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Vor zehn Jahren: Hochwasser hielt Unterfranken 2011 in Atem | BR24

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Zum zehnten Mal jährt sich das Main-Hochwasser von 2011, das in Teilen Unterfrankens mehr als eine Woche lang für zahlreiche Feuerwehreinsätze sorgte. Der Main in Würzburg erreichte damals einen Höchststand von 6,42 Metern.

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Vor zehn Jahren: Hochwasser hielt Unterfranken 2011 in Atem

Knapp zwei Wochen lang dauerte das Hochwasser im Januar 2011. Entlang des Mains und der Saale waren zahlreiche Gemeinden überschwemmt. Andernorts verhinderten teure Schutzwälle Schlimmeres. Doch nicht überall sind solche Maßnahmen umsetzbar.

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Von
  • Pirmin Breninek
  • Sylvia Schubart-Arand

Mit Hochwasser kennt man sich aus in Hafenlohr. Die Gemeinde trägt den gleichen Namen wie ein kleiner Fluss, der unterhalb des dortigen Kirchbergs in den Main mündet. Steigen die Pegel, dann sind weite Teile des Altorts unter Wasser. So geschehen zuletzt im Jahr 2011. Mehrere Häuser waren damals nur über Stege oder mit dem Boot erreichbar.

Tauwetter sorgt für zwei Hochwasser-Wellen

Bürgermeister Thorsten Schwab (CSU) erinnert sich noch gut daran. "Das war eine riesen Aufregung, dieser Katastrophenfall mit dem Hochwasser." Schwab steht an einer Kreuzung auf der Hauptstraße in der Gemeinde im Landkreis Main-Spessart. Er senkt seine Hand etwas unter seine Hüfte. So hoch sei das Wasser gestanden.

Das Besondere: Tauwetter und Regen sorgten damals für zwei aufeinanderfolgenden Hochwasserwellen. In Hafenlohr waren erste Häuser bereits wieder ausgepumpt, als die Pegel noch einmal stiegen. Die zweite Welle fiel noch etwas höher aus als die erste. In Würzburg etwa erreichte der Main einen Höchststand von 6,42 Meter. Das waren etwas weniger als 2003. Doch dieses Mal dauerte es ungewöhnlich lange. Am Pegel Würzburg/Main wurden die Meldestufen für die Dauer von fast zwei Wochen überschritten.

Hochwasserschutz verhindert Schlimmeres

Die erfreuliche Nachricht aus diesen Tagen: Vielerorts hielten die Schutzmaßnahmen den Wassermassen stand. In Würzburg etwa schwappte das Wasser nicht bis in die Altstadt. Der sogenannte Lückenschluss entlang des Mainkais wurde 2009 fertiggestellt.

Auch die Stadt Miltenberg konnte mit Ausnahme des Schwarzviertels geschützt werden. Ein Bericht des "Main-Echo" spricht davon, dass ein volkswirtschaftlicher Schaden von 2,3 Millionen Euro hätte verhindert werden können, verglichen mit den Fluten im Jahr 1995. Damals gab es in Miltenberg noch keinen Hochwasserschutz.

120 Häuser in Frickenhausen unter Wasser

Doch nicht alle Orte kamen so glimpflich davon. Besonders heftig traf es im Landkreis Würzburg die Gemeinde Frickenhausen. Etwa 120 Häuser waren dort mehrere Tage lang vom Wasser umzingelt. Wer sein Anwesen verlassen wollte, musste mit dem Boot geholt werden. Zwischen Altort und Main liegen lediglich eine Wiese und ein Radweg.

© BR/Sylvia Schubart-Arand

Wie hier in Hafenlohr standen im Januar 2011 zahlreiche Häuser entlang der unterfränkischen Flüsse unter Wasser.

© BR/Sylvia Schubart-Arand

In Karlstadt trat der Main weit über seine Ufer.

© Maria Sommer-Schneider

In Randersacker reichte das Wasser bis zur Hauptstraße in der dortigen Ortsmitte.

© BR/Matthias Winklharrer

Die erfreuliche Nachricht: Vielerorts hielt der Hochwasserschutz. Hier in Würzburg wurde das Wasser gestoppt und gelangte nicht in die Altstadt.

© BR/Sylvia Schubart-Arand

Wie hier in Gräfendorf gab es viel zu tun: Altbürgermeister Alfred Frank auf einem der provisorisch errichteten Stege.

Ähnlich ist es einige Kilometer den Main abwärts in Winterhausen. Weitere Maßnahmen zum Hochwasserschutz sind hier nur schwer umsetzbar, sagt Bürgermeister Christian Luksch (Unabhängige Wählergemeinschaft) bei einem Gang durch den Ort. Es gebe schlicht zu viele Einflussschneisen, die das Wasser nehmen könnte. 2011 sei man in Anbetracht dessen gut davongekommen. Wäre das Wasser so hoch gestiegen wie 2003, hätte es gedroht in den Altort zu fließen. Damals hatten Feuerwehrmann Markus Wolpert und seine Kollegen eine Holzbarriere samt Sandsäcken errichtet. 2011 sei das nicht notwendig gewesen.

Pfingsthochwasser 2013 deutlich niedriger als 2011

Trotzdem: Die Gefahr eines Hochwassers bleibt. "Toi, toi, toi", sagt der Winterhäuser Christian Luksch. Die Älteren im Ort hätten die Faustregel: "Alle sieben Jahre gibt es ein Hochwasser." Die vergangenen zehn Jahre seien also eine willkommene Ausnahme gewesen. Beim Pfingsthochwasser 2013 lagen die höchsten Pegel am Main deutlich niedriger, in Würzburg bei 5,19 Meter.

Hafenlohr bekommt Umgehung und Hochwasserschutz

Die Hoffnung bleibt, dass zukünftige Hochwasser weniger Schaden in Unterfranken anrichten. In Hafenlohr etwa konnte Bürgermeister Schwab just in diesen Tagen verkünden: Zwischen Altort und Main kann eine Umgehungsstraße gebaut werden, Spundwände zum Hochwasserschutz inklusive. Gegen einen bestehenden Planfeststellungsbeschluss hatte eine Bürgerin zuletzt Einspruch eingelegt. Die Gemeinde konnte sich mit der Frau einigen, die Klage wurde zurückgezogen. Knapp 20 Millionen Euro soll das Vorhaben insgesamt kosten. Die Trasse verläuft auf einer stillgelegten Bahnlinie.

"Eine neue Lebensqualität für die Hauseigentümer und Bewohner im Altort" erhofft sich Schwab von dem Projekt. Seine Erwartung: Durch weniger Autos und ohne die Hochwassergefahr, könnte der Altort zum Beispiel für junge Familien attraktiver werden. In vier Jahren soll das alles fertig sein. Solange könnten sich Bilder wie 2011 allerdings auch in Hafenlohr wiederholen.

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