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Vor der Stichwahl: neuer Schwung fürs Oberallgäu | BR24

© © Hörmann: Andreas Jacob / Baier-Müller: Susanne Mölle / Grafik BR

Alfons Hörmann (CSU) und Indra Baier-Müller (FW) treten am Sonntag bei der Landrats-Stichwahl im Oberallgäu an.

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    Vor der Stichwahl: neuer Schwung fürs Oberallgäu

    Ob Flächenverbrauch, Klimaschutz oder bezahlbare Wohnungen - bei der Stichwahl am Sonntag entscheidet sich, welchen Weg das Oberallgäu künftig einschlägt. Wir haben Alfons Hörmann und Indra Baier-Müller gefragt, mit welchen Ideen sie punkten wollen.

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    Keine großen Wahlkampfauftritte, nicht einmal Händeschütteln ist vor der Stichwahl im Rennen ums Oberallgäuer Landratsamt möglich. Wegen Corona halten die Menschen Abstand - auch in der Kommunalpolitik. Damit Sie sich trotzdem ein Bild davon machen können, mit welchen Konzepten der CSU-Politiker und Sportfunktionär Alfons Hörmann und Indra Baier-Müller von den Freien Wählern die Menschen im Oberallgäu überzeugen wollen, haben wir beide dazu befragt. Die Antworten veröffentlichen wir leicht gekürzt.

    Wenn Sie am Sonntag die Stichwahl gewinnen: Was wird Ihr erstes Projekt als Landrat beziehungsweise Landrätin sein?

    Hörmann: In Anbetracht der jetzigen Corona-Krise mit all ihren besonderen Herausforderungen im gesundheitlichen Bereich, aber auch in der Wirtschaft und unserer gesamten gesellschaftlichen Entwicklung, gehe ich davon aus, dass zum Zeitpunkt des Einstieges erst einmal aktives Krisenmanagement gefordert ist. Danach wird es notwendig sein, die gesamten Budgetansätze zu prüfen, weil die Krise sicher auch zu Einnahmerückgängen in den kommunalen Haushalten führen werden. Welche Themen daneben Priorität haben, wird sich aus den Gesprächen mit den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern sowie den Kreisräten und Bürgermeistern ergeben.

    Baier-Müller: Als ganz wichtig sehe ich Gespräche mit den Mitarbeitenden und den zukünftigen Kollegen im Kreistag. [Ein] Projekt wäre für mich: Angesichts der derzeitigen Situation sicherlich die Bewältigung der Corona-Krise und ihrer Nachwirkungen, die sich auf alle Bereiche auswirken wird. Weitere Schwerpunkte sehe ich derzeit im Bereich der Umsetzung des "Masterplans 100% Klimaschutz" und die Umsetzung des im Februar beschlossenen 100-Euro-Tickets.

    Die wichtigsten Themen auf kommunaler Ebene sind wohl Mobilität, Klimaschutz, Wohnen: Wie sehen Ihre Ideen dazu aus?

    Hörmann: Sowohl die Entwicklung eines ganzheitlichen ÖPNV-Konzeptes für unsere Region Allgäu als auch wichtige Maßnahmen im Klimaschutz stehen auf der Wunschliste unserer Bürger weit oben und sind damit sozusagen konkreter "Arbeitsauftrag". Im Bereich Wohnen werden wir neue Akzente setzen müssen, um auf weniger Fläche mehr Wohnraum zu schaffen. Der Flächenfraß an vielen Stellen sollte stark reduziert werden - und das schaffen wir durch die intelligente Nutzung von bislang kaum oder nicht genutzter Kubatur [Anmerkung der Redaktion: Baukörper] und der ergänzenden Bebauung in unseren Ortskernen.

