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Vor 30 Jahren: Aus Todesstreifen wird das "Grüne Band" | BR24

© BR/Frankenschau

Drei Jahrzehnte nach dem Fall der Mauer ist das "Grüne Band" der einzig existierende bundesweite Lebensraumverbund und eine einmalige Erinnerungslandschaft an die friedliche Überwindung der deutschen Teilung.

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Vor 30 Jahren: Aus Todesstreifen wird das "Grüne Band"

Von Hof bis an die Ostsee grünt und blüht es schon. Aus dem früheren Todesstreifen entlang der ehemals innerdeutschen Grenze ist 30 Jahre nach dem Mauerfall das "Grüne Band" geworden. Ziel der Naturschützer: ein europäisches Natur- und Kulturerbe.

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30 Jahre nach dem Mauerfall hat sich der frühere Todesstreifen entlang der ehemaligen innerdeutschen Grenze zu einem Naturschutz-Gebiet entwickelt. Diese positive Bilanz zog Hubert Weiger, der Ehrenvorsitzende des Bund Naturschutz Bayern und BUND in Hof.

In Hof schlug die Geburtsstunde des "Grünen Bandes"

In Hof schlug vor 30 Jahren die Geburtsstunde für das sogenannte "Grüne Band": Hier trafen sich am 9. Dezember 1989 erstmals rund 400 Naturschützer aus Ost- und West-Deutschland und gaben mit einer Resolution den Startschuss für den Schutz der einzigartigen Tier- und Pflanzenwelt, die sich auf dem Grenzstreifen während der Teilung Deutschlands entwickelt hatte.

Ein Zuhause für 5.200 Tier- und Pflanzenarten

Heute leben auf dem rund 1.400 Kilometer langen streifen, der sich von Hof bis an die Ostsee streckt, über 5.200 verschiedene Tier- und Pflanzenarten. Rund ein Viertel davon steht bundesweit auf der Roten Liste der vom Aussterben bedrohten Tiere.

BUND fordert 30 Millionen Euro

Trotz der positiven Bilanz bleibt nach 30 Jahren noch einiges zu tun, so Liana Geidezis, die Fachbereichsleiterin beim BUND für das "Grüne Band". Insgesamt fordert der Bund Naturschutz von der Bundesregierung 30 Millionen Euro, um die Lücken im "Grünen Band" zu schließen. Ein Sechstel des rund 1.400 Kilometer langes Naturschutz-Projekt sei noch nicht ausreichend geschützt, 170 Kilometer der Lebenslinie durch den Bau von Straßen und Gewerbegebieten dauerhaft zerstört.

© picture alliance/Frank Rumpenhorst

Artenreichtum statt Todesstreifen: Vor 30 Jahren schlug in Hof die Geburtsstunde des "Grünen Bandes".

Naturschutz-Projekt könnte touristisch genutzt werden

Die Naturschützer betonen auch, dass das Naturschutz-Projekt sich auch als ein einzigartiges Beispiel für Erinnerungskultur an die deutsche und europäische Teilung während des Kalten Kriegs entwickelt habe und verstärkt touristisch genutzt werden sollte. Nachdem Thüringen und Sachsen-Anhalt das "Grüne Band" bereits zum Nationalen Naturmoument erklärt haben, sollte Bayern nun auch nachziehen, so die Forderung des BUND. In Bayern steht entlang der Grenze zu Thüringen und Sachsen bisher rund die Hälfte unter Schutz, am "Grünen Band" zu Tschechien ist es erst ein Drittel.

Ein Kultur- und Naturerbe vom Polarmeer zum Schwarzen Meer

Ziel sei es, dass der Streifen entlang des ehemaligen Eisernen Vorhangs vom Polarmeer bis zum Schwarzen Meer als gemischtes Weltkultur- und Weltnatur-Erbe ausgewiesen wird. Das haben die Umweltminister der deutschen Bundesländer im November beschlossen – unter der deutschen EU-Ratspräsidentschaft soll das Projekt 2020 vorangetrieben werden, so die Hoffnung der Naturschützer.

Naturschützer und Bauern arbeiten zusammen

Gleichzeitig sollten nun auch Querverbindungen geschaffen werden – ein Modellprojekt setzt der Bund Naturschutz gerade mit dem Bayerischen Bauernverband im Landkreis Rhön-Grabfeld um. Dort erhalten Landwirte, die Maisäcker in große Blühflächen umwandeln, bis zu 450 Euro Hektar Ausgleichszahlung im Jahr, erklärt Liana Geidezis im BR-Gespräch.

© BR

Am 9.12.1989 wurde in Hof, auf Initiative des BN, das erste gesamtdeutsche Naturschutzprojekt - das Grüne Band - aus der Taufe gehoben.