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"Vollkatastrophe": Frost trifft unterfränkische Winzer schwer | BR24

© Christiane Scherm/BR-Mainfranken

Der Frost heute Nacht hat die Winzer in Unterfranken zum Teil schwer getroffen. Gerald Baldauf vom Weingut Baldauf in Ramsthal im Landkreis Bad Kissingen spricht von einer "Vollkatastrophe" und Ausfällen von 80 bis 100 Prozent in seinen Weinbergen.

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"Vollkatastrophe": Frost trifft unterfränkische Winzer schwer

Der Frost heute Nacht hat die Winzer in Unterfranken zum Teil schwer getroffen. Gerald Baldauf vom Weingut Baldauf in Ramsthal im Landkreis Bad Kissingen spricht von einer "Vollkatastrophe" und Ausfällen von 80 bis 100 Prozent in seinen Weinbergen.

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"Das ist eine kräftige Watsche für uns Winzer und tut weh. Wir kümmern uns in Handarbeit um jede einzelne Rebe. Das ist eine Herzensangelegenheit. Jeder einzelne Stock ist wie ein Kind für uns – und dann kommt der Frost und rasiert in einer Nacht alles weg. Wir wissen noch nicht, ob die Weinstöcke überhaupt wieder Trauben tragen werden", so Winzer Gerald Baldauf vom Weingut Baldauf in Ramsthal im Landkreis Bad Kissingen.

Bis zu 100 Prozent Ausfall für Winzer Baldauf

Für sein Weingut bedeutet der Frost in der ersten Nacht der Eisheiligen eine "Vollkatastrophe" und Ausfälle von 80 bis 100 Prozent. Noch gestern standen die Reben senkrecht nach oben, der Sonne entgegen – heute lassen sie die Flügel hängen. "Das sieht aus wie ein trauriges Gesicht", so der Winzer.

Probleme mit Frost keine Seltenheit

Das Problem ist auch, dass es sein Weingut nicht zum ersten Mal getroffen hat. "Wir hatten jetzt schon mehrere Jahre Probleme mit Frost, 2011 und auch im letzten Jahr. Einen solchen Schlag kann man hinnehmen, aber nicht mehrere. Dass so spät im Frühjahr noch so intensiver Frost kommt – ich weiß nicht, ob das normal ist", so der Winzer.

Weinbergskerzen für Baldauf nicht praktikabel

Weinbergskerzen aufzustellen und die Reben nachts mit Wärme vor dem Frost zu schützen, sei für ihn nicht praktikabel. Für einen Hektar bräuchte man etwa 400 Kerzen. Bei einer Fläche von 50 Hektarn sei das bei ihm personell, finanziell und technisch nicht möglich. "Man weiß ja nicht genau, welchen Weinberg es trifft. Im einen Jahr ist es der, im nächsten Jahr der andere", so Baldauf.

Zu Ausfällen wegen Corona jetzt auch noch der Frost

Er sei ratlos, wie es jetzt weitergehen soll. Zu der Coronaproblematik und den Ausfällen in Gastronomie und Handel sei nun auch noch der Frost gekommen. Der schränke seine Produktion in diesem Jahr nun komplett ein. Baldauf hat etwa 16 Hektar Weinberge im fränkischen Saaletal und 30 Hektar im Raum Würzburg. Der Familienbetrieb wurde 1966 gegründet. Gerald Baldauf hat den Betrieb 1990 von seinen Eltern übernommen und führt ihn nun mit seinem Bruder Ralf.

© BR Fernsehen

Wegen des Nachtfrosts haben die Winzer an der Mainschleife und in Mainstockheim (beides Landkreis Kitzingen) in der Nacht vom 11. auf den 12. Mai zum Teil Weinbergskerzen entzündet. Die Temperaturen lagen dort örtlich bei minus zwei Grad.

Winzer an der Mainschleife haben Kerzen aufgestellt

An der Mainschleife oder in Mainstockheim bei Kitzingen haben Winzer heute Nacht zum Teil Weinbergskerzen entzündet. Die Temperaturen lagen dort örtlich bei minus zwei Grad. Erst im Lauf des Tages wird man sehen, wenn die Blätter an den Rebstöcken getrocknet sind, wird man sehen, ob es Frostschäden gibt. "Wenn wir Pech haben, dann gibt es einen Totalschaden, dann wird die Weinlese 2020 mengenmäßig eine ganz kleine Sache", sagte der Volkacher Winzer Christian Müller.

Main-Spessart mit blauem Auge davon gekommen

In Retzstadt, der größten Weinbaugemeinde im Landkreis Main-Spessart, scheinen die Winzer mit einem blauen Auge davon gekommen zu sein. Winzer Rudi May sei sich um Mitternacht sicher gewesen, dass alles erfrieren werde. Um 3.00 Uhr habe das Thermometer auch Minustemperaturen angezeigt, gegen 5.00 Uhr sei aber der Nebel gekommen. Das sei die Rettung gewesen, so der Winzer.

Bei der ersten Kontrolle seiner Weinberge im Retztal, aber auch auch in Retzbach und Thüngersheim sah es zumindest gut aus. Doch erst, wenn die Sonne richtig auf die Weinberge scheint, wird sich zeigen, ob es braune Stellen gibt – das typische Zeichen für Erfrierungen in der Natur. "Ich bin vorsichtig optimistisch", so May.

© BR/Frédéric Gerth

In den Weinbergen von Gerald Baldauf gibt es wahrscheinlich Ausfälle von bis zu 80 Prozent.

© BR/Frédéric Gerth

So sehen die erfrorenen Triebe an den Weinstöcken aus.

© BR/Frédéric Gerth

Das Weingut Baldauf in Ramsthal im Landkreis hat es schlimm getroffen.

© Hermann Mengler

In Mainstockheim im Landkreis Kitzingen haben die Winzer spezielle Kerzen aufgestellt, um die Reben vor Frost zu schützen.

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