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Die CSU stellt ihre Liste für die Bundestagswahl auf. Wegen der Pandemie findet die Veranstaltung im Frankenstadion unter freiem Himmel statt.

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Vor der Bundestagswahl: CSU entdeckt Stammwähler wieder

Gedämpfter Start in den Wahlkampf: Bei der CSU-Listenaufstellung in Nürnberg drückt der Amoklauf von Würzburg auf die Stimmung. Frauen und Stammwähler werden umworben.

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Von
  • Achim Wendler

Hinter Markus Söder erstreckt sich der gepflegte Rasen des Frankenstadions. Als Kind habe er immer gehofft, auf diesem Rasen mal etwas zu bewegen, sagt der CSU-Vorsitzende. Es war ihm nicht vergönnt. Immerhin, Söder hat jetzt die Perspektive des Fußballers: Vom Platz schaut er hoch auf die Ränge, wo die Zuschauer sitzen und in der prallen Sonne schwitzen.

Erstmals paritätische Kandidatenliste der CSU

Die Zuschauer sind in diesem Fall Delegierte. Sie stimmen Söders Vorschlag zu und schicken ihre CSU zum ersten Mal mit einer paritätischen Liste in den Bundestags-Wahlkampf. Ganz oben steht Landesgruppenchef Alexander Dobrindt, hinter ihm kandidiert Digitalstaatsministerin Dorothee Bär. Und so geht es weiter, Mann und Frau im Wechsel.

Die Parität sei "ein wichtiger Schritt", hatte Söder zuvor für die Liste geworben. 2019 war er mit einem ähnlichen Vorstoß noch gescheitert: Der damalige Parteitag ließ die von Söder angestrebte Frauenquote auf Kreisebene durchfallen. "Dieser peinliche Parteitag", erinnert sich Marlene Mortler heute im Frankenstadion.

Scheuer folgt auf Platz drei

Jetzt startet Söder einen neuen Anlauf: "Die meisten Stammwähler von uns sind Frauen!" Aber nicht nur für sie wirbt der Parteichef. An Listenplatz drei steht Andreas Scheuer. So weit vorn? Das überzeugt wegen des Maut-Debakels nicht jeden in der Partei. Generalsekretär Markus Blume sagt auf Nachfrage, entscheidend sei das personelle Gesamtangebot.

Andere erinnern daran, dass der Verkehrsminister viel Geld für Straßenprojekte in den Freistaat gelenkt habe. Söder formuliert es so: "Obwohl er eine Menge an der Hacke hat, hat er uns Bayern nie vergessen."

Jünger und weiblicher

Als die Listenkandidaten sich vorstellen, jeder mit wenigen Sätzen, fällt auf: Es sind nicht nur viele Frauen, sondern auch viele unter 40 dabei. Beides entspricht Söders Ziel, die CSU jünger und weiblicher zu machen.

Der Haken an der Liste ist, dass sie wahrscheinlich nur symbolische Bedeutung haben wird. Denn die CSU hat gute Chancen, alle Direktmandate in Bayern zu gewinnen. Von den Direktkandidaten allerdings ist nur gut jede fünfte eine Frau. Die paritätische Liste käme dann jedenfalls kaum zum Zug.

Beharrlichkeit bei Mütterrente

Dieses Schicksal will die CSU ihren Wahlkampfthemen ersparen: "Wir bleiben bei der Mütterrente hart", sagt Söder. Laut CSU sollen auch Mütter mit vor 1992 geborenen Kindern den vollen Rentensatz erhalten. Die Schwesterpartei CDU wollte das Anliegen wegen der Kosten nicht ins gemeinsame Wahlprogramm aufnehmen. Nun will die CSU allein dafür kämpfen: Die Mütterrente "ist eine Bedingung für den Koalitionsvertrag", sagt Söder in Nürnberg.

Daraus ist abzulesen, dass die Mütterrente im Bayern-Programm stehen wird, dem CSU-eigenen Programm, das im Juli vorgestellt wird. Es soll, wie die Parteispitze betont, das Wahlprogramm beider Unionsparteien nicht entwerten, sondern lediglich ergänzen. Wahrscheinlich wird es auch den Vorschlag enthalten, "dass der ermäßigte Mehrwertsteuersatz für die Gastronomie nicht nur bis Ende nächsten Jahres gilt, sondern dauerhaft". So fordert es Söder im Frankenstadion.

Den Bauern ruft der Parteichef in Erinnerung, die CSU sei "der eigentliche starke Partner für die Landwirtschaft, und das bleibt sie auch".

Ziel sind die Stimmen der bürgerlichen Mitte

Bauern, Frauen, Gastronomen – sie alle bilden einen großen Teil der Stammwählerschaft der CSU. Andere Teile adressiert Spitzenkandidat Dobrindt, wenn er verspricht: Es soll keine Steuererhöhungen geben, aber solide Haushalte und die Rückkehr zur schwarzen Null möglichst 2023. "Ich will, dass Deutschland ein Industrieland bleibt, ein Automobilland bleibt." Und bei allem Bekenntnis zu Europa stellt Dobrindt klar: "Wir lehnen weiter eine Schuldenvergemeinschaftung ab."

Auf wen all das abzielt, ist klar: auf die gute alte bürgerliche Mitte. Oder das, was die CSU dafür hält.

Bei Wahlkampfthemen zurück zu alten Wurzeln

Es ist das Comeback klassischer CSU-Wahlkampfthemen. Die Wiederentdeckung des Markenkerns. Bestätigt fühlen dürfte sich dadurch Manfred Weber, der oben auf der Tribüne sitzt, inmitten der Delegierten. Der CSU-Vize hatte unlängst gefordert, die Stammwähler wieder stärker ins Blickfeld zu nehmen. Also nicht nur Klimaschutz und Regenbogenfarben.

Aber was auf den ersten Blick wie ein Streit um die richtige Wahlkampfstrategie wirkt, ist letztlich nur eine Frage der Akzentuierung. Alle in der CSU wissen, dass sie mit der Stammwählerschaft allein nicht gewinnen werden. Es gelte, das volle Wählerpotenzial auszuschöpfen, schärft Söder den Delegierten ein. "Bei uns sollen sich alle wohlfühlen", erklärt Emmi Zeulner aus Oberfranken, die zwar auf Listenplatz zehn kandidiert, aber bei der Wahl eher auf ihr Direktmandat baut.

Söder will "beide Stimmen für die CSU"

Wie die CSU "alle" zu erreichen gedenkt, buchstabiert Söder aus: Den Grünen attestiert er "maximale Fridays-for-future-Politik", der FDP "maximale Wirtschaftspolitik". Und Hubert Aiwanger, dem Freie-Wähler-Chef und Koalitionspartner, hält er einen Spruch vor, der zwei Wochen früher an derselben Stelle fiel: "Wer von der Bundesregierung als 'durchgeknallt' redet, der bleibt besser daheim." Im Herzen könne man für FDP oder Freie Wähler sein. "Aber auf dem Stimmzettel beide Stimmen für die CSU!"

Überschattet wurde die CSU-Listenaufstellung vom Amoklauf in Würzburg. Nicht nur die Gedenkminute machte das deutlich. Auch Söder hielt sich in seiner Rede rhetorisch zurück.

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Drei Monate vor der Bundestagswahl hat die CSU ihre Kandidatenliste aufgestellt. Neu ist, dass die CSU ihre Liste paritätisch, also gleichwertig mit Frauen und Männern besetzt hat.

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