BR24 Logo
BR24 Logo
Startseite
© BR24
Bildrechte: BR / Katharina Reichart

Bei Voith in Sonthofen haben sich die letzten Mitarbeiter in der Produktion von ihrem Werk verabschiedet. Es war ihr letzter Arbeitstag. Mit Grablichtern beerdigten sie das Werk symbolisch.

Per Mail sharen
  • Artikel mit Video-Inhalten

Voith Turbo: Endgültiges Ende für Getriebewerk in Sonthofen

Im Herbst 2020 ist das Getriebewerk Voith Turbo von Sonthofen nach Crailsheim verlagert worden. Heute war der letzte Arbeitstag für 90 verbliebene Mitarbeiter. Die verabschiedeten sich mit einer besonderen Aktion von ihrer Arbeitsstelle.

Per Mail sharen
Von
  • Katharina Reichart

Immer wieder ringt Anita Schillinger beim Interview um Fassung. Der ehemaligen Betriebsrätin fällt es sichtlich schwer, über das Ende des Maschinenbauers Voith in Sonthofen zu sprechen. Auch sie selbst, bisher im Versand beschäftigt, ist von der Verlagerung des Standorts nach Crailsheim betroffen: Ab sofort hat sie keinen Job mehr. "Es ist traurig, ich bin wirklich traurig, was die mit unserer Schmitte gemacht haben. Ja wütend, das ist das richtige Wort", sagt sie. Eine fast 500 Jahre währende Tradition werde einfach weggeworfen.

Voith-Werk mit Grablichtern symbolisch beerdigt

Mit einer symbolischen Beerdigung haben die rund 90 verbliebenen Produktionsmitarbeiter des Maschinenbauers Voith deshalb heute ihrer Enttäuschung über das Aus des Getriebewerks Ausdruck verliehen. Dabei zündeten eine große Zahl von Grablichtern an: Das sei für jedes Jahr produzierendes Metallgewerbe am nördlichen Ortseingang von Sonthofen eine gewesen. Angefangen habe alles mit der Eisenschmelze, aufgehört jetzt mit ausgeklügelter Getriebetechnik, die Voith Turbo Ende September 2020 nach Crailsheim verlegte. Sonthofen hat damit seinen ehemals größten Arbeitgeber verloren.

165 Voith-Mitarbeiter sollen in einem "Büro Allgäu" weiterbeschäftigt werden

Etwa 165 Voith-Mitarbeiter bleiben im Büro Allgäu. Sie werden in den Bereichen Controlling, Produktmarketing oder den Service weiterbeschäftigt. Ursprünglich waren es in Sonthofen 500 Mitarbeiter. Der Großteil wurde in einer Transfergesellschaft vorerst aufgefangen. Die 90 verbliebenen Produktionsmitarbeiter folgen jetzt. Nur sechs Mitarbeiter sind an den neuen Standort in Crailsheim gewechselt, heißt es aus Mitarbeiterkreisen. Auch Maschinen seien bereits während der Streiks und vor allem dann im Herbst 2020 nach Crailsheim gebracht worden. Das habe vor allem Schulungen von Crailsheimer Mitarbeitern in Sonthofen sowie den Wissenstransfer erschwert. Voith selbst spricht in diesem Zusammenhang von "Herausforderungen", die ein solch umfangreicher, agiler Prozess mit sich bringe. Wie es mit dem Voith-Werksgelände weitergeht, ist bislang unklar. Nach Angaben der Stadt Sonthofen wird derzeit geprüft, ob Voith Teile der Flächen verkaufen kann. Die Stadt plant momentan allerdings nicht, Flächen zu kaufen.

Mitarbeiter setzen Sozialtarifvertrag und Transfergesellschaft durch

Im Herbst 2019 hatte Voith Turbo angekündigt, das Produktions- und Montagewerk in Sonthofen zu schließen und nach Crailsheim zu verlagern. Im Frühjahr 2020 waren die Mitarbeiter des Maschinenbauers in Sonthofen deshalb in den Streik getreten und konnten schließlich gemeinsam mit der IG Metall einen Sozialtarifvertrag aushandeln. Ehemalige Voith-Mitarbeiter werden bis zu 18 Monate lang in einer Transfergesellschaft aufgefangen und können sich fortbilden lassen. Dabei bekommen sie bis zu 80 Prozent ihres Gehalts.

"Darüber spricht Bayern": Der neue BR24-Newsletter informiert Sie immer montags bis freitags zum Feierabend über das Wichtigste vom Tag auf einen Blick – kompakt und direkt in Ihrem privaten Postfach. Hier geht’s zur Anmeldung!

Sendung

Rundschau

Von
  • Katharina Reichart
Schlagwörter