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Virologe Klaus Stöhr: mRNA-Impfstoffe sind die Zukunft | BR24

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Viele hoffen auf die Corona-Impfung. Doch es gibt auch Kritik. Sind die Impfstoffe sicher? Wie wird die Impfung in Bayern organisiert?

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Virologe Klaus Stöhr: mRNA-Impfstoffe sind die Zukunft

Der Corona-Impfstoff wird der erste zugelassene mRNA-Impfstoff sein. Doch ist diese neuartige Impfstoff-Art auch wirklich sicher? Darüber diskutierte am Mittwochabend die Münchner Runde im BR Fernsehen.

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Von
  • Tobias Bönte

Der Virologe und Epidemiologe Klaus Stöhr, ehemaliger Leiter des Global-Influenza-Programms der Weltgesundheitsorganisation, sieht in den mRNA-Impfstoffen eine große Chance. Sie werden seiner Meinung nach in den nächsten zehn bis fünfzehn Jahren für einen Umbruch in der Impfstoff-Forschung sorgen. mRNA-Impfstoffe könnten schneller auf neue Infektionskrankheiten reagieren und hätten ein größeres Sicherheitspotential, da mRNA in jeder menschlichen Zelle vorhanden sei. Sie werden innerhalb von Stunden im Körper auf- und abgebaut, so Stöhr.

Kritik an Corona-Impfstoff: Keine Daten zu Langzeitfolgen

Skeptisch zeigte sich dagegen die Medizinjournalistin Cornelia Stolze. Langzeitfolgen wie Autoimmunreaktionen seien bisher nicht erforscht und nicht Grundlage der Zulassung. Ähnlich äußerte sich der Mediziner Stefan Schmidt-Troschke, Vorstand des Vereins "Ärzte für individuelle Impfentscheidungen". Eine Zulassung sei keine Impfempfehlung, sondern lediglich die Genehmigung, dass der Impfstoff eingesetzt werden darf. Langzeitfolgen sieht auch er bisher als nur unzureichend erforscht. Zudem lägen ihm zu wenige Daten zum Impfstoff vor. Er sei deshalb nicht abschließend "urteilsfähig".

"Ich kann mich als Arzt nicht auf eine Pressemitteilung verlassen, wenn es darum geht, meinen Patienten etwas zu verimpfen, was unter Umständen langfristige Konsequenzen hat." Dr. Stefan Schmidt-Troschke

Wichtig: Monitoring nach der Impfung

Virologe Klaus Stöhr setzte entgegen, dass dies üblich sei. Wenn Impfstoffe zugelassen würden, hätten sie noch nicht "das ganze Paket an Informationen". Er hofft auf eine transparente Informationspolitik. Diese wird für eine Akzeptanz des Impfstoffes in der Bevölkerung nötig sein, so Stöhr. Für den Kinder- und Jugendarzt Stefan Schmidt-Troschke ist deshalb ein strenges Monitoring nach der Impfung wichtig. Hierzu brauche es Strukturen, über die Bürgerinnen und Bürger niedrigschwellig Nebenwirkungen melden könnten, zum Beispiel mit einer App, wie sie Bundesgesundheitsminister Jens Spahn angekündigt habe.

Unklarheit über Herdenimmunität und "sterile Immunität"

Ein in der Öffentlichkeit viel diskutiertes Thema ist die sogenannte "Herdenimmunität". Sie gilt als Voraussetzung für eine wirksame Pandemiebekämpfung. Für Epidemiologe Klaus Stöhr wird diese Herdenimmunität eintreten, wenn 60 bis 70 Prozent der Bevölkerung gegen das Coronavirus immunisiert sind. Wenn man nun die Risikogruppen impfe, könnten bis zum Herbst 2021 bereits 30 bis 40 Prozent der Bevölkerung immun sein. Dies könne für eine etwaige dritte Welle im nächsten Herbst schon eine Hilfe sein, so Stöhr. Christiane Woopen gab zu bedenken, dass es noch völlig unklar sei, wie lange die Immunität nach einer Impfung anhalte. Mediziner Schmidt-Troschke bemängelte, dass es noch völlig ungeklärt sei, ob eine Corona-Impfung auch eine Weitergabe des Virus verhindere. Bisher sei nur klar, dass die Impfung einen Ausbruch der Krankheit verhindern oder abmildern könne. Der bayerische Innenminister Joachim Herrmann betonte dagegen die Bedeutung dieses Effekts:

"Auch ein Impfstoff, der vielleicht nicht gleich die Sterilität erreicht, aber jemanden davor bewahrt, dass er erkrankt und stirbt, ist auch ein Gewinn.“ Joachim Herrmann, bayerischer Innenminister

Innenminister Herrmann: Maskenpflicht auch mit Impfung

Herrmann betonte noch einmal, dass es keine Impfpflicht geben werde. Man setze hier auf Freiwilligkeit. Außerdem habe man zunächst auch nicht genug Impfstoff, um die gesamte Bevölkerung zu impfen. Auch Vorteile für geimpfte gegenüber nicht-geimpften Personen schloss der Minister auf kurze Sicht aus: "Es wird nicht so sein, dass Geimpfte am nächsten Tag keine Maske mehr tragen müssen."

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