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Viraler Facebook-Post: Oberfränkischer Gastwirt gegen Intoleranz | BR24

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Marcus Müller

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    Viraler Facebook-Post: Oberfränkischer Gastwirt gegen Intoleranz

    Mit einem emotionalen Facebook-Post hat sich ein oberfränkischer Gastwirt für mehr Toleranz und Diversität eingesetzt und damit für Tausende Reaktionen im Netz gesorgt. Es sei ihm eine Herzensangelegenheit, auf dieses Thema aufmerksam zu machen.

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    Ein emotionaler Post des fränkischen Gastwirts Marcus Müller aus Veilbronn im Landkreis Bamberg ist in den vergangenen Tagen viral gegangen. Darin spricht er sich für mehr Toleranz aus.

    Schimpftirade gegen behindertes Kind

    Konkret bezieht er sich auf eine Situation in seinem eigenen Gasthaus. Was war passiert? Im Landgasthof Lahner von Marcus Müller hatte sich eine Frau Anfang Oktober daran gestört, dass am Nebentisch eine Familie mit einem behinderten Kind saß und dort aß. Ihrem Unmut machte die Frau auf allzu deutliche Art und Weise Luft. Servicekräfte hatten ihrem Chef im Nachhinein von der unsäglichen Schimpftirade berichtet. Die Frau war der Meinung, "solche" Menschen hätten kein Recht auf einen Restaurant-Besuch und gehörten in ein Heim, "um da zu verrotten". Aussagen, bei denen Marcus Müller der Kragen platzt. In seinem Post schreibt er: "Dann kriege ich Anfälle der schlimmsten Sorte".

    Böse Beschwerde-Mail

    Doch der Vorfall im Gasthof war noch nicht das Ende der Fahnenstange. Marcus Müller erhielt kurz darauf eine böse Mail von einem anonymen Absender. Der Gasthof-Betreiber vermutet dahinter die Frau, die sich so sehr von einem behinderten Kind beim Essen gestört gefühlt hatte: "Man solle doch bitte drauf achten, welches Klientel man sich ins Haus holt (...)", zitiert Müller aus der Beschwerde-Mail. Außerdem drohte der Absender, in Zukunft nicht wieder zu kommen. Die Reaktion des Wirtes darauf ist deutlich: "Sie brauchen auch nicht wieder kommen, ich schmeiße Sie sowas von raus (...)", heißt es in seinem Post, den mittlerweile bereits mehr als 2.000 Facebook-Nutzer geteilt haben.

    Zuspruch im Netz

    Außerdem schreibt er:

    "Bei uns im Lahner ist jeder herzlich willkommen, egal ob du schwul, lesbisch, schwarz oder weiß bist. Uns ist es egal ob du dick oder dünn bist, jung oder alt, ob du ein Mensch mit Behinderung oder einfach nur anders bist." Marcus Müller, Wirt vom Landgasthof Lahner

    Für seine klaren Worte erhält der Gastwirt auf Facebook in bisher mehr als 670 Kommentaren viel Lob, Dank und Zuspruch. Zahlreiche Internet-Nutzer kündigten an, den Landgasthof demnächst gezielt aufzusuchen. Darunter sind auch viele, die dort zuvor noch nie zu Gast waren und erst durch Müllers klares Statement im Netz darauf aufmerksam wurden und nun einen Besuch in Erwägung ziehen.

    Es gibt auch Kritiker

    Doch ein paar Tage später sieht sich Marcus Müller auch durchaus mit negativen Reaktionen konfrontiert. Kritiker werfen ihm vor, nur Werbung für sein Gasthaus machen zu wollen, sagt er dem BR. Eine reine PR-Aktion? Müllers Antwort ist klar: "Darum geht es hier überhaupt nicht. Es geht hier um den Menschen und es geht um die Situation und um mehr nicht."

    Kein Einzelfall

    Zum großen Bedauern von Marcus Müller war die Situation Anfang Oktober kein Einzelfall. Schon häufiger wurden er und sein international besetztes Team im Wirtshaus Zeugen und auch Opfer von Diskriminierung. Diese, führt Müller fort, richte sich nicht ausschließlich gegen Behinderte. Auch Menschen mit Migrationshintergrund würden regelmäßig angefeindet.

    "Es ist schlimm und es wird immer schlimmer." Marcus Müller

    Deswegen sei es ihm so wichtig gewesen, ein Zeichen zu setzen. "Ich dachte mir beim Lesen dieser Mail: 'Das kann einfach nicht sein!' Und habe einfach losgeschrieben."