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Vom Kriegerdenkmal zum Friedensmahnmal | BR24

© Hermann Scholz / BR
Bildrechte: Hermann Scholz / BR

Kriegerdenkmal in Mitterteich

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    Vom Kriegerdenkmal zum Friedensmahnmal

    Kriegerdenkmäler, die an die Toten der beiden Weltkriege erinnern, stammen oft aus der Zeit nach dem Ersten Weltkrieg. Später wurden sie teilweise für Propaganda missbraucht. Bayerische Bürger wollen sich nun für ein zeitgemäßes Gedenken einsetzen.

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    Von
    • Hermann Scholz

    Sie gedenken des "Opfermuts" derer, die "fürs Vaterland gefallen" sind, manchmal mahnen sie auch "zu künftiger Tat". Kriegerdenkmäler, die an die Toten der beiden Weltkriege erinnern, stammen oft aus der Zeit nach dem Ersten Weltkrieg und wurden damals wie später von den Nazis für Propaganda missbraucht. In vielen Orten in Bayern wollen Bürger sich jetzt für zeitgemäßes Gedenken einsetzen.

    Propaganda in Stein

    Es geht schon los mit dem Wort "gefallen". Die meisten Kriegerdenkmäler sprechen nicht von "Toten" – sie erinnern eben an "Gefallene". Thomas Hermann vom Landesamt für Denkmalpflege weist darauf hin, dass das Wort in den deutschen Verlustlisten ab Herbst 1914 das Wort "tot" ersetzt hat – ein Euphemismus zu der Zeit, als das Massensterben im Ersten Weltkrieg einsetzte.

    Die meisten Kriegerdenkmäler entstanden in den 1920er-Jahren, um an die Toten des Ersten Weltkriegs zu erinnern – die Namen der gestorbenen Soldaten des Zweiten Weltkriegs wurden meistens einfach später hinzugefügt. Oft enthalten sie noch eine revanchistische Botschaft, wie in Hof: "Helden der Stadt/ruhende Saat/mahnen zur Ernte/künftiger Tat".

    Oder mitten auf dem Marktplatz von Haag in Oberbayern: "Es ist besser in der Schlacht fallen als des Volkes Unglück schauen" (ein Bibelzitat – aber hier mit klarer Botschaft für die damalige Zeit). Parolen, die schon die Revanche für den eben verlorenen Krieg andeuteten.

    Hinschauen, kommentieren, zeitgemäß gestalten

    Das Thema ist nicht nur eines von Soldaten- und Veteranen-Vereinen. In Freising haben sich vier junge Stadträte zusammengetan: Nico Heitz, Joana Bayraktar, Nicolas-Pano Graßy und Emilia Kirner, alle zwischen Anfang 20 und Anfang 30. Sie haben einen Antrag im Stadtrat gestellt, die Kriegerdenkmäler in der Stadt zu überprüfen und zum Beispiel durch Informationstafeln zu ergänzen. Die könnten die Propaganda von damals in den historischen Kontext setzen.

    Zum Beispiel das Denkmal im Stadtteil Neustift: die Inschrift erinnert an die "gefallenen Helden", die Skulpur zeigt den Heiligen Sebastian, aber nicht als christlicher Märtyrer, sondern unverwundet, aber gefesselt, und mit erhobener Faust – Niko Heitz sieht darin ganz klar Revanchismus, der ergänzt werden müsste: "Wir möchten die Kriegerdenkmäler wieder als das darstellen, was sie eigentlich sind, nämlich ein Ort, der pazifistisch und dem Gedenken gewidmet sein soll. Wir möchten das Ganze wieder ins Stadtbild zurückholen."

    Historikerin: Geschichte nicht ausmerzen

    Kriegerdenkmäler, sagt die Historikerin Katharina Weigand von der Ludwig-Maximilians-Universität München, gebe es überhaupt erst, seit es die Wehrpflicht gibt – also seit dem Ende des 18. Jahrhunderts. Auch Weigand plädiert für Erläuterungen oder eine künstlerische Auseinandersetzung mit problematischen Botschaften. Sie hält nichts davon, Inschriften oder Skulpturen, die man heute kritisch sieht, einfach zu entfernen.

    "Man kann gewisse Dinge, die in der Geschichte passiert sind, nicht einfach ausmerzen, ausreißen, und so tun, als ob sie nicht passiert wären. Das würde einer Art Lüge über das gleichen, was in der Vergangenheit passiert ist." Katharina Weigand, Historikerin

    "Nie wieder" statt Heldenverherrlichung

    Otto Radlmeier, Vorsitzender des Kreis-Krieger- und Soldatenverbands des Landkreises Freising und selbst jahrzehntelang Berufssoldat, zeigt als gelungenes Beispiel das Mahnmal in Günzenhausen im Landkreis Freising. Ein Gedenkstein, der im Wesentlichen die Namen derer aus dem Dorf aufzählt, die in den beiden Weltkriegen gestorben sind – und es ist eine schockierend lange Liste. Fast jeder Hof hatte jemanden verloren.

    Radlmeier plädiert dafür, Begriffe wie "Helden", "Krieger" oder bestimmte Bildelemente zu erläutern. Er hält die Kriegerdenkmäler als Mahnmale für den Frieden für wichtig – und als Ort, an dem Angehörige um Tote trauern können, die nicht im Ort begraben sind. Und er glaubt, dass sie als Mahnmale auch für die Bundeswehr und ihre Verbindung in die Gesellschaft wichtig sein können – denn auch die Bundeswehr hat ja auf ihren Auslandseinsätzen Tote und Verwundete zu beklagen und brauche Orte, an denen sie ihrer gedenken könne.

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