Das im Umbau befindliche Hallenbad in Bamberg. Es ist kein Wasser im Becken, an der Wand sind Graffiti-Malereien angebracht.
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Aus dem Bamberger Hallenbad am Margaretendamm wird ein Hochschul-Sportzentrum. Die Bauarbeiten sind im Gange.

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Vom Hallenbad zum Sportzentrum: Erinnerungen und Neustart

Die Verhandlungen dauerten, der Leerstand herrscht seit Langem, doch jetzt geht es voran mit dem Umbau. Das Hallenbad am Bamberger Margaretendamm wird zum Uni-Sportzentrum. Für viele Bamberger hängen Erinnerungen am alten Hallenbad.

Über dieses Thema berichtet: Frankenschau aktuell am .

Das Hallenbad am Margaretendamm ist ein Ort der Erinnerung für viele Bamberger. Geschlossen wurde es vor mehr als zehn Jahren. Jetzt soll ein Sportzentrum der Universität daraus werden.

Bamberger Hallenbad wird Uni-Sportzentrum

Mit ein bisschen Wehmut blickt Thomas Murr zurück. Er war von 1996 bis zur Schließung des Bads im Jahr 2011 technischer Betriebsleiter des Bamberger Hallenbades am Margaretendamm. Als er nach all den langen Jahren jetzt wieder das Bad betritt, ist nichts mehr, wie es einmal war: Der Treppenaufgang und die Wände sind verschalt, um den Travertin-Stein zu schützen. Die Räume der Umziehkabinen sind leer, im Rohbau. Nur noch die alten Becken sind erhalten. Die Fliesenwände mit Graffiti besprüht.

Vom Ein-Meter-Sprungbrett steht nur noch der Sockel, der Drei-Meter-Springturm ist verschwunden. Die Glas-Trennscheibe zwischen Kinder- und Schwimmerbecken wurde mutwillig zerstört und fehlt. Im Gedächtnis bleiben den Menschen die Umziehkabinen, der Föhnraum, die Wärmebänke vor dem großen Schwimmbecken. Im Hallenbad am Margaretendamm wurde Unterricht für alle Schulen erteilt, denn es war lange Zeit das einzige Bad weit und breit. Seit 2011 stand es leer. Jetzt beginnt der große Umbau.

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Das alte Hallenbad wird Hochschulsportzentrum

Als Bamberger hat Thomas Murr hier das Schwimmen gelernt. Als Erinnerung bleiben ihm vor allem das Familiäre und der spezielle Badetag für Frauen, den es früher gegeben hat. Im Hallenbad-Café wurde dafür der dicke, dunkle Vorhang vor das Fenster mit Blick auf das Bad zugezogen und innen schallten aus den Lautsprechern die Kastelruther Spatzen. Andreas Strohmer, der dort seine Ausbildung gemacht hat, ergänzt: "Wehe, wenn es das Wasser an dem Tag mal ein Grad weniger hatte". Die Umziehkabinen und Duschen waren streng zwischen Mann und Frau auf verschiedenen Ebenen getrennt. Der einstige Kassenschalter wurde erst durch Kassenfrauen am Eingang der jeweiligen Umziehkabinen ersetzt, später durch Kassenautomaten.

Bürger gingen zum Duschen ins Hallenbad

Viele Bürger kamen in den 60er-Jahren nicht nur zum Schwimmen hierher, weiß Murr. Damals war eine Dusche oder eine Badewanne noch nicht Standard und so nutzten es die Bamberger auch, um ausgiebig zu duschen. Bis zu 35 Beschäftigte hatte das Bad damals: Kassendamen, Reinigungskräfte, Schwimmmeister, Fachangestellte für die Badeaufsicht und unter anderem zwei Maschinisten für den Betrieb. Schon Murrs Vater war am Bau beteiligt. Er konstruierte das Hauptbecken, das auf Stützen steht. "Die haben damals das Becken in einem Guss bauen müssen. Die haben Tag und Nacht betoniert, damit es keine Spannungsrisse gibt." Damals achtete man bereits durch die Konstruktion auf umweltfreundliches Bauen. Denn durch die Stützenkonstruktion versuchte man, die Wärme im Gebäude zu halten und nicht in den Boden abfließen zu lassen.

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Aus dem alten Bamberger Hallenbad wird ein Sportzentrum der Uni.

Grundstein für neues Sportzentrum wird gelegt

Geplant sind vor Ort nun eine wettkampftaugliche Zweifachhalle mit Gymnastikraum und Büros. In den Außenflächen sollen darüber hinaus eine 100-Meter-Laufbahn, eine Finnenbahn sowie Weitsprung- und Kugelstoßanlagen und ein Beachvolleyballfeld entstehen. Die Hauptnutzungsfläche beträgt rund 3.000 Quadratmeter. Das Gebäude soll eine neue Fassade erhalten, die aber optisch und wirkungstechnisch der alten entspricht, heißt es von Seiten der Universität Bamberg.

2006 war das Bad in die bayerische Denkmalliste aufgenommen worden. Der letzte Badetag fand am 29. Juli 2011 dort statt. Fast auf den Tag zwölf Jahre später soll nun am 28. Juli 2023 der Grundstein für das neue Sportzentrum der Otto-Friedrich-Universität gelegt werden.

"Mit unserem Nutzungskonzept kann das denkmalgeschützte Gebäude erhalten werden und wir tragen dem Konzept 'Universität in der Stadt' Rechnung." Dagmar Steuer-Flieser, Universität Bamberg

Sportzentrum soll Ende 2025 eröffnen

2012 gab es die ersten Absichtserklärungen zum Verkauf und Ausbau. 2016 wurde der Kaufvertrag zwischen dem Freistaat Bayern und den Stadtwerken Bamberg unterzeichnet. Ab da war klar: Das Bad wird entkernt, die Schwimmbecken verschwinden.

Die Aufnahme des Betriebes wurde für das Wintersemester 2022/23 geplant. Doch es zog sich, auch aufgrund der Pandemie. Die bezugsfertige Übergabe ist für Ende 2025 geplant. Die Außenanlagen sollen 2026 fertiggestellt sein. Die geplanten Baukosten werden jetzt auf 24 Millionen Euro geschätzt.

Altes Schwimmbecken voll mit Graffiti
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Das Hallenbad am Bamberger Margaretendamm wird zum Uni-Sportzentrum.

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