BR24 Logo
BR24 Logo
Startseite
© BR/Knoll
Bildrechte: BR/Lui Knoll

50 Jahre Ende des Bergbaus in Peißenberg

Per Mail sharen
  • Artikel mit Audio-Inhalten

Vor 50 Jahren: Ende des Kohle-Bergbaus in Peißenberg

Vor 50 Jahren endete der industrielle Kohle-Bergbau in Bayern. In Peißenberg fuhren die Kumpel am 31. März 1971 zum letzten Mal in den Stollen zur Kohle. Einer der letzten Bergmänner von damals hält die Erinnerung an die gefährliche Arbeit wach.

Per Mail sharen
Von
  • Lui Knoll

Am Mittwoch vor 50 Jahren, am 31. März 1971, fuhren in Peißenberg die Kumpel der staatlichen Berg-Hütten-und Salzwerke zum letzten Mal in den Berg, um Kohle an die Oberfläche zu holen. In der 130-jährigen Geschichte des Bergwerks hatten sie 40 Millionen Tonnen Kohle ans Licht gebracht. Doch nun war Schluss.

Seit 1830 industrieller Kohleabbau

Zuletzt waren es noch rund 500 Bergmänner, die über die Förderanlage des Zieglmeier-Schachts 1000 Meter in die Erde fuhren. Seit 1830 wurde im Bergwerksdorf industriell Pechkohle abgebaut. In der Anfangszeit wurde sie über den Lech nach Augsburg in Webereien geliefert, später erzeugte man mit der Kohle in Peißenberg Strom. Doch Anfang der 1970er Jahre war die Kohle nicht mehr wettbewerbsfähig. Öl wurde der wichtigste Energieträger für die Industrie. Der Bayerische Staatsbetrieb musste schließen.

Letzte Schicht in 1000 Metern Tiefe

Einer der letzten lebenden Bergmänner ist Franz Merkl. Seit seinem 16. Lebensjahr hat er als Hauer unter Tage gearbeitet. Der hagere kleingewachsene Mann mit dem verschmitzten Lächeln war 32 Jahre alt, als er das letzte Mal zur Schicht in 1000 Metern Tiefe fuhr – die Sorge um die Zukunft im Gepäck. "Das Gefühl war nicht besonders gut", erzählt er. "Wenn der Bergbau zu ist, man hat nichts anderes gelernt, man hat bei Null wieder beruflich anfangen müssen. Wenn man dann noch eine junge Familie hat mit zwei Kindern, ist das alles andere als leicht gewesen."

Der Boden bebt, die Lunte brennt und dann knallt's…

Die Arbeit der Bergleute war schwer und gefährlich. Im Tiefstollen in Peißenberg wird heute in der Sprengkammer für Besucher der Moment simuliert, wenn in einem Stollen die Sprengladung losgeht. Der Boden bebt, die Lunte brennt und dann knallt es. Franz Merkl erinnert sich: "Das war ein ohrenbetäubender Lärm. Daheim nach der Arbeit haben die Ohren immer noch gesurrt, trotz Ohrenstöpsel – es war grausam." Nicht selten musste er sich wegen des Schwefelgeruchs übergeben. Jeden Tag fuhr die Angst mit in den Stollen. Ein Jugendfreund wurde von einem Felssturz unter Tage erschlagen. Merkl selbst überlebte einen schweren Unfall: Sein Arm war in ein Förderband geraten.

110 Kilometer Schienen unter dem Hohenpeißenberg

Seit 1830 ließ man in der Königlich Bayerischen Steinkohlengrube Peißenberg die Kohlenflöze sprengen und die Pechkohle zu Tage fördern. 110 Kilometer betrug in der Blütezeit das Schienen-Netz zwischen Peißenberg und Peiting unter Tage. Alfred Schmidhammer ist im Knappenverein einer der Wächter des Erbes. Er erklärt Besuchern im Bergbaumuseum die Dimensionen des Abbaufelds. Bis nach Kurzenried bei Peiting dehnt sich das Gebiet in West-Ost-Richtung aus. Rund 15 Kilometer beträgt die Entfernung vom Tiefstollen in Peißenberg zum Hauptstollen in Peiting. Und das Ganze bis zu 1000 Metern unter der Erdoberfläche.

Die wichtigste Verbindung in die Tiefe

Seit 1915 ist der Zieglmaier-Schacht die wichtigste Verbindung in die Tiefe. Dort, wo heute Supermärkte und ein Baumarkt das moderne Peißenberg zeigen, war die Lebensader des industriellen Aufstiegs und Niedergangs der Kohle. Rudi Hochenauer ist heute Vorstand des Knappenvereins. Als die Grube schloss, war er 14 Jahre alt. "Der Schacht wurde verfüllt", sagt der Mann aus Hohenpeißenberg, dessen Vorfahren dort als Bergleute gearbeitet haben. "Bis zum Schluss war hier 7 Tage die Woche in mehreren Schichten Betrieb." 1972 ist der komplette Schacht 1050 Meter mit Gesteinsmaterial aufgefüllt worden.

Das letzte von sieben Kohlebergwerken

An der unauffälligen Stelle steht seit dieser Woche wieder ein Modell des alten Förderturms. Der Markt Peißenberg will hier mitten im Einkaufsviertel des Ortes mit neuen Schautafeln an die Geschichte des Bergbaus erinnern. Peißenberg schloss als letztes der sieben Kohlebergwerke in Oberbayern am 31. März 1971 für immer seine Tore. Davor hatten bereits die anderen Bergbauorte die Arbeit aufgegeben: Miesbach, Hausham, Marienstein, Penzberg, Peiting und Hohenpeißenberg.

"Darüber spricht Bayern": Der neue BR24-Newsletter informiert Sie immer montags bis freitags zum Feierabend über das Wichtigste vom Tag auf einen Blick – kompakt und direkt in Ihrem privaten Postfach. Hier geht’s zur Anmeldung!