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Von Nazis geraubte Bücher an Freimaurer zurückgegeben | BR24

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In der NS-Zeit wurden die Freimaurer verboten. Zahlreiche ihrer Bücher gelangten damals in den Besitz der Bayerischen Staatsbibliothek. Jetzt übergab das Haus mehr als 200 Exemplare an das Deutsche Freimaurermuseum.

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Von Nazis geraubte Bücher an Freimaurer zurückgegeben

In der NS-Zeit wurden die Freimaurer verboten. Zahlreiche ihrer Bücher gelangten damals in den Besitz der Bayerischen Staatsbibliothek. Jetzt übergab das Haus mehr als 200 Exemplare an das Deutsche Freimaurermuseum.

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Die Bayerische Staatsbibliothek hat 203 Bücher zurückgegeben, die in der Zeit des Nationalsozialismus aus Bibliotheken von Freimaurer-Logen geraubt wurden. Damit stelle sich die Staatsbibliothek ihrer Verantwortung für ihre Verstrickung in NS-Unrecht, sagte Generaldirektor Klaus Ceynowa bei der Übergabe an Vertreter des Deutschen Freimaurermuseums.

Die meisten der Werke, die nun in dem Bayreuther Museum der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden sollen, stammen aus den Jahren 1900 bis 1920. Nur bei zwei der Bücher konnte eindeutig herausgefunden werden, dass sie einst im Besitz der "Großloge zur Sonne" in Bayreuth waren. Die restlichen 201 Bücher stammen aber auf alle Fälle aus ehemaligen Freimaurerlogen.

Erkennbar ist das anhand einer bestimmten "Tausch-/Schenkernummer", die in die Bücher hineingestempelt ist. Diese Bücher bekam die Bayerischen Staatsbibliothek in den Jahren 1937/38 bei einer Tauschaktion mit der SS-Schule Haus Wewelsburg in Ostwestfalen: insgesamt 450 Werke, die es im Bestand der Bibliothek noch nicht gab.

Die Suche nach Raubgut – eine Aufgabe für viele Jahre

Die Nationalsozialisten hatten die Freimaurer verboten, die Logen wurden aufgelöst und ihr Besitz zerstört oder geraubt. Die Rückgabe der Freimaurer-Bücher ist nur ein kleiner Teil einer groß angelegten Recherchearbeit zur Provenienz von etwa 100.000 Büchern aus der Zeit des Nationalsozialismus und den Jahren unmittelbar nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs.

Jedes einzelne Werk wird geprüft – eine Arbeit, die Jahre dauern wird, aber immer wieder zu Erfolgen führt: So wie es auch schon mit Büchern aus der Bibliothek Thomas Manns oder dem Plocker Pontifikale, einer polnischen Handschrift aus dem 12. Jahrhundert, geschehen ist.

Forscher freuen sich über zurückgegebene Bücher

Roland Hanke, Vorstand des Deutschen Freimaurermuseums in Bayreuth, freut sich über die Rückgabe der mehr als 200 Bücher: "Es sind viele kleine Kinder, die die Freimaurerei uns hinterlassen hat und denen wir wieder ein Zuhause geben wollen."

Mit den Neuzugängen in seiner Bibliothek, die mit den Uni-Bibliotheken in Bayreuth und Posen vernetzt ist, kann vor allem Ahnenforschung betrieben werden. Aber es sind auch historische Hinweise auf Zeremonien, Reden und Reformvorschläge in den teils sehr schmalen Werken.

Nach Auskunft Hankes gibt es bundesweit mehr als 15.000 Freimaurer. Sie sehen in Gott den Baumeister aller Welten und haben das Ziel, mit Hilfe einer einzuübenden inneren Haltung eine allumfassende Ordnung anzustreben.

Staatsbibliothek hat Bücher digitalisiert

Für die Bayerische Staatsbibliothek bleiben die Bücher mit Titeln wie "Dichtergrüße für die Schwestern aller Freimaurer" oder "Weisheit Schönheit Stärke" auch nach ihrer Abreise nach Oberfranken erhalten. Sie wurden digitalisiert und können auch in virtuellen Ausstellungen besichtigt werden.