BR24 Logo
BR24 Logo
Startseite

Vorbereitung auf Einschulung: Was Kindern und Lehrkräften fehlt | BR24

© dpa-Bildfunk/Robert Michael
Bildrechte: dpa-Bildfunk/Robert Michael

Schon vor der Einschulung im Herbst ist vieles anders für die künftigen Erstklässler

17
Per Mail sharen

    Vorbereitung auf Einschulung: Was Kindern und Lehrkräften fehlt

    Keine Vorschule, weniger Austausch, begrenzte Untersuchungen: Die Vorbereitungen für die Einschulung im Herbst laufen holprig. Eltern, Kinder und Lehrkräfte tun ihr Möglichstes – doch es bleibt die Sorge, dass wichtige Förderung untergeht.

    17
    Per Mail sharen
    Von
    • Tobias Brunner

    Ein bisschen neugierig auf die Schule sind Lilli und Leopold schon, auch wenn sie sich noch bis zum Herbst gedulden müssen. Manches wissen die Zwillinge von ihrer älteren Schwester, aber bei ihrer Einschulung wird vieles anders sein – oder ist es schon jetzt.

    "Das finde ich doof", sagt der sechsjährige Leopold und meint damit, dass er seine Lehrer noch nicht kennt. Er spricht damit aus, wie es vielen anderen Kindern, Eltern und Lehrkräften gerade geht: Alle wollen den Übertritt von der Kita in die Grundschule so positiv wie möglich gestalten. Doch Corona zwingt ihnen einen Handlungsrahmen auf.

    Weniger Austausch zwischen Eltern, Lehrern und Erzieherinnen

    Bei den Vorbereitungen für den Schulstart der künftigen Erstklässler müssen alle Beteiligten auf viel Gewohntes verzichten: Die Vorschule fällt ganz oder teilweise aus, die Kita-Kinder können ihre Schule nicht schon vorab besuchen oder am Schnupperunterricht teilnehmen und auch das Miteinander von Eltern, Lehrerinnen und Erziehern leidet.

    "Der Austausch fehlt", erzählt Sonja Haas, die Mutter von Lilli und Leopold. Sie ist selbst gelernte Erzieherin und macht sich viele Gedanken: "Man hat Angst, etwas zu übersehen – und das verunsichert."

    Schuleingangsuntersuchungen: Mehr als ein Fünftel 2020 ausgefallen

    Die Schuleingangsuntersuchung der Zwillinge liegt bereits ein Jahr zurück. Aber immerhin gab es sie damals. Vorläufige Zahlen des Bayerischen Gesundheitsministeriums für das laufende Schuljahr 2020/21 zeigen: Bei mehr als jedem fünften Kind fielen die Untersuchungen komplett aus.

    Laut einer Kleinen Anfrage der AfD im Landtag wurden von möglichen 128.784 Untersuchungen in Bayern nur 102.341 durchgeführt – rein rechnerisch fanden somit rund 20,5 Prozent nicht statt. Möglich, dass noch weitere Kinder nach dem Stichtag untersucht wurden, dem Gesundheitsministerium liegen nach eigener Aussage aber "derzeit keine aktuelleren Daten vor".

    Bayerisches Gesundheitsministerium: Impfbuch und U9-Vorsorge reichen

    Für das im Herbst beginnende Schuljahr 2021/22 hat das Ministerium Mitte Januar neue Vorgaben an die Landkreise verschickt. Damit zählt die Schuleingangsuntersuchung zu einer "Maßnahme, die während der aktuellen Pandemie nachrangig durchgeführt werden soll".

    Voraussetzung dafür ist, dass Eltern die U9-Vorsorgeuntersuchung des Kinderarztes nachweisen sowie ein Impfbuch vorlegen können. Nur wenn eines davon fehlt, ist ein zusätzlicher Termin beim Gesundheitsamt nötig. Auf BR-Anfrage betont das Gesundheitsministerium, die Untersuchung sei "nicht ausgesetzt", sondern nur "reduziert". Außerdem könne mit der U9 die eingeschränkte Schuleingangsuntersuchung "sicher in wesentlichen Bereichen abgefedert werden".

    Wichtige Förderung lässt sich nicht nachholen, wenn sie verpasst wird

    Doch daran bestehen Zweifel. Amtsärzte berichten dem BR, dass die U9 eben kein vollwertiger Ersatz sei und soziale und emotionale Aspekte weniger berücksichtige. Und im Zweifel sähen vier Augen einfach mehr als zwei.

    Für die Kinder- und Jugendpsychiaterin Gudrun Rogler-Franken ist die U9 zwar ein wichtiger Anhaltspunkt - die Schuleingangsuntersuchungen als weiterer Baustein aber genauso. Im Kindesalter gebe es feste Zeitfenster, in denen bestimmte Entwicklungen stattfänden, beispielsweise bei der Sprache. "Wenn in dieser Zeit Förderung versäumt wird, ist das schwer nachzuholen", erklärt Rogler-Franken.

    Fallen Kinder durchs Raster oder werden zu früh eingeschult?

    Die Befürchtung: Fehlt der umfassende Blick von Ärztinnen, Lehrern und Erzieherinnen, könnten Kinder durchs Raster fallen und nicht rechtzeitig wichtige Unterstützung und Förderung wie Ergotherapie oder Logopädie erhalten. Ebenso lassen sich Klassen im Vorfeld schlechter einteilen. Im schlechtesten Fall könnte das zu Lasten der Chancengleichheit gehen und Kinder eingeschult werden, denen ein Jahr mehr in der Kita noch gut getan hätte.

    Oder man sieht es umgedreht, wie Brigitte Gruber, die Rektorin der Grundschule in Höhenkirchen-Siegertsbrunn: "Wir kennen auch nicht die besonderen Stärken jedes einzelnen Kindes, um diese gezielt von Beginn an zu fördern."

    Lockdown-Lockerung: Zweifel an besserer Vorbereitung für Einschulung

    Machbar ist derzeit nur eine Vorbereitung auf Sparflamme. Sonja Haas beispielsweise hat den Schulweg mit Lilli und Leopold geübt - "um zumindest da Sicherheit zu geben". Und in Höhenkirchen-Siegertsbrunn verlegten sie den obligatorischen Rundgang für neue Eltern kurzerhand ins Internet.

    Dass sich mit möglichen Lockerungen in den nächsten Monaten vielleicht doch noch mehr umsetzen lässt, bezweifelt die Rektorin Brigitte Gruber indes. Zu groß wäre wahrscheinlich trotzdem das Infektionsrisiko. Ob ihr die Einschulung angesichts dessen Bauschmerzen bereite? Nein, sagt sie. Trotz allem ist sie zuversichtlich, dass ihre Erstklässler einen guten Schulstart bekommen – denn nach einem Jahr Erfahrung mit Corona könne es heuer nur besser werden.

    "Darüber spricht Bayern": Der neue BR24-Newsletter informiert Sie immer montags bis freitags zum Feierabend über das Wichtigste vom Tag auf einen Blick – kompakt und direkt in Ihrem privaten Postfach. Hier geht’s zur Anmeldung!