BR24 Logo
BR24 Logo
Startseite

Von Königen geschätzt, von Nazis enteignet: Die Freimaurer | BR24

© BR

Besuch bei den Freimaurern in Fürth

1
Per Mail sharen
  • Artikel mit Audio-Inhalten

Von Königen geschätzt, von Nazis enteignet: Die Freimaurer

Die Freimaurer umweht bis heute ein Mythos, der hauptsächlich auf Romanen und auf Verschwörungstheorien basiert. Tatsächlich ist die Freimaurerei aber weniger ein Geheimbund als ein internationaler Menschheitsbund mit humanistischen Idealen.

1
Per Mail sharen

Ursprünglich waren die Freimaurer eine Art Steinmetzgewerkschaft, bei der die Mitglieder gegenseitig füreinander einstanden. Aus dieser Tradition kommen auch viele ihre Symbole wie Zirkel und Winkelmaß sowie die Rangstufen der Freimaurer. Bis heute steigt ein Freimaurer vom Lehrlings- über den Gesellen bis zum Meistergrad auf.

Die obersten Freimaurer der Dombauhütten waren allerdings keine Handwerker, sondern hochgebildete Statiker und Ingenieure. Sie hatten die Fähigkeit, mit den vergleichsweise einfachen Mitteln der damaligen Zeit riesige Kathedralen zu errichten. Als Träger dieses Spezialwissens hatten sie Zugang zu den Königshöfen in ganz Europa. Sie nannten sich "free masons", auf deutsch: freie Maurer. So erklärt sich der Name.

Von den Verfolgten zum schicken Club

Besonders absolutistischen Herrschern war dieser Bund freier Menschen immer wieder ein Dorn im Auge. Preußens König Friedrich I. beispielsweise äußerte sich abfällig über die Freimaurer. Sein Sohn Friedrich II., später der Große genannt, interessierte sich für die sittliche Veredelung des Menschen. Der Kronprinz wurde in eine Hamburger Loge aufgenommen und durchlief in nur einer Nacht alle Grade vom Lehrling bis zum Meister. Dadurch war für die Freimaurer die Gefahr gebannt, möglicherweise vom preußischen König verboten zu werden.

Besonders im 18. Jahrhundert wurde es schick, Freimaurer zu sein. Die Eliten der damaligen Zeit trafen sich in den überall neu gegründeten Logenhäusern. So waren etwa Mozart, Goethe und Lessing Freimaurer. Auch der bayerische König beschäftigte immer wieder Freimaurer. König Max Joseph ließ sich vom Freimaurer-Grafen Monteglas die Regierungsgeschäfte führen, und König Ludwig II. ließ den Freimaurer und Architekten Gottfried Semper ein Richard Wagner-Theater in München planen, das allerdings so nie realisiert wurde.

Freimaurer während der NS-Zeit

Während des Nationalsozialismus gab es anfangs unrühmliche Versuche einiger vaterländischer Logen, sich den Nazis anzudienen. Das funktionierte allerdings nicht, da sich die Pläne Hitlers eindeutig gegen die Freimaurer-Ideale von Freiheit, Toleranz und Menschlichkeit wendeten. Hinzu kam, dass der Reichsführer SS, Heinrich Himmler, von okkulten Ideen besessen war und die Freimaurer im Besitz eines geheimen Schatzes wähnte. 1935 wurden die Freimaurer in Deutschland verboten, ihre Logenhäuser enteignet und ihr Besitz beschlagnahmt. Auf Befehl Himmlers wurde das größte deutsche Logenhaus in Hamburg Stein für Stein abgetragen, um dort mögliche Geheimverstecke zu lüften. Gefunden wurde allerdings nichts.

Nach 1947 gründeten sich viele Logen neu. Ihre enteigneten Kulturschätze, wie etwa wertvolle Bücher, werden heute immer wieder im Besitz staatlicher Sammlungen entdeckt und dann zurückgegeben. Erst im Dezember etwa restituierte die Bayerische Staatsbibliothek eine Sammlung von Freimaurer-Büchern an das Deutsche Freimaurer-Museum in Bayreuth. Aktuell existieren in Bayern etwa 63 Herrenlogen mit rund 2.500 Mitgliedern, sowie zwei Damenlogen, in denen etwa 70 Freimaurerinnen organisiert sind.

"Darüber spricht Bayern": Der neue BR24-Newsletter informiert Sie immer montags bis freitags zum Feierabend über das Wichtigste vom Tag auf einen Blick – kompakt und direkt in Ihrem privaten Postfach. Hier geht’s zur Anmeldung!