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Impfstoff von Astrazeneca

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Vorbehalte gegen Astrazeneca-Impfstoff - Ministerium reagiert

Nicht nur der Weltärztepräsident ist skeptisch. Auch die Gewerkschaft der Polizei in Bayern befürchtet, dass der Astrazeneca-Impfstoff unzuverlässig ist. Das Gesundheitsministerium weist Zweifel am Vakzin zurück - ebenso der Virologe Drosten.

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Von
  • Claudia Knöpfle

Nachdem die ersten Lieferungen des Corona-Impfstoffs von Astrazeneca zwischen der EU und dem britisch-schwedischen Hersteller hart umkämpft gewesen sind, liegt das Präparat in den Bundesländern nun offensichtlich auf Halde. Bundesweit wurden von 736.800 bislang gelieferten Astrazeneca-Impfdosen nach Angaben des Robert-Koch-Instituts (RKI) vom Dienstag lediglich knapp 65.000 Dosen verimpft. Woran das liegt, ist unklar - womöglich gibt es ein Akzeptanzproblem.

Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) in Bayern etwa sieht die Immunisierung von Polizisten mit dem Astrazeneca-Impfstoff kritisch. "Die ständige Einsatzbereitschaft der Polizei darf durch einen möglicherweise unzuverlässigen Impfstoff auf keinen Fall gefährdet werden", sagte der Landesvorsitzende Peter Pytlik in München.

"Wer eine hohe Akzeptanz bei der Impfbereitschaft seiner Beschäftigten einfordert, muss auch dafür sorgen, dass der bestmögliche Impfstoff Verwendung findet und nicht der, der am billigsten oder gerade verfügbar ist, weil er anderweitig Akzeptanzprobleme hat oder gar nicht mehr eingesetzt wird." Die GdP forderte, bereits bei Impfanmeldung bekannt zu geben, welcher Impfstoff verwendet wird.

Gesundheitsministerium weist Kritik an Impfstoff zurück

Das bayerische Gesundheitsministerium wies die Kritik an dem Vakzin von Astrazeneca zurück. Der Impfstoff sei im ordentlichen Verfahren und nach wissenschaftlichen Standards zugelassen worden, sagte ein Sprecher. Seine Wirksamkeit habe dabei nicht infrage gestanden.

Auch Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) sprach auf Twitter von einer "hohen Wirksamkeit". Den Sendern RTL und n-tv sagte der Minister mit Blick auf Astrazeneca: "Ja, ich würde mich impfen lassen, wenn ich eine Impfung angeboten bekommen würde. Ausdrücklich auch mit Astrazeneca. Das ist ein sicherer und wirksamer Impfstoff."

Die GdP ist mit ihrer Kritik nicht alleine. Auch der Vorsitzende des Weltärztebundes, Frank Ulrich Montgomery, hatte gefordert, das Vakzin von Astrazeneca nicht bei medizinischem Personal und Pflegekräften einzusetzen. Der Impfstoff sei zwar genauso sicher wie die anderen. Doch die geringere Wirksamkeit lasse sich nicht wegdiskutieren, hatte er der "Rheinischen Post" gesagt. Menschen mit hohem Infektionsrisiko sollten mit besser wirksamen Vakzinen geimpft werden.

WHO empfiehlt Astrazeneca-Impfstoff

Zuletzt hatte es Berichte über eine geringere Wirksamkeit des Astrazeneca-Vakzins gegen neu aufkommende Virusvarianten gegeben. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfiehlt jedoch weiterhin den Einsatz des Impfstoffs. In Deutschland hat die Impfkommission das Vakzin des britisch-schwedischen Konzerns nur für unter 65-Jährige empfohlen.

Während die Mittel von Moderna und Biontech eine Wirksamkeit von 94 und 95 Prozent haben, sind es bei Astrazeneca nach einer neuen Studie nach der ersten Impfung 76 Prozent und nach der zweiten bis zu 82 Prozent. Nach anderen Studien liegt die Wirksamkeit bei etwa 70 Prozent.

Berichte über Impf-Nebenwirkungen

Für Aufregung haben auch Berichte über angebliche verstärkte Nebenwirkungen gesorgt. Eine schwedische Region hatte die Impfungen mit dem Astrazeneca-Vakzin Ende vergangener Woche vorübergehend ausgesetzt, weil mehr Geimpfte als erwartet im Anschluss angegeben hatten, Fieber zu haben. Nach Klagen von Klinik-Angestellten über Nebenwirkungen wurden auch in Niedersachsen Impfungen mit dem Corona-Impfstoff von Astrazeneca an zwei Orten vorübergehend gestoppt. Das Herzogin-Elisabeth-Hospital in Braunschweig teilte mit, geplante Impfungen mit diesem Präparat zu verschieben.

Dem Robert Koch-Institut (RKI) zufolge können Impfreaktionen sowohl bei den mRNA-Impfstoffen von Biontech/Pfizer und Moderna als auch beim Vektor-basierten Astrazeneca-Vakzin auftreten. Sie beginnen demnach in der Regel kurz nach der Impfung. Beim Astrazeneca-Impfstoff zählen Abgeschlagenheit, Kopfschmerzen und Krankheitsgefühle zu den häufigsten Nebenwirkungen.

Das für die Impfstoffkontrolle zuständige Paul-Ehrlich-Institut erklärte den Zeitungen der Funke Mediengruppe, man untersuche, ob die jüngst gemeldeten Impfreaktionen über das hinausgehen, "was in den klinischen Prüfungen beobachtet wurde und ob - sofern das der Fall ist - Gründe dafür erkennbar sind".

Drosten: Astrazeneca-Impfstoff sehr gut

Der Virologe Christian Drosten hält den Astrazeneca-Impfstoff unverändert für ein wichtiges Instrument im Kampf gegen die Pandemie. Es gebe keinen Grund, in Deutschland nicht mit dem Mittel zu arbeiten, sagte der Charité-Virologe im NDR-Podcast.

Wenn er sich die öffentliche Diskussion um diesen Impfstoff anschaue, habe er den Eindruck, dass vieles falsch verstanden worden sei. Drosten sprach sich dafür aus, hierzulande unbedingt auch auf den nach seiner Einschätzung "sehr guten" Astrazeneca-Impfstoff zu bauen.

"Wir müssen alles dransetzen, jetzt so schnell wie möglich in der Breite zu impfen", bilanzierte der Virologe. "Die Impfstoffe, die wir haben, die sind extrem gut gegenüber dem, was man erwarten konnte. Es gibt immer irgendwo ein Haar in der Suppe und manche schauen da mit dem Vergrößerungsglas drauf." Das solle man nicht tun. Wichtig sei, dass die Impfstoffe das Risiko eines schweren Krankheitsverlaufs minimierten.

Im Video: Weiterer Impfstoff in Sicht

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Mit Johnson & Johnson hat nun der vierte Hersteller die Zulassung seines Corona-Impfstoffs für die Europäischen Union beantragt.

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