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Vor dem Lockdown in Bayern: Hotelgäste reisen ab | BR24

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Die letzten Hotelgäste checken vor dem Teil-Lockdown aus

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    Vor dem Lockdown in Bayern: Hotelgäste reisen ab

    Ab Montag vollzieht Deutschland einen Teil-Lockdown. Besonders betroffen davon ist auch die Tourismusbranche. Allein in der Tourismushochburg Bodenmais werden im November rund 35.000 Übernachtungen fehlen. Die meisten Gäste sind bereits abgereist.

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    • BR24 Redaktion

    "Das Hotel wird leer, Bodenmais wird leer!" Hoteleigentümer Franz Adam seufzt. Der anfängliche Zorn über den erneuten Lockdown der Hotel- und Gaststättenbranche ist verflogen, jetzt sei man einfach traurig. Noch ein paar Stunden können die letzten Gäste den neuen Wellness-Bereich in dem Vier-Sterne-Hotel in Bodenmais genießen, dann müssen auch sie abreisen. "Man muss doch nicht alles zumachen, die Hotels haben doch viel in ihre Hygienekonzepte investiert", ärgert sich eine Frau an der Rezeption. Sie hat bereits ausgecheckt, der Urlaub ist früher vorbei als geplant.

    Zorn weicht der Trauer - Tränen beim Hotelpersonal

    In der Tourismushochburg Bodenmais werden im November rund 35.000 Übernachtungen fehlen, rechnet Bürgermeister Joli Haller (CSU) vor. Für ihn ist der Lockdown der Hotelbranche der falsche Weg, gegen ein weitere unkontrollierte Ausbreitung des neuartigen Corona-Virus. Und auch Hotel-Chef Franz Adam spricht von einer Katastrophe, die sich in seinem Büro abspiele.

    Beim Personal würden Tränen fließen, sie fragten sich, ob, wie und wann es weiter gehe. Adam nimmt deswegen die Politik in die Pflicht: "Wir hoffen, dass die Zusagen der Politik eingehalten und schnell eingehalten werden. Andernfalls drohe vielen Hotelbetrieben das Aus." Und weiter mahnt der Bodenmaiser Hotelier bayerisch pragmatisch: "Wenn Weihnachten ausfällt, dann Habe die Ehre!"

    Gäste hielten sich weitgehend an Corona-Auflagen

    An der Rezeption wickelt Kerstin Strohmeier den Check-Out der Hotelgäste ab. Die meisten von ihnen hätten sich in den vergangenen Monaten klaglos an die Corona-Auflagen gehalten, da habe es keine Probleme gegeben. Ein kleiner Teil der Gäste aber hätte immer mal wieder ermahnt werden müssen. Kein leichter Job: "Manche dachten, wir machen das um sie zu ärgern. Das stimmt aber natürlich nicht!"

    Den Lockdown im November kann die alleinerziehende Mutter nicht verstehen. Sie klagt über erhebliche finanzielle Einbußen. "Vielleicht muss ich mir jetzt kurzfristig noch einen 450-Euro-Job suchen", sagt sie. So lange die Schulen offen bleiben, gehe das - aber wenn nicht… Und ihr fast sieben Jahre alter Sohn könne nicht wirklich verstehen, warum er in der kommende Woche seinen Geburtstag nicht zusammen mit seinen Schulfreunden feiern kann.

    Umsonst in Hygienekonzepte investiert?

    Die Gäste die heute aus dem Hotel Adambräu abreisen, können sich in die Situation des Hotelchefs und seiner fast 150 Beschäftigten hineinversetzen. "Für mich sind die Maßnahmen übertrieben", sagt eine eine Frau. Das Coronavirus müsse man ernst nehmen, aber man müsse nicht alles zumachen. Die Hotels hätten gute Hygienekonzepte, sie habe sich während ihres Urlaubs wohl gefühlt. Ein andere Gast sagt, man müsse die Situation jetzt erst mal so akzeptieren wie sie ist. Die Gastronomiebranche täte ihm leid, weil dort in den vergangenen Monaten viel in Hygienekonzepte investiert worden sei.

    Hoffen auf Weihnachtsgeschäft

    Hotelchef Franz Adam zeigt unterdessen auch Optimismus - vielleicht Zweckoptimismus: Die Tourismusbranche im Bayerischen Wald sei gut aufgestellt, so Adam. Gäste würden ohnehin immer kurzfristiger buchen - und die wenigen Corona-Fälle in Bodenmais zeigten, die Hygienekozepte in der Branche funktionieren. Deswegen hofft Adam jetzt auf ein gutes Weihnachtsgeschäft.

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