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Werbung für das Volksbegehren auf dem Smartphone
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Werbung für das Volksbegehren auf dem Smartphone

"Auch unsere Kinder und Enkel sollen noch das Summen der Bienen unter einem blühenden Kirschbaum hören, die Farben der Schmetterlinge sehen und die Melodien der Feldvögel vernehmen können", sagte der ehemalige CSU-Bundestagsabgeordnete und Schirmherr der Aktion in Stadt und Landkreis Ansbach, Josef Göppel. Deshalb sei er für das Volksbegehren "Artenvielfalt: Rettet die Bienen". In Ansbach machte ein bunter Zusammenschluss von Parteien, Umweltverbänden und Vertretern der Landwirtschaft Werbung für das Volksbegehren.

Volksbegehren startet am 31. Januar

Am Donnerstag, den 31. Januar, beginnt der Eintragungszeitraum. Ab dann liegen die Listen zwei Wochen lang bis zum 13. Februar in den Rathäusern aus. Zehn Prozent der Stimmen der bayerischen Wählerinnen und Wähler sind nötig, damit das Volksbegehren Erfolg hat und die Staatsregierung ein neues Naturschutzgesetz in Angriff nehmen muss. Für Stadt und Landkreis Ansbach bedeutet das, es müssen sich rund 17.100 Menschen in die Listen eintragen, in ganz Bayern sind rund eine Million Unterschriften erforderlich.

Änderungen im Naturschutzgesetz gefordert

Weil in Bayern immer mehr Tier- und Pflanzenarten verschwinden, fordern die Initiatoren (Landesbund für Vogelschutz, ÖDP und Bündnis 90/Die Grünen) sowie der Bund Naturschutz in Bayern ein neues Naturschutzgesetz. Sie wollen darin die Grundlage schaffen, um unter anderem alle staatlichen Flächen pestizidfrei zu bewirtschaften, zehn Prozent aller Wiesen in Blühflächen umzuwandeln und die Lebensräume von Tieren zu vernetzen.

Schmetterlingsforscher Andreas Segerer über die Ziele des Volksbegehrens

Schmetterlingsforscher Andreas Segerer über die Ziele des Volksbegehrens

Für Göppel ist Wasserschutz wichtig

"Von den vielen Einzelpunkten halte ich den für besonders wichtig, dass die Grundwasserbestände nicht mehr abgesenkt werden dürfen. Das heißt, dass man nicht mehr Wasser entnehmen darf als von oben nachkommt, damit der Speicher immer einigermaßen auf gleicher Höhe bleibt und das hängt sehr viel mit Wiesen zusammen“, so Josef Göppel und fordert daher, dass Wiesen nicht mehr in Ackerland umgebrochen und Tal-Auen nicht zubetoniert werden dürften.

Jeder kann Insekten schützen

54 Prozent aller Bienen seien bedroht oder bereits ausgestorben, 73 Prozent aller Tagfalter verschwunden und in Bayern lebten nur noch halb so viele Vögel wie vor 30 Jahren, heißt es in einem Informationsflyer zum Volksbegehren. Die Rettung der Lebensräume von Insekten sei daher nicht nur Aufgabe der Politik. Jeder einzelne könne seinen Beitrag leisten, zum Beispiel im eigenen Garten. Schon eine "kleine Unaufgeräumtheit" wie ein Haufen loser Äste als Rückzugsort für Igel und anderes Kleingetier bringe Lebensfülle, so Göppel. Die Bienen seien zwar unsere Lebensgrundlage, vor allem aufgrund ihrer Bestäubungsleistung. Die könne der Mensch niemals ersetzen.

Landwirtschaft als wichtiges Thema

Aber auch insgesamt müsse die Insektenpopulation geschützt werden, schon allein als Nahrung für Feldvögel. "Wenn man aus diesen Ketten einzelne Stückchen herausbricht, dann funktioniert das ganze System nicht mehr". Auch in der Landwirtschaft – wegen extensiver Bewirtschaftung mit hohem Einsatz von Pestiziden als mitverantwortlich für das Insektensterben kritisiert – findet ein Umdenken statt. "Wir sind in der Landwirtschaft in den letzten Jahrzehnten in eine Richtung gegangen, die sich eigentlich nur noch an Produktion und am Welthandel orientiert und das ist keine Richtung, die für die Landschaft, für den Artenschutz, für die Menschen in der Landwirtschaft auf Dauer gut ist und wir sind auch deshalb bereit, eben Änderungen mitzutragen.“, so Isabella Hirsch, 1. Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft in Bayern.

Verbraucher gefragt

Die Landwirte müssten aufhören, Natur- und Artenschützer als Konkurrenten oder Feinde anzusehen und miteinander sprechen. Jürgen Schilling , stellv. Vorsitzender von Bioland Bayern, sieht in dem Volksbegehren eine gute Chance, breite Teile der Bevölkerung anzusprechen, um die Biolandwirtschaft voranzutreiben und auf eine wirtschaftlich tragbare Grundlage zu stellen. Die Menschen müssten sich Gedanken über die Folgen ihres eigenen Handelns machen, denn die Bauern bräuchten die Verbraucher dazu, etwas zu bewegen.

"Es gibt in Indien einen Bundesstaat, der sich auf die Fahnen schreibt, komplett Bio zu werden, oder wenn man Österreich anschaut mit 27 Prozent Bio, das wäre doch ein tolles Alleinstellungsmerkmal, wenn Bayern sagen würde, wir sind das erste Bundesland in Deutschland das komplett Bio wird oder komplett regionale Lebensmittelkreisläufe hat." Isabella Hirsch, 1. Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft in Bayern.