    Baier-Müller: Bezogen auf das Thema Mobilität müssen wir kurzfristige Anreize schaffen, um Menschen vom Individualverkehr in die öffentlichen Verkehrsmittel zu bringen. Hierzu sollten wir kurzfristig feststellen, zu welchen Zeiten, in welcher Taktung, auf welchen Routen ein Bedarf besteht, um diesen besser zu bedienen. Ein weiterer Punkt sollte die Verknüpfung von Angeboten der einzelnen Gemeinden und Städte mit dem Landkreis sein. [...] Beim Klimaschutz habe ich ja bereits erwähnt, dass wir mit dem Masterplan grundsätzlich einige Handlungsfelder erarbeitet haben, die wir in den kommenden Jahren abarbeiten können. Hierzu zählt auch, alternative, regenerative Energieformen auszubauen.

    Wir alle wissen, dass bezahlbarer Wohnraum und Gewerbeflächen im Allgäu benötigt werden. Gleichzeitig gibt es Initiativen, Vorhaben und Gesetzesentwürfe, die den Flächenverbrauch eindämmen und bis 2050 sogar auf null senken wollen. Das bedeutet: Die Herausforderung wird sein, in den kommenden Jahren zu bauen, jedoch möglichst wenig neue Flächen zu erschließen. Konkret müssen Bestandsgebäude ertüchtigt, Leerstand (wo vorhanden) reaktiviert und vor allem auch Nutzungsänderungen ermöglicht werden.

    Was können Sie tun, um die wirtschaftlichen Folgen der Corona-Krise zu bewältigen?

    Hörmann: Zuerst einmal kommt es darauf an, im besten Sinne Dienstleister für alle Unternehmen und Institutionen im Landkreis zu sein und den Weg für die Partner so einfach wie möglich zu gestalten, wo die Zusammenarbeit erfolgt. Darüber hinaus geht es um den engen Dialog mit den Unternehmen: Insbesondere in den Bereichen Tourismus und in der regionalen Nahrungsmittel-Erzeugung sind im Landkreis Oberallgäu vielschichtige Akzente möglich. Nicht zuletzt können nationale und internationale Kontakte geknüpft werden, womit nach der Krise neue Chancen erarbeitet werden können.

    Baier-Müller: Die wirtschaftlichen Folgen der Corona-Krise sind in ihrem Ausmaß noch nicht abzusehen. Derzeit wird auf Bundesebene an finanziellen Hilfen gearbeitet, um wirtschaftliche Stabilität zu erhalten. Insbesondere kleinere und mittlere Betriebe sollten [...] schnellstmöglich Hilfe bekommen. Meine Verantwortung wird darin liegen, den Menschen unbürokratisch die Hilfe zur Verfügung zu stellen, die Ihnen zusteht.

    Wie wollen Sie die Menschen für Kommunalpolitik ganz allgemein begeistern?

    Hörmann: Indem eine sach- und zielorientierte Umsetzung der politischen Themen über Parteigrenzen hinweg erfolgt. Auch mit zeitgemäßer Transparenz in den Entscheidungsprozessen und einer offenen Kommunikationspolitik muss es an der politischen Basis gelingen, Politik für die Bürger greif- und nachvollziehbar zu gestalten. Auch neue Formen der aktiven Beteiligung und digitale Formate können Bürger und Politik wieder mehr zusammenbringen.

    Baier-Müller: Zunächst darf ich an dieser Stelle sagen, dass ich unglaublich überrascht war, wie viele Menschen sich abseits der öffentlichen Wahrnehmung politisch engagieren. Vor allem junge Menschen, die im Kommunalwahlkampf mit viel Zeit und Engagement unterwegs waren. Das macht mir Mut, dass die Politikverdrossenheit nur die eine Seite der Medaille ist. Auch das Engagement der Fridays for Future-Bewegung, die sicherlich an mancher Stelle eine Herausforderung für die etablierte Politik bedeutet, ist ein solches Signal. [...] Als Aufgabe sehe ich es, die Menschen bei den Themen, die wir in den kommenden Jahren angehen wollen, mitzunehmen. Das funktioniert über Information und Beteiligung. Diese müssen wir anbieten, aber auch einfordern. Und auch das ist Politik: sich einmischen, dabei sein und diskutieren!

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