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Virologin Protzer stellt 15-Kilometer-Regel infrage | BR24

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die Virologin Ulrike Protzer

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    Virologin Protzer stellt 15-Kilometer-Regel infrage

    In Corona-Hotspots gilt seit heute die umstrittene 15-Kilometer-Regel - weiter dürfen sich die Menschen dort nicht von ihrem Wohnort entfernen. Die Virologin Ulrike Protzer sieht das kritisch: Der eingeschränkte Bewegungsradius bringe keinen Vorteil.

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    • BR24 Redaktion

    Die Virologin Ulrike Protzer hält die seit heute geltenden Bewegungseinschränkungen in bayerischen Corona-Hotspots für fraglich. "Eine 15-Kilometer-Grenze bringt infektiologisch gesehen zunächst keinen Vorteil", sagte die Direktorin des Instituts für Virologie am Helmholtz Zentrum München und Leiterin des Instituts für Virologie der Technischen Universität München.

    Virologin warnt vor überfüllten Parks in den Ballungsräumen

    "Natürlich erschrecken einen die Bilder von überfüllten Ausflugszielen zunächst", sagte Protzer. "Aber wenn man die Ansammlung von Menschen vermeiden will, ist es vielleicht doch effizienter, für einzelne Orte gezielt Zugangsbeschränkungen einzuführen, zum Beispiel wenn die Parkplätze sich füllen die Zugangsstraßen zu sperren, als generell den Bewegungsradius einzuschränken."

    Denn dies berge die Gefahr, dass sich in den Ballungsräumen noch mehr Menschen auf engem Raum bewegen müssten, und die innerstädtischen Parks und Grünflächen dann erst recht überfüllt seien. "Und da trifft man dann auch schnell einmal Menschen, die man kennt, und vergisst dabei vielleicht die notwendigen Abstandsregeln."

    28 bayerische Landkreise und Städte betroffen

    Bewohner von Corona-Hotspots mit einer 7-Tage-Inzidenz von mehr als 200 dürfen sich bei Ausflügen nur noch in einem Radius von 15 Kilometern rund um ihren Wohnort bewegen.

    In Bayern sind davon aktuell 28 Landkreise und kreisfreie Städte betroffen (Stand 11.1., 00.00 Uhr). Ausnahmen sind nur erlaubt, wenn triftige Gründe vorliegen, etwa die Fahrt zur Arbeit oder zum Einkaufen.

    "Unverhältnismäßig und ungeeignet": Kritik aus der Opposition

    Auch Oppositionspolitiker hatten die Neuregelung zum Teil scharf kritisiert. SPD-Fraktionschef Horst Arnold etwa sprach auf Twitter von "Holzhammermethoden". Im Landtag nannte er die 15-Kilometer-Regel unverhältnismäßig und ungeeignet, um die Pandemie weiter einzudämmen. Dies gelte umso mehr, da viele der bei Tagestouristen besonders beliebten Alpenregionen derzeit unter der Inzidenz von 200 lägen.

    Bayerns FDP-Chef Daniel Föst erklärte nach dem Corona-Gipfel von Bund und Ländern, dass die Einschränkungen der Bewegungsfreiheit ein unverhältnismäßiger Eingriff in die Grundrechte seien. "Wir müssen das Virus eindämmen, nicht die Menschen."

    Der Präsident des Bayerischen Gemeindetags, Uwe Brandl, kritisierte die Vorgabe als schwer kontrollierbar. Die Polizei habe nur begrenzte Ressourcen. Sein Vorschlag, alternativ Bewegungsprofile aus Handys auszulesen, stieß allerdings ebenfalls auf scharfe Kritik.

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