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Ein Plakat mit dem Text Schützt die Kaltluftquelle Eichelberg.

Der Eichelberg im Bayreuther Osten ist wichtig für das Mikroklima in der Stadt. Ein geplantes Baugebiet könnte Auswirkungen darauf haben.

Bildrechte: BR / Markus Feulner
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    Vom Einfluss der Bebauung auf das Mikroklima einer Stadt

    Bauland in Bayreuth ist knapp. Am Eichelberg wurde ein Baugebiet mit ursprünglich 150 Wohneinheiten geplant. Forschungen der Uni ergaben aber: Das Gebiet ist eine Kaltluftquelle. Stadträte und Bürger mussten umdenken.

    Von
    Markus FeulnerMarkus Feulner
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    Der Wind weht kräftig auf dem 422 Meter hohen Eichelberg im Osten von Bayreuth. Von dort oben geht der Blick über die ganze Stadt. Der Weg, der über den Hügel führt, heißt deswegen auch Panoramaweg. Wiesen und Äcker liegen auf dem langgezogenen Bergrücken. Sie sind sogenannte Kaltluftquellen, erklärt Professor Christoph Thomas, Mikrometeorologe an der Uni Bayreuth. Er steht oben auf dem Panoramaweg und deutet hinunter auf die Stadt. Von hier oben strömt kalte Luft in die östlichen Teile von Bayreuth. Besonders in den warmen Sommermonaten sei das wichtig für das innerstädtische Klima, das Mikroklima, denn in der Stadt könne sich keine kalte Luft bilden, erklärt Thomas. Für das Wohlbefinden der Menschen, besonders Ältere oder Kinder sei das wichtig.

    Aufwändige Messungen im Stadtgebiet

    Zusammen mit seinen Studierenden hat der Mikrometeorologe das Klima in Bayreuth erforscht. Im August 2019 fuhren sie mit dem Fahrrad dreimal am Tag auf einer festgelegten Route 15 Kilometer durch die Stadt - durch die Randgebiete, die dichtbebaute Innenstadt und durch die Grünanlagen. Überall führten sie Temperaturmessungen durch: um 4:30 Uhr früh, um 16:30 Uhr am Nachmittag und abends um 20:30 Uhr. Insgesamt 45 mal. Außerdem stellten sie bis zu 17 feste Messstationen auf und ließen einen Computer Modellrechnungen erstellen. Bayreuth dürfte die am besten klimatisch erforschte Mittelstadt in Deutschland sein.

    Freifließende Kaltluftströme in der Stadt

    Auf diese Weise entstand ein Bild, wie die Kaltluftströme in der Stadt Bayreuth, die in einem Kessel liegt, verlaufen. Einmal über die Flussläufe des Roten Mains und der Mistel. Zum anderen von den umliegenden Bergen herab: der Hohen Warte, dem Sophienberg und dem Roten Hügel, wobei bei diesem die Bebauung die Luftströme schon ziemlich bremst, gar blockiert. Die vierte freie Kaltluftströmung kommt vom Eichelberg. Auch dort gibt es eine Häuserzeile und, am Fuß des Berges, den Damm der Autobahn A9, die beide den Luftfluss hemmen. Doch das sei noch tolerierbar, meint Professor Thomas. Die Kaltluftströmung sei kräftig genug, über die Autobahn zu kommen.

    Klimabewusstsein wirkt sich auf Bauplanung aus

    Die Erkenntnisse des Klimaforschers übernahm die Bürgerinitiative Eichelberg, die sich gegen ein zu groß geplantes Neubaugebiet auf der Stadtseite des Hügels wendet. Ursprünglich waren hier 150 Wohneinheiten angedacht. Ein- und Zweifamilienhäuser, Reihenhäuser und eine Kita. Neben den befürchteten Verkehrs- und Erschließungsproblemen sowie der Furcht um das Naherholungsgebiet Eichelberg, ist der Klimaschutz ein Hauptargument der Bürgerinitiative.

    Klimabewusstsein lässt Stadt umdenken

    Die Proteste der BI und die Erfahrungen aus den warmen Jahren seit dem Rekordsommer 2018, dazu das veränderte Klimabewusstsein insgesamt, ließen auch die Stadtverwaltung umdenken. Das Neubaugebiet wurde abgespeckt auf 59 Wohneinheiten plus Kita. Für die Bürgerinitiative ein Etappensieg und möglicherweise auch ein Kompromiss, mit dem man leben könnte, meint deren Sprecher Peter Voit. Wenngleich sie sich eine Reduzierung auf 50 gewünscht hätten.

    Kaltluftschneisen sollen bleiben

    Jetzt geht es darum, bei der Detailplanung des Neubaugebietes die Kaltluftschneisen festzulegen. Der kalten Luft möglichst wenig Hindernisse in den Weg zu stellen. Auch Klimaforscher Christoph Thomas kann sich mit dem verkleinerten Baugebiet anfreunden. Es blieben genug Wiesen und Felder als Quellgebiete für kalte Luft am Eichelberg. Allerdings ist für ihn das Problem der Kaltluftschneisen durch die bereits bestehende Bebauung noch nicht gelöst.

    Keine Ausweitung des Baugebietes

    Auch im Bayreuther Stadtrat wird das Thema Kaltluft diskutiert. Ein Zusammenschluss von Räten fast aller Parteien hat einen Antrag formuliert, demzufolge das Neubaugebiet in Zukunft nicht mehr erweitert werden soll, obwohl der Flächennutzungsplan das erlaube und Bayreuth dringend Baugrund bräuchte. Es sollen die Wiesen und Felder am Eichelberg auf jeden Fall erhalten bleiben. So werde das Stadtklima geschützt, der Naherholungswert bleibe erhalten und der Panoramablick würde nicht zugebaut, meint SPD-Stadtrat Thomas Bauske.

    Mikroklimaforschung im Stadtgebiet geht weiter

    Klimaforscher Christoph Thomas will seine Messungen in Bayreuth fortsetzen. Sein Ziel ist es, Städten Möglichkeiten aufzuzeigen, wie sie künftig klimafreundlich Baugebiete ausweisen, Verkehrsachsen anlegen oder Radwege bauen könnten. Damit die Innenstädte in heißen Sommern weiter lebenswert bleiben und die Gesundheit ihrer Bewohnerinnen und Bewohner geschützt wird.

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