BR24 Logo
BR24 Logo
Startseite

NEU

Von Maskenpflicht bis Lüften: Corona-Regeln an Bayerns Schulen | BR24

© BR

Direktorinnen und Direktoren von Bayerns Gymnasien warnen vor den negativen Folgen eines reinen Online-Unterrichts. Allerdings ist man sich in der Politik nicht einig, wie der Schulunterricht in Corona-Zeiten ablaufen soll.

Per Mail sharen
  • Artikel mit Video-Inhalten

Von Maskenpflicht bis Lüften: Corona-Regeln an Bayerns Schulen

Mehr als zwei Monate nach dem Start des neuen Schuljahrs wird kontrovers über Schutzmaßnahmen an den Schulen in Deutschland diskutiert. In Bayern wurden sie über die Wochen mehrfach ergänzt und teilweise verschärft. Welche Regeln im Freistaat gelten.

Per Mail sharen

Freizeit- und Kultureinrichtungen sind während des Teil-Lockdowns in Bayern geschlossen, Schulen bleiben wie Geschäfte und Einkaufszentren weiterhin geöffnet. Seit Tagen hält angesichts hoher Corona-Zahlen allerdings eine kontroverse Debatte an, ob die Schutzmaßnahmen an den Schulen ausreichen und ob sie nicht verstärkt werden sollten. Das Kanzleramt brachte bereits vor dem Bund-Länder-Gipfel am 16. November Klassenteilungen und damit einen Wechsel von Distanz- und Präsenzunterricht ins Gespräch, die Entscheidung darüber wurde aber vertagt.

In Bayern wurden die Vorschriften für den Regelunterricht mit Hygienemaßnahmen in den vergangenen Wochen bereits mehrfach präzisiert und in einzelnen Punkten auch verschärft - beispielsweise bei der Maskenpflicht im Unterricht und dem Vorgehen, wenn eine Schülerin oder ein Schüler Erkältungssymptome hat. Welche Regeln aktuell gelten - hier im Überblick:

Maskenpflicht auch im Unterricht - Möglichkeit zu Tragpausen

Auf dem gesamten Schulgelände gilt eine Maskenpflicht für alle. Im Gegensatz zu vielen anderen Bundesländern müssen in Bayern somit Schüler aller Jahrgangsstufen - inklusive Grundschulkinder - auch an ihrem Sitzplatz im Unterricht einen Mund-Nasen-Schutz tragen. Visiere (Face-Shields) sind laut Kultusministerium "kein zulässiger Ersatz". Auch auf dem Pausenhof ist die Gesichtsmaske Pflicht.

Laut einer Entscheidung des Bayerischen Verwaltungsgerichtshofs muss an den Schulen allerdings dafür gesorgt werden, "dass für die Schüler im Freien und unter Einhaltung des Mindestabstands die Möglichkeit zu Tragepausen" bestehe. Das Ministerium schreibt dazu im aktuellen Rahmenhygieneplan für die bayerischen Schulen, den Kindern und Jugendlichen sei es erlaubt, die Maske abzunehmen, "wenn für einen ausreichenden Mindestabstand zwischen den Schülerinnen und Schülern gesorgt ist". Zudem dürften sie die Mund-Nasen-Bedeckung während einer Stoßlüftung im Klassenzimmer an ihrem Sitzplatz abnehmen.

Das Verwaltungs- und Hauspersonal, die Schulleitung oder andere Lehrer dürfen die Maske abnehmen, wenn sie sich allein im Büro oder einem anderen Raum befinden.

Grundlegende Hygienemaßnahmen

Auch in Schulen sollen die allgemeinen Hygienemaßnahmen beachtet werden: Die Hände sollen regelmäßig mit Seife für 20 bis 30 Sekunden gewaschen werden, die Husten- und Niesetikette praktiziert werden, wo immer möglich gilt ein Mindestabstand von 1,5 Metern. Auf Körperkontakt - wie Händeschütteln, Umarmungen oder Berührungen - sollte verzichtet werden, sofern dieser sich "nicht zwingend aus unterrichtlichen oder pädagogischen Notwendigkeiten ergibt". Jeder sollte darauf achten, dass er Augen, Nase und Mund möglichst nicht berührt.

Regelmäßiges Lüften

Die Schulräume sollen laut Rahmenhygieneplan regelmäßig intensiv gelüftet werden: Vorgeschrieben ist mindestens alle 45 Minuten eine Stoß- beziehungsweise Querlüftung "durch vollständig geöffnete Fenster über mehrere Minuten (mindestens 5 Minuten)". Wenn möglich soll auch öfter während des Unterrichts gelüftet werden. Sogenannte CO2-Ampeln, mit denen nach Willen des bayerischen Kabinetts alle Klassenzimmer ausgestattet werden sollen, können dazu beitragen, den richtigen Zeitpunkt zum Lüften zu bestimmen.

Ist eine Stoß- oder eine Querlüftung nicht möglich, zum Beispiel weil die Fenster nicht vollständig geöffnet werden können, muss ein ausreichender Luftaustausch durch längere Lüftungszeit sowie das Öffnen von Türen ermöglicht werden. Zusätzlich soll es für solche Räume laut Kultusminister Michael Piazolo (Freie Wähler) mobile Luftreinigungsgeräte geben.

