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Vogelgrippe in Bayern: Was muss beachtet werden? | BR24

© dpa

Schwäne

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    Vogelgrippe in Bayern: Was muss beachtet werden?

    Die Vogelgrippe breitet sich in Bayern aus. Die Tierseuche ist zwar für den Menschen nicht gefährlich, kann aber dramatische wirtschaftliche Auswirkungen haben - und ist deshalb anzeigepflichtig. Ein Überblick, was beachtet werden muss.

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    Von
    • Christine Schneider

    Die Vogelgrippe breitet sich in Bayern aus, im Landkreis Landsberg wurde ein toter Schwan gefunden. Jedes Jahr im Spätherbst, wenn Zugvögel unterwegs sind, droht die Gefahr der Vogelgrippe. Die Viren verbreiten sich vor allem in der kalten Jahreszeit. Wenn es im Frühjahr wärmer wird, flaut das Seuchengeschehen meist schnell wieder ab.

    Erstes Alarmzeichen: Tote Wildvögel

    Der Fund von toten Wildvögeln ist meist der erste Hinweis auf den Ausbruch der Vogelgrippe. Infektionen mit den Grippe-Viren sind in Wildvogelpopulationen weltweit verbreitet. Am meisten gefährdet sind Wasservögel.

    Was tun, wenn man einen toten Vogel findet?

    Wer einen toten Vogel findet, sollte das zuständige Veterinäramt verständigen. Kranke oder tote Tiere dürfen nicht angefasst werden, auch keine Federn. Die verendeten Tiere unbedingt liegen lassen und das Veterinäramt nur über den Standort informieren.

    Sind auch Menschen gefährdet?

    Die Vogelgrippe ist eine Tierkrankheit. Infektionen des Menschen mit den aktuellen H5N8-Viren sind bislang weltweit nicht nachgewiesen. Dennoch schreibt das Friedrich-Löffler-Institut: „Menschen können sich mit der Geflügelpest anstecken. Es kann zu Bindehautentzündungen am Auge oder zu grippeähnlichen Symptomen kommen.“

    Eine Übertragung über möglicherweise infizierte Lebensmittel ist laut dem Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) aber unwahrscheinlich. Außerdem ist das Influenzavirus hitzeempfindlich und wird beim Kochen zerstört.

    Ist die Vogelgrippe für Hunde und Katzen gefährlich?

    Laut Bundestierärztekammer können sich Katzen durch das Fressen von infiziertem Geflügelfleisch infizieren und erkranken. Eine Erkrankung von Hunden ist nicht bekannt. Aber die Vierbeiner können den Erreger verbreiten. Deshalb sollte man mit Hunden vorsichtshalber nicht in Gebieten spazieren gehen, in denen tote Wildvögel gefunden wurden.

    Sperrzonen und Beobachtungszonen.

    Bricht die Vogelgrippe in einem landwirtschaftlichen Betrieb aus, wird eine Sperrzone (Restriktionsgebiet) mit einem Radius von mindestens 3 Kilometern errichtet und eine Beobachtungszone im Radius von mindestens 10 Kilometern. In der Sperrzone gilt ein Jagdverbot auf Federwild, in beiden Zonen ein sogenanntes Verbringungsverbot für Geflügel. Außerdem sind in beiden Zonen Geflügelausstellungen und Märkte verboten. Zudem kann das zuständige Landratsamt entscheiden, ob und in welchen Zonen es vorschreibt, dass Hunde angeleint werden und Katzen drinnen bleiben müssen.

    Auflagen in betroffenen Landkreisen

    Diese Zonen gibt es nicht um die Fundorte toter Wildvögel. Dennoch gelten auch hier Auflagen. Zwei Beispiele: In den Landkreisen Passau und Rottal -Inn, die bereits im November von der Vogelgrippe betroffen waren, wurden Allgemeinverfügungen erlassen, die auf den Internetseiten der Landratsämter einzusehen sind.

    Auch in Landsberg am Lech wurde nach dem Fund eines infizierten Schwans sofort für die rund 800 Geflügelhaltungen im Landkreis eine Stallpflicht angeordnet.

    Singvögel sind nicht gefährdet

    In betroffenen Gebieten ist es auch verboten, Wildvögel zu füttern. Ausgenommen von diesem Verbot sind Singvögel, denn eine Übertragung der Grippeviren auf Singvögel hat es weltweit bisher kaum gegeben. Vogelhäuschen im Garten und das Aufhängen von Meisenknödeln sind deshalb weiterhin erlaubt.

    Wie kann ein Landwirt feststellen, ob das Vogelgrippe-Virus in seinem Betrieb ist?

    Wenn Tiere krank sind oder ungewöhnlich viele tote Tiere im Stall gefunden werden, sind Landwirt und Tierarzt verpflichtet, den Bestand auf eine Virusinfektion zu testen. Wenn ein Anfangsverdachtbesteht auf Aviäre Influenza, auch Influenza A, Vogelgrippe oder Geflügelpest genannt, wird ein Geflügelbetrieb sofort gesperrt. So schreibt es die deutsche Tierseuchenverordnung vor.

