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Vor 30 Jahren: Ein Moosburger versorgt DDR-Flüchtlinge in Ungarn | BR24

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Im September 1989 flohen tausende Menschen aus der DDR nach Budapest. Ihre Zukunft? Ungewiss. Sie warteten im Hilfslager der Malteser. Diesen Hilfseinsatz vor 30 Jahren koordinierte Wolfgang Wagner aus Moosburg.

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Vor 30 Jahren: Ein Moosburger versorgt DDR-Flüchtlinge in Ungarn

Im September 1989 flohen tausende Menschen aus der DDR nach Budapest. Ihre Zukunft? Ungewiss. Sie warteten im Hilfslager der Malteser. Diesen Hilfseinsatz vor 30 Jahren koordinierte Wolfgang Wagner aus Moosburg.

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Es war im September 1989 in Ungarn. Tausende Menschen - geflohen aus der DDR - haben es bis nach Budapest geschafft. Ihre Zukunft? Ungewiss ... aber sie hatten das große Glück, dass sich dort jemand um sie kümmerte.

In die Hilfslager der Malteser sind damals jeden Tag hunderte Menschen gekommen. Der Mann, der den Hilfseinsatz vor 30 Jahren koordinierte - und mit vielen Ehrenamtlichen zusammen die Menschen versorgte, ist Wolfgang Wagner aus Moosburg.

Am 10. September 1989 hatte der ungarische Außenminister Horn bekannt gegeben, dass die DDR-Bürger ausreisen dürfen. Wolfgang Wagner erinnert sich an die gemischten Gefühle, mit denen die DDR-Bürger diesen Moment erlebten.

Unsicherheit und Angst, aber auch Hoffnung

Die DDR-Bürger sind den Helfern der Maltester damals mit Unsicherheit und Angst begegnet, zumal sie ja auch mit Uniformen Probleme hatten, erinnert sich Wagner. Die Maltester trugen deshalb zu Beginn auch Zivilkleidung.

"Was mich tief beeindruckt hat, dass sie unwahrscheinlich freundlich waren und dass so viele junge Familien mit Kleinkindern unterwegs waren. Das hat mich sehr getroffen." Wolfgang Wagner
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Wolfgang Wagner erzählt im Bayern1-Studio die Geschichte der Grenzöffnung vor 30 Jahren

Da waren die vielen Geschichten der Geflohenen. Etwa die von dem kleinen Jungen, der ihm erzählt hat: "Du Onkel, ich bin fei die sechs Berge alle selber zu Fuß gegangen. Der Papa hat mich nicht getragen, aber wir wollen nicht nach Westdeutschland."

Viele überlebten die Flucht nicht

Oder die Geschichte von drei jungen Männern. "Die saßen in der Früh um sieben Uhr vor dem Aufnahmezelt - pudelnass, völlig apathisch." Eigentlich waren sie zu viert, als sie die Donau durchschwammen. Am anderen Ufer sind nur drei angekommen. Nur den Ausweis von dem Vierten hatten sie noch. "Er hieß Heiko. Den Namen weiß ich heute noch. Ich hab dann Kontakt mit der Mutter in Leipzig aufgenommen." Wolfgang Wagner musste der Frau mitteilen, dass ihr Sohn tot ist. "Sowas vergisst man nicht."

Ständig unter Spannung

Auch immer wieder gefragt zu werden -"Kommen wir raus? Müssen wir wieder zurück?", sei für die Helfer eine große Herausforderung gewesen. Denn in den Lagern waren auch Stasimitarbeiter. Die hatten, so erzählt Wagner, ein Stativ aufgebaut - auf dem Dach gegenüber des Eingangszelts, wo die Leute anonym, nur zahlenmäßig, registriert wurden. Die Stasi-Mitarbeiter hätten dann mit Kameras in das Lager fotografiert. "Damit die nichts aufnehmen können, haben wir vom Katastrophenschutz Scheinwerfer aufgestellt - in ihre Richtung." Die Spannung sei immer zu spüren gewesen. Die Menschen mussten abwarten, wussten nicht, was mit ihnen passiert.

Bis am 10. September 1989 der ungarische Außenminister bekannt gab, dass die DDR Bürger ausreisen dürfen.

"Wir haben gejubelt, geweint und lagen uns in den Armen."

So beschreibt Wolfgang Wagner den unglaublichen Moment, als Gyula Horn erklärte, dass um 0.00 die Grenze endgültig geöffnet wird. Viele hätten es gar nicht glauben können und waren unendlich dankbar.