Möglichst feste Gruppen

Um Infektionsketten nachvollziehen zu können, soll es "im Rahmen der Möglichkeiten" möglichst feste Gruppen geben, die nicht durchmischt werden. Werden Schüler aus verschiedenen Klassen in einem Fach gemeinsam unterrichtet, sollen die Teilgruppen im Klassenzimmer blockweise sitzen. Für die Pausen empfiehlt das Kultusministerium versetzte Zeiten sowie "Zuordnungen von Zonen für feste Gruppen auf dem Pausenhof (...), soweit dies schulorganisatorisch möglich ist".

Konfessionsgemischter Religionsunterricht möglich

Um eine Durchmischung von Klassen im Religionsunterricht zu vermeiden, können Kinder und Jugendliche unterschiedlicher Konfessionen vorübergehend gemeinsam unterrichtet werden: Die Staatsregierung hat mit der evangelischen und katholischen Kirche erstmals die Möglichkeit eines "temporären kooperativen Religionsunterrichts" vereinbart.

Dafür gibt es verschiedene Modelle. Die evangelischen und katholischen Religionslehrer und -lehrerinnen können sich wöchentlich abwechseln, gegebenenfalls können auch Ethiklehrer in die Rotation einbezogen werden. Möglich ist laut Kultusminister Piazolo auch ein gemeinsamer Religionsunterricht durch eine Lehrkraft, "die aber beide Konfessionen berücksichtigt". Es handle sich dabei um ein Angebot an die Schulen, betonte der Minister. "Es ist also kein Muss." Voraussetzung dafür sei auch immer die Zustimmung der Eltern aller betroffenen Schüler sowie der beteiligten Lehrkräfte.

Partner- und Gruppenarbeit

Innerhalb der Klasse - zum Beispiel für die Durchführung von naturwissenschaftlichen Experimenten - ist Partner- und Gruppenarbeit erlaubt, wenn der Mindestabstand gewahrt wird. Mit dem unmittelbaren Sitznachbarn ist eine Partnerarbeit auch ohne Mindestabstand möglich.

Bedingungen für den Sportunterricht

Der Sportunterricht kann grundsätzlich stattfinden, allerdings müssen Auflagen des Infektionsschutzes beachtet werden. So ist in Innenräumen Sportunterricht nur mit Mund-Nasen-Schutz erlaubt. Zudem gilt dort eine Beschränkung auf der Übungszeit auf 120 Minuten. Beim Klassenwechsel muss in der Pause gründlich gelüftet werden. Umkleidekabinen dürfen genutzt werden, wenn der Mindestabstand von 1,5 Metern eingehalten wird.

Im Freien ist Sportunterricht auch ohne Maske erlaubt, sofern der Mindestabstand von 1,5 Metern zwischen allen Beteiligten eingehalten werden kann. Auf Sport mit Körperkontakt sollte möglichst verzichtet werden.

Einschränkungen beim Musikunterricht

Auch der Musikunterricht kann stattfinden, es gelten aber besondere Einschränkungen und Regeln. So ist Singen und das Spielen auf Blasinstrumenten in Gruppen bis auf Weiteres nicht erlaubt, sondern nur im Einzelunterricht mit erhöhtem Mindestabstand von 2,5 Meter möglich. Nach Einzelunterricht mit einem Blasinstrument muss der Raum mindestens 15 Minuten gelüftet werden, bei Gesangsunterricht grundsätzlich zehn Minuten lang nach jeweils 20 Minuten Unterricht.

Stellt die Schule Instrumente zur Verfügung, sollten sie nach jeder Benutzung gereinigt werden (zum Beispiel die Klaviertastatur). Vor und nach der Benutzung von Instrumenten der Schule müssen die Hände mit Flüssigseife gewaschen werden.

Pausenverkauf

Sowohl ein Pausenverkauf als auch Essensausgabe und Mensabetrieb sind zwar erlaubt. Allerdings muss laut Ministerium gewährleistet werden, dass das Abstandsgebot von 1,5 Metern zwischen allen Schülerinnen und Schülern eingehalten wird.

Was tun bei Erkältungssymptomen?

Leichte Symptome: Grundschüler dürfen mit leichten Erkältungssymptomen wie Schnupfen ohne Fieber oder gelegentlichem Husten trotzdem in die Schule. Schüler ab Klasse 5 müssen in einem solchen Fall ab dem Tag, an dem die leichten Symptome aufgetreten sind, daheim bleiben. In die Schule dürfen sie erst wieder, wenn "nach mindestens 48 Stunden nach Auftreten der Symptome kein Fieber entwickelt wurde" und in ihrem Haushalt keine Erwachsenen an Erkältungssymptomen leiden oder bei diesen eine Corona-Infektionen ausgeschlossen wurde.

