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Vom Balkanzentrum zum Ankerzentrum für Flüchtlinge in Bamberg | BR24

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2015 entstand in Bamberg das bundesweit erste Rückführungszentrum für Flüchtlinge. Als sogenanntes Ankerzentrum seit 2018 wurde es zum Vorbild ähnlicher Einrichtungen. Trotzdem gibt es Kritik.

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Vom Balkanzentrum zum Ankerzentrum für Flüchtlinge in Bamberg

Auf dem ehemaligen Kasernengelände der US-Streitkräfte in Bamberg werden seit fünf Jahren Flüchtlinge, Asylbewerber und Migranten untergebracht. Die Einrichtung hatte Modellcharakter für Bayern und Deutschland. Sie steht aber auch in der Kritik.

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Nach dem Abzug der US-amerikanischen Streitkräfte hofften die Bamberger auf günstigen Wohnraum. Doch es kam anders. Auf dem großflächigen früheren Kasernengelände wurde 2015 das sogenannte Balkanzentrum für Flüchtlinge aus dem ehemaligen Jugoslawien eingerichtet. Aus dem Balkanzentrum wurde 2018 ein Ankerzentrum. Seit drei Jahren werden hier Kriegsflüchtlinge unter anderem aus Syrien und Migranten beispielsweise aus dem Irak und Iran auf die freiwillige Rückführung beziehungsweise auf die Abschiebung in ihre Heimatländer vorbereitet. Asylbewerber, die hier anerkannt werden, dürfen die Einrichtung verlassen und sollen in Deutschland integriert werden.

"Flüchtlingspolitik hat ein freundliches und ein hartes Gesicht, und da ist nicht das eine gut und das andere schlecht, sondern das sind zwei Seiten einer Medaille. Diejenigen, die einen Schutzbedarf haben, die sollen hier bleiben dürfen, integriert werden, Sprache lernen, Arbeit lernen. Aber diejenigen, die keinen Schutzbedarf haben, auch wenn sie noch so verständliche Gründe haben, hier ein besseres Leben zu führen, die müssen unser Land wieder verlassen, und das auch fair und zügig und schnell, und das geschieht hier." Der damalige Bundesinnenminister Thomas de Maiziere bei einem Besuch des Ankerzentrums 2015.

In Bamberg schnelle Abschiebung von abgelehnten Asylbewerbern

Vom Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) über die Ausländerbehörde bis hin zu einer Antragsstelle des zuständigen Verwaltungsgerichtes sind alle am Asylverfahren beteiligten Behörden in der Einrichtung vor Ort vertreten, um die Asylverfahren zu beschleunigen. An dem Grundkonzept hat sich über die Jahre nichts geändert. Allerdings ist die Rückführungseinrichtung inzwischen auch Erstaufnahmeeinrichtung der Regierung von Oberfranken für Flüchtlinge und seit 2018 Ankereinrichtung.

Flüchtlingsrat fordert dezentrale Unterbringung statt Ankerzentrum

Derzeit sind coronabedingt nur noch knapp 600 Menschen in der Einrichtung. Durchschnittlich vier Personen teilen sich eine Wohnung. Ursprünglich sollte die Einrichtung für 4.500 Plätze ausgebaut werden. Doch nach Kritik von Anwohnern und der Stadt Bamberg wurde die Zahl von 1.500 Bewohnern nicht überschritten. Flüchtlingshelfer kritisierten die Einrichtung immer wieder als Massenunterkunft. Der Bayerische Flüchtlingsrat fordert seit Jahren eine dezentrale Unterbringung der Asylbewerber. In der Einrichtung seien die Menschen von der Außenwelt abgeschnitten, sagt Thomas Bollwein vom Bayerischen Flüchtlingsrat. Außerdem gebe es keine Privatsphäre. So ließen sich etwa die Wohnungstüren nicht abschließen.

"Das Problem ist eben, dass die Menschen abgeschottet von der Außenwelt untergebracht werden. Wir können da nicht so einfach rein als Hilfs- und Unterstützungsorganisationen. Wir kriegen auch nur geringfügig mit, was da drin passiert." Thomas Bollwein, Bayerischer Flüchtlingsrat

Ankerzentrum: Nur Türen des Frauen-Wohnblocks abschließbar

Bisher lassen sich die Wohnungstüren nur in einem Wohnblock ausschließlich für Frauen abschließen. Die Regierung von Oberfranken will das allerdings künftig auch in allen anderen Wohnungen ermöglichen und prüft derzeit entsprechende Möglichkeiten, sagt Stefan Krug von der Regierung von Oberfranken.

Ursache für Dachstuhlbrand im Ankerzentrum ungeklärt

Konflikte zwischen Bewohnern und Sicherheitsmitarbeitern gab es immer wieder. Im September 2018 brannte der Dachstuhl eines Wohnblocks und hinterließ einen Millionenschaden. Die Brandursache konnte nie ermittelt werden. Im Dezember des gleichen Jahres verbarrikadierten sich mehrere Asylbewerber aus Eritrea in einer Wohnung und warfen mit Pflastersteinen auf Polizisten. Ein Haupttäter wurde zu neuneinhalb Jahren Haft verurteilt, ein weiterer wurde in einem psychiatrischen Krankenhaus untergebracht. In dem Zusammenhang gab es auch Ermittlungen gegen Sicherheitsmitarbeiter. Der Vorwurf: Sie seien gewalttätig gegen Bewohner vorgegangen. Die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Bamberg wurden jedoch eingestellt.

© BR/Michael Böhm

Auf dem ehemaligen Kasernengelände der US-Streitkräfte in Bamberg werden seit fünf Jahren Flüchtlinge, Asylbewerber und Migranten untergebracht. Die Einrichtung hatte Modellcharakter für Bayern und Deutschland.

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