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Straßburger Attentäter von der Polizei "neutralisiert"

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Der Syrer Jamal war einer der ersten Flüchtlinge in Dillingen.
© BR / Judith Zacher

Autoren

Anna Klein
Judith Zacher
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Der Syrer Jamal war einer der ersten Flüchtlinge in Dillingen.

Vor fünf Jahren kam der 38-jährige Syrer Jamal nach Deutschland. Doch da hatte er schon eine richtige Odyssee hinter sich: Aus dem Bürgerkriegsland im Nahen Osten über die Türkei in Richtung Balkan. Auf der Flucht durch Bulgarien hatte seine Frau damals ihr erstes gemeinsames Kind geboren – in einem Wald, auf dem Boden.

Baby im Krankenhaus festgehalten

Doch die Freude darüber währte nur kurz, denn wenig später wurde die junge Familie verhaftet und ins Gefängnis gesteckt, Jamals Frau musste sogar mitsamt dem Kind zurück in die Türkei. Erst nach elf Tagen kam sie dort wieder frei – allerdings ohne ihr Kind. Besonders unvorstellbar: Das kleine Baby musste für weitere 30 Tage in einem türkischen Krankenhaus bleiben, ohne Mutter.

Blinde Unterschrift unter dem Asylantrag

Um das Baby zurück zu bekommen, sollte Jamal in Bulgarien ein Dokument unterschreiben. Was er damals noch nicht wusste: Es handelte sich um einen Asylantrag in Bulgarien. Genau der machte die Familie zu einem typischen „Dublin-Fall“. Angekommen in Deutschland sollten sie eigentlich in das Land zurück, wo der Antrag gestellt wurde. Deshalb verzögerte sich Jamals Aufenthaltserlaubnis immer und immer wieder.

Eine Chance in Deutschland – mit Autowäsche

Doch der Syrer blieb nicht untätig: Er suchte sich in Dillingen einen Job, bei einem örtlichen Taxiunternehmen übernahm er die Pflege der Fahrzeuge – Autos putzen, Fußmatten ausklopfen, Polster absaugen.

Besetzung für die Stelle war gesucht

"Das will sonst keiner machen“, sagt der Unternehmer Roman Galonska. Er war froh, dass er Jamal hatte. Eine Arbeitsgenehmigung hat der Syrer damals problemlos bekommen. „Da war das noch einfacher“, erinnert sich Asylhelfer Georg Schrenk an das Jahr 2014, „jetzt ist das in Bayern ohne Aufenthaltstitel ja kaum mehr möglich“.

Nachwuchs bedeutet subsidiärer Schutz

Der frühere Taxifahrer aus der syrischen Hafenstadt Latikia schlug sich als Autowäscher durch. Die junge Familie bekam währenddessen Zuwachs: Jamals Frau bringt ein weiteres Kind zur Welt. Für seinen Chef war damit sicher, dass Jamal bleiben darf.

Vom Autowäscher zum Busfahrer

Und weil er sich als zuverlässiger Mitarbeiter erwiesen hat, wollte Galonska ihn als Busfahrer. Dafür ermöglichte der Dillinger Chef ihm den Busführerschein. Weil er schon in Syrien als Fahrer unterwegs war, bestand Jamal alle Prüfungen auf Anhieb mit Bravour. Auf große Fahrt geht es dann offiziell ab 15. Dezember.