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Virtuelle Welten im Pflegeheim | BR24

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Im Nürnberger Sebastiansspital können Heimbewohner mit der VR-Brille über einen Jahrmarkt bummeln oder virtuelle Marienkäfer auf die Hand nehmen. Sie haben ebenso Spaß in einer virtuellen Welt wie junge Menschen.

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Virtuelle Welten im Pflegeheim

Im Nürnberger Sebastiansspital können Heimbewohner mit der VR-Brille über einen Jahrmarkt bummeln oder virtuelle Marienkäfer auf die Hand nehmen. Sie haben ebenso Spaß in einer virtuellen Welt wie junge Menschen. Nützlich ist es außerdem.

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Iris Nägele wirbelt mit ihrem Arm durch die Luft und lächelt. Soeben hat sie einen roten Luftballon angestupst und in den Himmel steigen lassen. Dieser Ballon existiert nur auf dem virtuellen Jahrmarkt, den die 88-Jährige durch eine Virtual-Reality-Brille sieht. Dann dreht sie den Kopf und entdeckt eine Jahrmarktbude, an der sie das Spiel "Hau den Maulwurf" ausprobieren kann. Immer wenn eines der Tiere aus seinem Erdloch herausschaut, haut Iris Nägele in der virtuellen Welt mit ihrer Hand drauf. In der realen Welt sitzt ihr Angelika Zillig, die Leiterin der sozialen Betreuung im Nürnberger Sebastiansspital am Laptop gegenüber, und lotst die ältere Frau durch das Spiel.

Fitter dank digitalen Angeboten

Ein Jahrmarkt-Besuch mittels VR-Brille soll die geistige und körperliche Aktivität anregen. Das sei auch für den Alltag im Pflegeheim hilfreich, denn die Bewohnerinnen und -bewohner sollen möglichst lange beweglich und selbständig bleiben. Nicht nur um Körperpflege und Anziehen selber erledigen können, sondern auch um aktiv am Leben im Pflegeheim teilzunehmen. Dazu gehören die Spielangebote mit der VR-Brille. Demnächst soll es noch eine tragbare und kabellose Variante geben, damit bettlägerige Menschen die VR-Brille ebenso ausprobieren können.

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Annette Damm spielt mit der Tovertafel.

Tore am Zaubertisch schießen

In dem angegliederten Pflegepraxiszentrum (PPZ) werden noch weitere digitale Anwendungen und Zukunftstechnologien erprobt wie ein Zaubertisch, die sogenannte Tovertafel. Mit Hilfe eines Projektors werden verschiedene Spielszenarien auf einen Tisch geworfen, ob Fußballspiel, Memory oder ein Musikspiel. Die Spieler können das Geschehen allein durch ihre Handbewegungen steuern. Am besten gefällt Annette Damm die Suche nach einem Marienkäfer, der sich unter buntem Laub versteckt. Mit der Hand wirbelt die 73-Jährige die Blätter durcheinander, bis der kleine rote Käfer hervorkommt und auf ihre Hand fliegt. Sie strahlt. "In der Tagespflege erleben wir, dass auch in sich gekehrte Menschen beim Spiel mit der Tovertafel plötzlich aktiv werden. Beispielsweise schießt ein älterer, sonst eher stiller Mann beim virtuellen Fußballspiel immer begeistert Tore", erzählt Tanja Dittrich, Pflegefachkraft im PPZ.

Roboter als Zukunftsszenario?

Technische und digitale Neuerungen können vor allem die medizinische Pflege erleichtern. So gibt es beispielsweise Steuerungssysteme für die Lagerung von bettlägerigen Menschen und Sensoren gegen Dehydrierung. Einen Roboter, der die Pflege übernimmt, wird es aber nicht geben, glaubt Michael Pflügner, Werkleiter der städtischen Einrichtungen des Nürnberg Stift. Denn die Pflege sei eine analoge Beziehung, die von der Menschlichkeit getragen werde. "In unserem Pflegepraxiszentrum findet daher der Abwägungsprozess zwischen Vor- und Nachteilen neuer Technologien in der Pflege statt: Wo nützen sie und wo gibt es ethische und medizinische Bedenken? Das ist wichtig, damit beispielsweise digitale Anwendungen weder verteufelt noch unreflektiert eingesetzt werden", sagt er.

Stolz und Teilhabe

Beim Einsatz der VR-Brille im Nürnberger Sebastiansspital ist immer eine Pflegekraft dabei und es wird vorher abgewogen, ob die virtuelle Welt einen Menschen mit Demenz noch zusätzlich verwirren könnte. Doch grundsätzlich findet Marlene Klemm, die Leiterin des PPZ, dass es wichtig sei, ältere Menschen am technischen Fortschritt teilhaben zu lassen. So würden die Bewohner ihren Enkeln manchmal stolz erzählen, dass sie mit einer VR-Brille gespielt haben. Die 88-jährige Iris Nägele wirkt nach ihrem virtuellen Besuch auf dem Jahrmarkt recht zufrieden, aber auch ein bisschen erschöpft. Es ist für sie eine schöne Abwechslung gewesen.

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Im Nürnberger Sebastiansspital können Heimbewohner mit der VR-Brille über einen Jahrmarkt bummeln oder virtuelle Marienkäfer auf die Hand nehmen. Sie haben ebenso Spaß in einer virtuellen Welt wie junge Menschen. Nützlich ist es außerdem.

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