch Stoiber erzielen hier jeweils triumphale Werte von 58 bzw. knapp 61 Prozent. Ein über Bayern hinausreichendes Phänomen. Denn tatsächlich hat bislang noch kein amtierender Länderchef nach einer gescheiterten Kanzlerkandidatur (Willy Brandt, Johannes Rau, Oskar Lafontaine) die Mehrheit in seinem Bundesland verloren.

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Im Machtkampf um die Kanzlerkandidatur der Union haben sich Söder und Laschet selbst eine Frist bis Sonntag gesetzt. Aber ein Telefonat blieb wohl ergebnislos, beide lehnen einen Rückzug weiter ab. Die Ungeduld in CDU und CSU wächst.

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