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Virologe Kekulé: "Man hätte mehr gegen das Virus tun können" | BR24

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Warum werden an deutschen Flughäfen nicht entschiedenere Maßnahmen ergriffen, um die Ausbreitung des Coronavirus zu verhindern? Diese Frage wirft der Virologe Alexander Kekulé im Interview mit dem BR auf. Das Verhalten der Behörden überrasche ihn.

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Virologe Kekulé: "Man hätte mehr gegen das Virus tun können"

Warum werden an deutschen Flughäfen nicht entschiedenere Maßnahmen ergriffen, um die Ausbreitung des Coronavirus zu verhindern? Diese Frage wirft der Virologe Alexander Kekulé im Interview mit dem BR auf. Das Verhalten der Behörden überrasche ihn.

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Inzwischen ist das neuartige Coronavirus aus China auch in Bayern angekommen. Es wurde bei einem 33-Jährigen aus dem Landkreis Landsberg festgestellt, der von einer Kollegin aus China angesteckt wurde. Die bayerischen Gesundheitsbehörden überprüfen nun 40 Kontaktpersonen.

Der Virologe Prof. Dr. Alexander Kekulé hat sich erstaunt gezeigt, warum an den deutschen Flughäfen nicht entschiedenere Maßnahmen ergriffen worden sind, um die Ausbreitung des Virus in Deutschland zu verhindern.

Virologe fordert Maßnahmen gegen Coronavirus

In der Bayern 2-radioWelt sagte Kekulé: "Mich überrascht, warum die Behörden für Menschen, die aus China einreisen, nicht schon längst Informationen über Verhaltensweisen ausgeben. Dann hätte man solche Ansteckungs-Ketten in Deutschland verhindern können." Kekulé hält zwar nichts von Panikmache. Es sei aber durchaus jetzt die Zeit, um entschieden zu handeln.

"Das beste Mittel gegen Panik ist, wenn man geeignete Maßnahmen ergreift. Nun sagen die Behörden, dass Maßnahmen an den Flughäfen nichts bringen und dass die normale Grippe-Infektion viel schlimmer sei. Das ist natürlich falsch. Man muss die Ausbreitung dieses Virus, das nichts anderes als ein SARS-Virus ist, verhindern. Sonst kriegen wir chinesische Verhältnisse." Virologe Prof. Dr. Alexander Kekulé

Experte: Einreisende sollen an Flughäfen informiert werden

Einreisende zu informieren, ist ein erster wichtiger Schritt, so Kekulé. Es seien nur wenige Menschen, die das Virus ins Land bringen. "Wenn man an den Flughäfen informiert, wie man sich in den nächsten Tagen zu verhalten hat, bringt das schon recht viel", sagt Kekulé.

Wenn Erwachsene beispielsweise wüssten, dass sie in der ersten Woche nicht ständig Kontakt zu anderen Menschen haben sollen, weil sie möglicherweise ansteckend sind, dann könne man eine Ausbreitung des Virus durchaus verhindern. "Das ist nicht so ansteckend wie Influenza oder Masern", erklärt der Virologe.

Corona-Symptome nur schwer von Grippe zu unterscheiden

Die Corona-Symptome sind nur schwer von denen einer normalen Grippe-Infektion zu unterscheiden, so Kekulé.

"Nach allem, was die Chinesen berichten, sieht das einfach aus wie eine Erkältung, die langsam immer schlimmer wird. Deshalb wird es in den nächsten Wochen einen enormen Run auf die Ärzte geben, weil jeder mit einer Erkältung meint, er habe jetzt das Coronavirus." Virologe Prof. Dr. Alexander Kekulé

Coronavirus gefährlicher als Influenza

Die Influenza mit dem Coronavirus zu vergleichen, bringe aus der Sicht von Kekulé wenig. Das neuartige Virus sei durchaus gefährlicher als die "normale" Grippe: "Wenn Sie ausrechnen, wie viel Prozent der Grippe-Erkrankten an der Grippe sterben, kommen Sie auf weit weniger als ein Prozent", sagt Kekulé.

Bei SARS, und der Coronavirus sei ein SARS-Virus, wären es zehn Prozent gewesen. Es könnten dieses Mal zwar auch weniger Todesfälle sein, Corona sei aber in jedem Fall gefährlicher als die normale Grippe, so der Virologe.

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