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Vom Baum zum Stift – Faber-Castell produziert klimaneutral | BR24

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Das fränkische Traditionsunternehmen Faber-Castell mit Firmensitz in Stein gilt als weltgrößter Produzent von Schreibwaren. Außerdem ist er branchenweiter Vorreiter bei der umweltfreundlichen Herstellung seiner Produkte in Brasilien.

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Vom Baum zum Stift – Faber-Castell produziert klimaneutral

Das fränkische Traditionsunternehmen Faber-Castell mit Firmensitz in Stein gilt als weltgrößter Produzent von Schreibwaren. Außerdem ist er branchenweiter Vorreiter bei der umweltfreundlichen Herstellung seiner Produkte in Brasilien.

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Knapp zwei Flugstunden und 500 km entfernt von der lateinamerikanischen Metropole São Paulo, mitten in den Wäldern von Prata: Hier werden seit mehr als 30 Jahren Kiefern aufgeforstet. 10.000 Hektar, die Faber-Castell gehören. Davor war hier Urwald. Siedler hatten ihn abgeholzt, um Weideland für ihr Vieh zu haben.

Kiefern liefern das perfekte Holz für Stifte

Die Leiterin des Forstmanagements von Faber-Castell Brasilien zeigt auf mittelgroße Bäume:

"Wir züchten hier Kiefern, weil ihr Holz weich ist und damit perfekt für die Produktion von unseren Stiften." Kelen Buhrer Pedroso

Nach 20 Jahren sind die Kiefern-Setzlinge erntereif. Inzwischen deckt die Traditionsfirma aus Stein bei Fürth am Standort Brasilien an die 90 Prozent des Holzbedarfs für die Stifteproduktion selbst ab.

Allerdings stellt Faber-Castell auch Kunststoffprodukte her, etwa Kugelschreiber. Hier verspricht Daniel Rogger - seit 2017 als erster externer Manager Vorstandsvorsitzender des Familienunternehmens Faber-Castell - bis 2030 auf vollständige Recycling-Fähigkeit zu setzen.

Zertifizierte klimaneutrale Produktion in Brasilien

Faber-Castell produziert in Brasilien klimaneutral. Die Wälder absorbieren mehr Kohlendioxid als die Firmengruppe an allen Fertigungsstandorten weltweit ausstößt. Die Bäume binden rund 900.000 Tonnen Kohlenstoffdioxid. Das heißt, sie entlasten die Atmosphäre. Inklusive der durch den Transport von Personen und Material bedingten Emissionen. Das ist zertifiziert vom TÜV Rheinland.

Die Firma Faber-Castell AG stelle den Betrieb ihrer weltweiten Produktionsstätten klimaneutral, bescheinigt der TÜV Rheinland. Alle anfallenden CO2-Emissionen für den direkten und indirekten Energieverbrauch sowie alle transportbedingten Emissionen für Personen und Güter würden berücksichtig.

"Alle oben genannten bilanzierten und geprüften CO2-Emissionen werden von Faber-Castell durch nachhaltige Aufforstungsmaßnahmen in Prata, Brasilien, kompensiert.“ TÜV Rheinland

Sozialcharta für gute Arbeitsbedingungen

Graf von Faber-Castell wollte nicht nur etwas für das Klima tun. Er wollte auch möglichst gute Bedingungen in seinen Fabriken schaffen. So hat die Firma mit der IG Metall im Jahr 2000 eine weltweit gültige Sozialcharta vereinbart, die alle zwei Jahre kontrolliert wird, sagt Klaus-Dieter Winnerlein von der IG Metall Westmittelfranken.

Schwerpunkte sind das Verbot von Kinderarbeit, die Möglichkeit, sich gewerkschaftlich zu engagieren und die Einhaltung der Arbeitszeiten und Sicherheitsvorschriften. Bezahlt bekommen die Angestellten bei Faber-Castell in Brasilien rund 925 Euro im Monat - 15 Prozent mehr als in vergleichbaren Betrieben in der Metropolregion São Paulo üblich.

Was Brasilien so bedeutend macht

Brasilien ist die größte Auslandsniederlassung von Faber-Castell. Hier sind allein rund 2.400 Mitarbeiter beschäftigt, die rund zwei Milliarden Stifte im Jahr produzieren und in 70 Länder liefern.

Dabei ist Faber-Castell nur eine von rund 1.600 deutschen Firmen, die in Brasilien produzieren lassen - die größten sind Volkswagen und Mercedes Benz. Unter der aktuellen Regierung Jair Bolsonaro, die international wegen der beschleunigten Abholzung des Regenwalds und Einschränkungen der Pressefreiheit in der Kritik steht, kommt dem verantwortungsbewussten Verhalten europäischer Unternehmen eine noch größere Bedeutung zu.

© BR / Heike Wolf

Nachwachsender Rohstoff für Bleistifte: Kiefersetzling in Prata, Brasilien

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10.000 Hektar Kieferwald binden mehr CO2 als Faber-Castell weltweit verbraucht.

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Pflege des Kiefernwaldes in Prata, Brasilien

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In Brasilien steht die größte Faber-Castell-Fabrik

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Die Maschinen sind alt in der Fabrik von Faber-Castell in São Carlos, Brasilien.

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Auf hohe Sozialstandards in der Fabrik legt Faber-Castell aber Wert.

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Produktion von Buntstiften

Geschäfte stagnieren aktuell

Weltweit beschäftigt der Schreibwarenhersteller an die 8.000 Menschen. Faber-Castell hat Produktionsstätten in neun Ländern, Vertriebsgesellschaften in 22 Ländern und in 120 Ländern Handelsvertretungen. 40 Prozent des Umsatzes macht Faber-Castell in Lateinamerika, etwa 35 Prozent in Europa und nur ein Viertel in Asien. Deswegen versucht Daniel Rogger den Markt in China auszubauen.

Nachdem der Modetrend "Ausmalbücher für Erwachsene" dem Unternehmen einen Rekord-Umsatz von 667 Millionen Euro im Geschäftsjahr 2016/17 bescherte, sank der Umsatz im Jahr darauf auf 617 Millionen. 2018/19 sei man wieder "leicht gewachsen, währungsbereinigt zumindest“, so Sandra Suppa, Pressesprecherin von Faber-Castell.