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Vor 40 Jahren: Flucht aus der DDR nach Bayern im Heißluft-Ballon | BR24

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Es war der 16. September 1979. Doris Strelzyk, ihr Mann, zwei Söhne und eine befreundeten flüchten mit einem selbst gebauten Heißluftballon aus der DDR nach Oberfranken. Auch nach vier Jahrzehnten ist die Erinnerung an die Flucht nicht verblasst.

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Vor 40 Jahren: Flucht aus der DDR nach Bayern im Heißluft-Ballon

Es war wohl die spektakulärste Republik-Flucht: Vor 40 Jahren überwanden zwei DDR-Familien die innerdeutsche Grenze mit einem selbst gebauten Heißluft-Ballon - und landeten in Oberfranken.

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Damit 1979 die Flucht-Vorbereitungen nicht auffielen, waren die beiden Familien Wetzel und Strelzyk aus Pößneck (Thüringen) durch die ganze DDR gefahren. Sie hatten in verschiedenen Geschäften in kleinen Mengen Stoffstücke für die 28 Meter hohe Ballonhülle zusammengekauft, erklärt Günter Wetzel im Gespräch. Nächtelang saß er dann an seiner mechanischen Nähmaschine und nähte Zeltnylon, Regenschirmseide, Taft und Bett-Inlett zusammen.

Im Ballon: Vier Erwachsene, vier Kinder und vier Propangas-Flaschen

Die Plattform des Ballons war nur mit einer Wäscheleine gesichert. Auf der gerade mal 1,40 Meter auf 1,40 Meter kleinen Platte mussten nicht nur die zwei Ehepaare und ihre vier Kinder Platz finden, sondern auch noch die vier Propangas-Flaschen. Nach 28 Minuten ging das Gas aus und die Passagiere mussten in einem Waldstück notlanden – zuvor waren sie bereits von DDR-Grenzsoldaten vom Übergang Rudolfstein entdeckt worden.

"Sind wir denn in Bayern?"

Unsicher, ob sie tatsächlich die DDR-Grenze überwunden hatten, versteckten sich die Mütter mit den Kindern und die Männer schauten erst in einer Scheune nach und bei der Begegnung mit zwei Polizisten kam es dann zum legendären Wortwechsel: "Sind wir denn in Bayern?" – "Ja, wo denn sonst." Dies hat der pensionierte bayerische Grenzpolizist Otto Oeder von seinen beiden inzwischen verstorbenen Kollegen erfahren, die die DDR-Flüchtlinge in den frühen Morgenstunden des 16. September 1979 als erste in Naila angetroffen hatten.

Glaube an das Gelingen der Flucht

"Wir hatten keine Bedenken. Wir haben fest dran geglaubt, dass die Sache sicher ist. Wir haben unseren Frauen so oft erklärt, dass nichts passieren kann, bis wir es selbst geglaubt haben. Und zwar bis zum Schluss. Wir sind ja gesehen worden. Als wir etwa in 2.000 Meter Höhe waren, haben wir gemerkt, dass am Grenzübergang Rudolfstein Scheinwerfer angegangen sind, die nach uns gesucht haben – aber die haben uns nicht erreicht. Ich habe es nicht bereut", erzählt Günter Wetzel 40 Jahre später im BR-Gespräch.

Der inzwischen verstorbene Peter Strelzyk erklärte seine Motive unmittelbar nach der Landung im September 1979.

"Wir streben nach Freiheit. Wir wollen freie Menschen sein. Es kam dazu, weil es keine andere Möglichkeiten gibt, die DDR zu verlassen.“ Peter Strelzyk, nach gelungener Flucht 1979

Kurz nach der geglückten Flucht trennten sich die beiden Familien. Ihre spektakuläre Flucht wurde bereits 1980 von den Disney-Studios in Hollywood verfilmt. Und im September 2018 kam der Thriller "Ballon" von Regisseur Michael Herbig in die deutschen Kinos.

Fluchtballon als Ausstellungsstück

Den Fluchtballon haben die beiden Familien Wetzel und Strelzyk 1979 der Stadt Naila geschenkt – er ist momentan im Haus der Bayerischen Geschichte zu sehen und soll Ende 2021 wieder zurück in den Frankenwald kommen, so Bürgermeister Frank Stumpf (FWG) auf BR-Anfrage.

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Mit einem selbstgebauten Heißluftballon sind Günter Wetzel und sieben weitere Personen 1979 aus dem Osten Deutschlands geflohen. Nach 28 Minuten kamen die Flüchtlinge unversehrt in Naila (Lkr. Hof) an.