    Wer macht Untersuchungen?

    Das ganze Jahr über gibt es in Bayern routinemäßige Monitoring- Untersuchungen von Hausgeflügel und auch von Wildvögeln. Dazu nimmt man meist mit einem Tupfer Kotproben. Denn viele Wildwasservögel zeigen zwar keine Krankheitssymptome, sind aber dennoch Träger der Influenza-Viren.

    Tote Tiere kommen in die Pathologie

    Nicht jeder tot aufgefundene Vogel hat Vogelgrippe. Dennoch: Bei einem Anfangsverdacht geht es in die Pathologie des Bayerischen Landesamts für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit. (LGL) Ein Hochsicherheitstrakt. Hier kommt niemand rein. Außer: Forscher und verendete Tiere.

    Meist wird den Vögeln die Luftröhre entnommen. Die ist für die Untersuchung besonders interessant, denn dort nisten sich die meisten Grippe-Viren ein.Am LGL kann man allerdings nur feststellen, dass Vogelgrippe-Erreger vorhanden sind. Die genaue Bestimmung der Subtypen übernimmt das nationale Referenzlabor, das Friedrich-Löffler-Institut auf der Ostsee-Insel Riems.

    Es gibt hunderte Varianten der Vogelgrippe

    Unter dem Elektronenmikroskop kann man anhand von Proteinen die Viren exakt bestimmen. Hämagglutinin wird abgekürzt mit dem Buchstaben „H“, es gibt 16 verschiedene, daher steht hinter dem H die entsprechende Nummer. Der zweite Buchstabe „N“ steht für Neuraminidase, davon gibt es 9 Subtypen. Theoretisch sind hunderte von Kombinationen möglich. Bei dem aktuellen Erreger handelt es sich um H5N8.

    Im Stall müssen alle Tiere getötet werden

    Für Hühner und Puten verläuft die Infektion mit diesem Erreger in der Regel tödlich. Gänse und Enten reagieren nicht ganz so empfindlich. Sind in einem Betrieb Influenza-A Viren nachgewiesen, müssen alle Tiere getötet werden. Egal, um welchen Typ es sich handelt. Denn die Viren sind wandlungsfähig und es ist möglich, dass aus einer harmlosen Variante eine hochpathogene entsteht.

    Mobile Keulungsanlagen

    Getötet werden die Tiere in einem betroffenen Geflügelbetrieb meist in einer mobilen Keulungsanlage: Kopfüber eingehängt in ein Fließband und dann in ein Wasserbad mit Strom getaucht. Der Elektroschock am Kopf betäubt die Tiere. Wenn der Strom das Herz erreicht, sind sie tot. Die Kadaver werden dann unter hohen Sicherheitsvorkehrungen vernichtet.

    Wirtschaftliche Schäden

    Die Geflügelpest hat oft massive wirtschaftliche Auswirkungen. Deshalb ist sie eine anzeigepflichtige Tierseuche und wird staatlich bekämpft.

    Den letzten großen Ausbruch der Vogelgrippe gab es in Deutschland von November 2016 bis Frühjahr 2017, es war die schlimmste Tierseuchenwelle dieser Art in seit Jahrzehnten in ganz Europa. Mehr als 900 000 Tiere mussten bundesweit gekeult werden.

    Nutzgeflügel muss drinnen bleiben

    Wird ein toter Wildvogel gefunden oder bricht die Vogelgrippe in einem landwirtschaftlichen Betrieb aus, kann das zuständige Landratsamt in einem bestimmten Umkreis eine Stallpflicht verhängen. (Das geht nach einem Beurteilungskatalog: Nähe zu Gewässern, Vogelschutzgebiet, wie viele Geflügelbetriebe Geographie usw.) Das heißt, Freiland- und Bio-Federvieh darf den Stall nicht mehr verlassen. So will man die Tiere vor Ansteckung schützen und eine Ausbreitung der Seuche verhindern.

    Müssen Eier umdeklariert werden?

    Die Eier von Bio-Hennen dürfen auch im Falle einer Stallpflicht weiterhin als Bio verkauft werden – und zwar unbegrenzt. Im Gegensatz hierzu gilt bei konventionellen Freilandeiern eine Frist von 16 Wochen. Dauert die Aufstallung wegen der Geflügelpest länger, müssen die Freilandhalter ihre Eier als Bodenhaltungseier verkaufen. Der Hintergrund: Bei Freilandeiern ist der Auslauf ins Freie das einzige Kriterium, dass die Haltungsform von Bodenhaltungseiern unterscheidet. Bei Bio kommen dagegen andere Kriterien hinzu, die für Bio entscheidend sind, etwa die Fütterung mit Öko-Futter und Beschränkungen bei der Medikamentengabe.

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