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Volkszählung "Zensus 2022" beginnt

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Volkszählung "Zensus 2022" beginnt

Mit dem Stichtag 15. Mai beginnt in Deutschland die Volkszählung "Zensus 2022". Die Behörden in Bayern ermitteln, wie viele Menschen im Freistaat leben, wie sie wohnen und ausgebildet sind. Die Daten sind wichtig für Politik und Verwaltung.

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Stanislaus KossakowskiStanislaus Kossakowski
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"Wir machen Inventur", sagt Michael Fürnrohr vom Landesamt für Statistik in Fürth. Bayerns Projektleiter für den Zensus soll für verlässliche Daten sorgen. Denn die letzte Volkszählung war 2011.

Statistikämter setzen auf Online-Fragebögen

Mit zusätzlichen Erhebungen und Berechnungen soll das Landesamt für Statistik die bisherigen Daten auf den annähernd zutreffenden Stand bringen. Dazu werden in Bayern stichprobenartig 550.000 Haushalte befragt, in denen etwa 2,3 Millionen Menschen gemeldet sind. Das soll diesmal überwiegend digital über Online-Fragebögen geschehen. Zum Teil kommen die Fragebögen aber auch per Briefpost. Und: Interviewerinnen und Interviewer befragen persönlich.

Hausbesuche für Zensus bis August möglich

Die Befragungen bei Bürgerinnen und Bürgern zuhause beginnen ab Montag, den 16. Mai. Sie sollen bis Mitte August 2022 abgeschlossen sein. Das Landesamt hat 20.000 Interviewerinnen und Interviewer für die Hausbesuche vorgesehen. 90 Prozent von ihnen habe man bislang rekrutieren und schulen können, teilt eine Sprecherin der Fürther Behörde auf Anfrage mit. Die meisten dieser so genannten Erhebungsbeauftragten sind ehrenamtlich im Einsatz. Sie haben für den Zensus eine Schulung durchlaufen und haben ein extra für die Volkszählung vorgesehenes Tablet dabei.

Warnung vor Betrügern

Die Haushalte, die von Erhebungsbeauftragten besucht werden, wurden vorab durch ein amtliches Schreiben informiert. Darin wird auch auf die Möglichkeit verwiesen, den angegebenen Besuchstermin bei Bedarf verschieben zu können. Befrager, die unangemeldet kommen, nach dem Einkommen, Bankverbindungen oder gar Kennwörtern fragen, seien keine Zensus-Mitarbeiter, warnt Michael Fürnrohr vom Landesamt für Statistik. In solchen Fällen rät er dazu, die Polizei zu verständigen.

Fragen an die Bürger sind fest vorgegeben

Die Zensus-Interviewer fragen nach Anzahl, Alter und Geschlecht der Bewohnerinnen und Bewohner eines Haushalts. Falls ein Haushalt für den erweiterten Fragebogen ausgewählt wurde, wird unter anderem auch nach Familienstand, Staatsangehörigkeit, Bildungsabschluss und Beruf gefragt.

Auch Wohnungsbestand und Mieten werden abgefragt

Zur Haushalte-Befragung kommt auch noch eine Datenabfrage bei allen gemeldeten Wohnungs- und Immobilieneigentümern. Sie sollen in Fragebögen, für die die Online-Zugangsdaten bereits per Post versendet wurden, detaillierte Auskünfte geben. Unter anderem: Wie groß sind die Wohnflächen? Wie hoch ist die Nettokaltmiete? Welche Heizung ist eingebaut? Wie ist der bauliche Zustand des Gebäudes? Und: Stehen auch Wohnungen leer? Die Gebäude- und Wohnungszählung ist beim Zensus 2022 so umfangreich wie noch bei keiner früheren Volkszählung, erläutert Fürnrohr. Die Daten sollen "eine Grundlage für die Gestaltung der Wohnungspolitik" geben.

