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Volker Heißmann: Scharfe Kritik an Corona-Regeln für Theater | BR24

© pa/dpa/Tobias Hase

Volker Heißmann im Mai 2019 bei der Verleihung des Bayerischen Fernsehpreises im Münchner Prinzregententheater.

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    Volker Heißmann: Scharfe Kritik an Corona-Regeln für Theater

    Der Fürther Komödiant und Theaterdirektor Volker Heißmann hat auf Bayern 1 die Corona-Regelungen für Theater scharf kritisiert. Besonders im Vergleich mit Wirtshäusern und Biergärten würden die Theater stark benachteiligt.

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    Millionen Menschen kennen Volker Heißmann als eine Hälfte des Spaß-Duos Waltraud und Mariechen. Doch der 50-Jährige ist auch Leiter der Comödie Fürth, eines privaten Theaters, das normalerweise an 300 Tagen im Jahr Spielbetrieb hat und 380 Sitzplätze anbietet. Jetzt kritisiert der Theaterdirektor scharf die Corona-Regeln für Theater.

    "Da lachen wir uns schlapp"

    Mit 50 Leuten könne man nicht wirtschaftlich arbeiten, so Volker Heißmann. "Wenn das so wäre, wären wir ja schon stinkreiche Millionäre", sagte der Komödiant und Geschäftsführer der Comödie Fürth im Gespräch mit Bayern 1: "Dann hätten wir ja die letzten 30 Jahre unser Geld verdient. Wenn wir vor 400 Leuten spielen, und 50 brauchen wir bloß, dass wir die Kosten decken." Das sei völliger Irrsinn, das könne nur was sein für die städtischen und staatlich geförderten Theater. Für die Privatwirtschaftlichen sei das einfach nicht kostendeckend. "Da lachen wir uns schlapp", so Heißmann wörtlich.

    Theater stellt Spielbetrieb für diese Saison ein

    Heißmann erklärte in dem Gespräch, dass die Fürther Comödie aufgrund der neuen Corona-Regelung, die nur 50 Zuschauer im Saal zulässt, den Spielbetrieb für diese Saison einstellen müsse und vermutlich erst im September wieder starten könne. Das bereits ausgetüftelte Sommerprogramm stehe auch auf wackligen Beinen. "Nichtsdestotrotz haben wir uns für das Sommerprogramm überlegt, was wir machen können, etwa Open-Air spielen. Aber das geht auch nur mit mehr als 100 Leuten." Heißmann fragt sich, warum man in einem großen Wirtshaus mit 150 Leuten zum Abendessen sitzt, und das ohne Maske. Und im Theater oben müssten 50 Leute mit Abstand sitzen und Masken aufsetzen. "Das soll mir einer erklären, wo da die Gerechtigkeit ist. Genauso außen. In den Biergärten in München sind 1.000 Mann drin, aber ein Theater darf nur vor 100 Leuten spielen, da passt was nicht zusammen."

    Warum ist Musikmachen im Biergarten verboten?

    Volker Heißmann sagte, er könne nicht nachvollziehen, weshalb die Politik etwa in Biergärten kein Kulturprogramm zulässt. "Ich kann in jedem Biergarten auch ein kleines Podest aufstellen und könnte Musik spielen – darf ich nicht. Die dürfen da trinken, essen, aber ich darf keine Musik dazu machen", so Heißmann. Mit Musik sei es eine Veranstaltung und verboten. "Warum kann man nicht hier eine Band auftreten lassen, dass die Musiker auch wieder Geld verdienen? Warum kann nicht ein Kabarettist eine Stunde lang Programm machen im Biergarten? Ich glaube allmählich, die Politik hat Angst vor den Künstlern, weil sie uns wirklich wegsperrt."

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    Befürchtung: Viele Künstler bleiben auf der Strecke

    Der Chef der Comödie Fürth befürchtet, dass Corona die Kulturlandschaft verändern werde: "Es soll ein Rettungsschirm kommen, auch für die privatgeführten Spielstätten. Da bin ich zuversichtlich, dass da auch dann Geld fließt, dass man über den Sommer kommen kann." Nichtsdestotrotz werde es einige Spielstätten nicht mehr geben nächstes Jahr um diese Zeit. Und die Künstler werden sich andere Jobs suchen müssen, glaubt Heißmann. "Ich kenne ein paar Kollegen, die jetzt im Supermarkt arbeiten, die an einer Telefonhotline sind, damit sie ihr Geld verdienen. Und die sagen, naja so schlecht ist das auch nicht, das werde ich wahrscheinlich weitermachen. Und dann bleiben viele Künstler auf der Strecke."

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