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Vielleicht kommt Atommüll-Endlager nach Oberbayern | BR24

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Das Landratsamt Rosenheim sieht einer möglichen Suche nach einem Atommüll-Endlager in der Region gelassen entgegen. Das erklärte Landrat Otto Lederer.

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Vielleicht kommt Atommüll-Endlager nach Oberbayern

Die Endlager-Suche hat für Unruhe gesorgt. Im Chiemgau und Altötting wurde befürchtet, dass Wege in 30 Jahren vielleicht an einem Atommüll-Endlager vorbeiführen. Auch die Kreise Freising und Erding kommen als Standort infrage, genau wie Ingolstadt.

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Irgendwo muss der ganze Atommüll hin, der immer noch tagtäglich bei uns produziert wird. Am Montag hat die Bundesgesellschaft für Endlagerung erste Vorschläge gemacht. Und darin enthalten sind – durchaus überraschend – auch Gebiete in Oberbayern.

Zehn mögliche Endlagerstandorte in Oberbayern

Einige Teile Oberbayerns sind zumindest geologisch in der näheren Auswahl bei der Suche nach einem Endlager für hoch radioaktiven Atommüll. Die für das Suchverfahren zuständige Bundesgesellschaft für Endlagerung (BGE) weist in ihrem am Montag in Berlin vorgestellten ersten Zwischenbericht folgende oberbayerische Standorte aus:

  • Landkreis Altötting
  • Landkreis Eichstätt
  • Landkreis Erding
  • Landkreis Freising
  • Kreisfreie Stadt Ingolstadt
  • Landkreis Mühldorf a. Inn
  • Landkreis Neuburg-Schrobenhausen
  • Landkreis Pfaffenhofen a.d. Ilm
  • Landkreis Rosenheim
  • Landkreis Traunstein

Bayerische Gebiete, die infrage kommen

Atommüllendlager: Landratsamt Rosenheim entspannt

Insbesondere für das Wirtsgestein Granit, aber auch für Ton werden weite Teile Bayerns als potenziell geeignet ausgewiesen. So ist vor allem ein Gebiet östlich der Stadt Rosenheim aufgeführt, zwischen Stephanskirchen und dem Chiemsee. Hier ist der Boden aus tertiärem Ton. Bislang war dieses Gebiet noch nicht in der Diskussion als mögliches Endlager.

Das Landratsamt Rosenheim sieht einer möglichen Suche nach einem Atommüll-Endlager in der Region trotzdem gelassen entgegen. Es sei schon eine große Überraschung gewesen, sagte Landrat Otto Lederer dem Bayerischen Rundfunk. Aber man wisse auch, dass noch zwei Drittel der bayerischen Landesfläche als mögliche Endlager im Gespräch seien. Deswegen sei man auch "ein Stück gelassen.“

Landrat glaubt, dass Gebiet gestrichen wird

Laut Lederer seien die Gebiete bislang nur aufgrund von geologischen Kriterien ausgewählt. Weitere raumplanerische Kriterien, wie Wasserschutzgebiete, Naturschutzgebiete oder Bevölkerungsdichte, seien noch nicht berücksichtigt. "Ich gehe fest davon aus, dass aufgrund der Vielzahl der Menschen, die hier leben, aufgrund der Wasser- und Naturschutzgebiete, die wir hier haben, das Gebiet im Landkreis Rosenheim sehr bald aus der Betrachtung fallen wird", sagte Lederer. Man erwarte nun die Stellungnahme des bayerischen Umweltministeriums.

Skepsis bei Söder und Glauber – Alpennähe "bedenklich"

Bayern werde das Verfahren "sehr konstruktiv und kritisch begleiten", sagte Ministerpräsident Markus Söder am Montag in München. Dazu werde die Staatsregierung auch auf eigene wissenschaftliche Expertisen zurückgreifen. Bayern werde sich auch auf allen politischen Ebenen „seriös“ einbringen und verlange "Fairness". Er habe derzeit das Gefühl, dass dies derzeit nicht der Fall sei und viele Bayern aus nicht-fachlichen Gründen präferierten. Auch Umweltminister Thorsten Glauber betonte, Bayern werde das Verfahren mit vielen Fragen an die zuständige Bundesgesellschaft für Endlagersuche begleiten. Bedenklich sei etwa, dass in Bayern die Alpen hohen Druck auf den Granit ausübten und dieser daher sehr zerklüftet sei.

Endlager-Suche: Bayern kritisiert Verfahren

Granit in Oberbayern eigentlich ungeeignet

Söder betonte, die Vorgabe, ein Endlager für eine Million Jahre sicherstellen zu können, erlaube keine Alternative zu geologischen Barrieren. Dies sei für den zerklüfteten Granit in Bayern etwa nicht ohne technische Maßnahmen machbar. Söder kritisierte ausdrücklich, dass der Salzstock Gorleben aus dem Verfahren herausgenommen wurde.

BGE weist Kritik aus Bayern zurück

Am Montag erklärte BGE-Geschäftsführer Stefan Studt in Berlin, dass die Bundesgesellschaft für Endlagerung rein wissenschaftlich arbeite. Dass Bayern die Auswahl von zerklüftetem Granitgestein nun kritisiere, sei überraschend, immerhin habe auch Bayern dem bundesweiten Suchverfahren wiederholt zugestimmt. Er betonte, dass die Kritik aus den Ländern nicht das Verfahren generell beschädigen dürfe. Das Vertrauen in der Bevölkerung sei ein "entscheidender Punkt im neuen Suchverfahren“. Dieses dürfe nicht durch kritische Anmerkungen schon zu Beginn des Verfahrens wieder in Frage gestellt werden - nichts sei schädlicher, sagte Studt. Bis 2031 soll ein Standort für das Endlager gefunden werden, ab 2050 soll es den Betrieb aufnehmen.