Daten als Entscheidungsgrundlage für die Politik

Überhaupt soll der Zensus Bund, Ländern und Kommunen dazu dienen, mit möglichst aktuellen Daten politische Entscheidungen treffen zu können. -Etwa, wenn es um die Infrastruktur für die Bevölkerung geht, wie zum Beispiel den Bau von Verkehrswegen, Kindertagesstätten, Schulen oder Altenheimen. Einen Nutzen sollen die erhobenen Daten zum Beispiel auch in Fragen der Energieversorgung bringen – bis hin zum Klimaschutz, sagt der bayerische Zensus-Beauftragte Fürnrohr.

Zensus spannend für öffentliche Haushalte

Die Zensus-Daten werden auch für die Anwendung von Rechtsvorschriften herangezogen. Denn die Einwohnerzahl bestimmt darüber, wie hoch zum Beispiel Zahlungen beim Länderfinanzausgleich ausfallen oder wie Wahlkreise eingeteilt werden. So hatte Bayern nach dem Zensus 2011 einen Wahlkreis hinzugewonnen, weil die Volkszählung ein Bevölkerungswachstum ergeben hatte. Beim kommunalen Finanzausgleich ergaben sich für etliche Städte und Kreise veränderte Finanzmittelzuweisungen. Wer deutlich mehr Einwohner hatte als gedacht, bekam mehr Geld. In Kommunen mit einer verringerten Einwohnerzahl flossen fortan weniger Mittel. Das gefalle freilich nicht allen, räumt Fürnrohr ein.

EU schreibt Volkszählung alle zehn Jahre vor

Das EU-Recht schreibt vor, dass es in jedem Mitgliedsland alle zehn Jahre eine Volkszählung geben muss. Wegen der Corona-Pandemie wurde der Zensus in Deutschland von 2021 auf dieses Jahr verschoben. Jeder EU-Staat ist verpflichtet, bei seiner Erhebung einen Mindeststandard beim Datenschutz zu erfüllen. Für den Zensus in Deutschland gelten die Anforderungen der Datenschutz-Grundverordnung und des Bundesamtes für Sicherheit in der Informationstechnik.

Statistikämter zu Datenschutz verpflichtet

Demnach unterliegen die Interviewerinnen und Interviewer der Schweigepflicht, Onlinefragebögen dürfen nur verschlüsselt übermittelt werden und die Statistikbehörden müssen gewährleisten, dass aus den erhobenen Daten nicht auf einzelne Personen rückgeschlossen werden kann. Außerdem dürfen die Daten nicht an Dritte weitergegeben werden – also auch nicht an andere Behörden.

Bürger müssen Auskunft geben - andernfalls droht Bußgeld

Wer von den Behörden für die Zensusbefragung angeschrieben wird, muss Auskunft geben. Diese Auskunftspflicht ist gesetzlich vorgeschrieben. Wer nach einer vorgegebenen Frist nicht antwortet oder beim Termin für den Hausbesuch nicht da ist, bekommt per Post eine einmalige Erinnerung. Wer dann immer noch die Auskunft verweigert, muss mit der Androhung eines Bußgelds rechnen – verbunden mit der Aufforderung, innerhalb einer neuen Frist den Fragebogen auszufüllen. Das Verwaltungsrecht sehe da einige Maßnahmen vor, sagt Zensus-Koordinator Fürnrohr. Die Verhängung eines Zwangsgeldes solle aber die Ausnahme bleiben.

Hochrechnungen ergeben Gesamtbild der Datenlage

Die postalisch abgegebenen Fragebögen werden maschinell ausgezählt. Das Bayerische Landesamt für Statistik hat dafür eigens eine alte Fabrikhalle angemietet. Die eingereichten Onlinedaten werden in den Statistikbehörden direkt ausgewertet. Zusammen mit den amtlichen Registerdaten vom 15. Mai 2022 stellen die Statistikerinnen und Statistiker dann Hochrechnungen an, um ein Gesamtbild für Deutschland und die einzelnen Bundesländer zu bekommen.

Ergebnisse erst im Herbst 2023

Die Kosten für die Erhebung des Zensus 2022 in Deutschland werden auf 1,5 Milliarden Euro veranschlagt. Die Ergebnisse dieser "amtlichen Inventur" sollen im Herbst nächsten Jahres bekannt gegeben werden.

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