Akute Erkrankung: Hat eine Schülerin oder ein Schüler akute Krankheitssymptome - wie Fieber, Husten, Kurzatmigkeit oder Luftnot, Verlust des Geschmacks- und Geruchssinns, Hals- oder Ohrenschmerzen, (fiebrigen) Schnupfen, Gliederschmerzen, starke Bauchschmerzen, Erbrechen oder Durchfall - gilt unabhängig vom Alter grundsätzlich: Sie oder er darf nicht in die Schule. Um wieder am Unterricht teilnehmen zu können, dürfen Schülerinnen und Schüler 24 Stunden keine Krankheitssymptome mehr zeigen (bis auf leichten Schnupfen und gelegentlichen Husten), müssen 24 Stunden fieberfrei sein und zusätzlich ein entsprechendes ärztliches Attest oder einen negativen Corona-Test haben. Die Entscheidung, ob ein Test erforderlich ist, trifft der Arzt. Möglich ist dabe entweder ein PCR- oder ein Antigen-Test (Schnelltest).

Was passiert bei einem bestätigten Corona-Fall in der Klasse?

Wird bei einem Schüler Covid-19 nachgewiesen, wird seine gesamte Klasse für bis zu 14 Tage vom Unterricht ausgeschlossen. Zudem ordnet die zuständige Kreisverwaltungsbehörde eine Quarantäne an. Die Schüler werden während der Quarantäne einmal getestet, vorzugsweise am fünften bis siebten Tag. Welche Lehrkräfte getestet werden, entscheidet das Gesundheitsamt je nach Einzelfall.

Schülerfahrten und Betriebspraktika

Mehrtägige Schülerfahrten sind noch bis mindestens Ende Januar ausgesetzt. Eintägige oder noch kürzere Veranstaltungen sind zulässig, sofern sie "pädagogisch erforderlich" und "schulorganisatorisch vertretbar" sind.

Auf Aktivitäten, die über den regulären Unterricht hinausgehen, sollten die Schulen verzichten. Schulgottesdienste sind zulässig. Auch Maßnahmen zur Berufsorientierung sind möglich, ebenso Betriebspraktika.

Handynutzung: Corona-Warn-App erlaubt

Eigentlich gilt in Bayern während des Schulunterrichts ein Handyverbot. Nutzen Schüler aber die Corona-Warn-App der Bundesregierung, dürfen sie ihr Mobiltelefon ab diesem Schuljahr während des Unterrichts angeschaltet lassen. Das Gerät muss aber stumm geschaltet sein und während des Unterrichts in der Schultasche bleiben.

Klassenteilungen, Schulschließungen und Distanzunterricht

Je nach Infektionsgeschehen an einzelnen Schulen oder im jeweiligen Landkreis kann die zuständige Kreisverwaltungsbehörde schärfere Schutzmaßnahmen anordnen. So kann zum Beispiel der Mindestabstand von 1,5 Metern zwischen Schülerinnen und Schülern zwingend auch in Unterrichtsräumen vorgeschrieben werden. Das führt an den meisten Schulen wegen der beengten Raumverhältnisse dann zu Klassenteilungen und einem Wechsel von Präsenz- und Distanzunterricht. Laut Kultusministerium soll insbesondere für Eingangsklassen sowie Abschlussklassen (inklusive der Jahrgangsstufe 4) vorrangig Präsenzunterricht ermöglicht werden.

Zudem ist es auch möglich, dass der Präsenzunterricht vorübergehend komplett eingestellt wird und Schulen komplett geschlossen werden. Dies war in Bayern zuletzt in Kommunen mit besonders hoher Sieben-Tage-Inzidenz der Fall, in denen ein faktischer Lockdown verhängt wurde, zum Beispiel im Berchtesgadener Land und im Kreis Rottal-Inn.

Lässt sich Distanzunterricht nicht vermeiden, ist die Teilnahme daran Pflicht. Einen Anspruch auf bestimmte Angebote gibt es dabei nicht.

Wie geht es weiter?

Anders als im Frühjahr will die Politik jetzt Schulen zwar so lange wie möglich offen halten. Beim nächsten Bund-Länder-Gipfel am 25. November wollen Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und die Ministerpräsidenten aber darüber beraten, wie Ansteckungsrisiken im Schulbereich reduziert werden können.

Der bayerische Ministerpräsident Markus Söder (CSU) sieht an den Schulen Handlungsbedarf. Er forderte, sich auf "alternative Unterrichtsformen" vorzubereiten. Insbesondere bei höheren Klassen plädiert er für den Wechsel von Präsenz- und Distanzunterricht.

Quellen und weitere Informationen: Den kompletten Rahmenhygieneplan für die bayerischen Schulen finden Sie hier. Weitere Informationen zum Unterrichtsbetrieb und Infektionsschutz an Bayerns Schulen sowie zu Beratungsmöglichkeiten hat das Ministerium auf ihrer Internetseite in einem FAQ zusammengetragen.

"Darüber spricht Bayern": Der BR24-Newsletter informiert Sie immer montags bis freitags zum Feierabend über das Wichtigste vom Tag auf einen Blick – kompakt und direkt in Ihrem privaten Postfach. Hier geht’s zur Anmeldung!